Köln - FC Bayern München gegen Borussia Dortmund: Ein Duell, das immer große Emotionen und Hochspannung verspricht. Und als wäre nicht schon genug Brisanz in dem Klassiker, treffen die beiden Teams im Halbfinale des DFB-Pokals aufeinander. Das Team von Pep Guardiola will den Traum vom Triple weiter leben, für Trainer Jürgen Klopp ist es dagegen die letzte Chance auf einen Titel mit dem BVB.

Zum achten Mal in der Geschichte des DFB-Pokals treffen die Münchner und die Dortmunder aufeinander. Es ist eine Partie, die die Massen elektrisiert! Alle schauen auf die Allianz-Arena, mit einer Frage: Wer fährt am 30. Mai zum Finale nach Berlin?

Meisterschaft perfekt! Nächster Titel, bitte...

Während Borussia Dortmund auf den letztmöglichen Titel in dieser Saison hofft, hat der FC Bayern den ersten bereits in der Tasche: Durch den 1:0-Sieg der Münchner über Hertha BSC und die Niederlage des VfL Wolfsburg gegen Borussia Mönchengladbach, hat der Rekordmeister die Schale schon sicher! Auch in dieser Saison sind sie das Maß aller Dinge (zur FCB-Meisterseite).

Doch der Titel-Hunger geht weiter, der DFB-Pokal und die Champions-League-Trophäe sollen die Titelsammlung in München weiter füllen. "Jetzt können wir uns auf das Weitere konzentrieren. Wir sind sehr heiß auf das Spiel gegen Dortmund", äußerte sich FCB-Sportvorstand Matthias Sammer direkt wieder fokussiert. Schließlich steht ein "Endspiel" auf dem Plan: "Wir haben keine Zeit zu feiern, denn wir haben ein Finale gegen den BVB", so Pep Guardiola.

An eine vorzeitige Feier will der amtierende Deutsche Meister allerdings keine Gedanken verschwenden. "Irgendwann werden wir auf dem Rathausbalkon stehen. Und dann werden wir mit unseren Fans Vollgas geben", so Kapitän Philipp Lahm. Das Wort "Vollgas" nehmen die Münchner auch auf dem Platz wörtlich. Mit der 6:1-Gala gegen den FC Porto in der Champions-League und der Meisterschale im Hinterkopf, scheint der FCB kaum zu stoppen zu sein. Sie brechen einen Rekord nach dem anderen. Auch im DFB-Pokal steht der nächste Rekord auf der Agenda. Sollte der FCB das Halbfinale für sich entscheiden, würden die Bayern zum vierten Mal in Folge ins Finale einziehen - eine einmalige Leistung. Doch trotz der Dominanz in der bisherigen Saison, sieht Guardiola das Halbfinale als offenen Schlagabtausch: "Diese Spiele waren immer eng, es kann alles passieren."

Alle spielen und kämpfen für Klopps Traum

Von Abschied will Jürgen Klopp momentan noch nichts wissen. "Ich habe hier noch den letzten Traum: Noch einmal mit dem großen Lastwagen um den Borsigplatz fahren. Das wäre lässig", verkündete Klopp bei der Pressekonferenz seiner Rücktritts-Bekanntgabe. Es wäre der emotionalste Abschied, den sich wohl jeder Dortmund-Anhänger nach sieben Jahren Jürgen Klopp vorstellen kann. Die Tatsache, dass das Spiel in München stattfindet, soll dabei aus Sicht des BVB-Trainers keine Hürde sein: "Wer Pokalsieger werden will, muss irgendwann Bayern München schlagen - egal, wo."

Ganz anders stehen die Münchner zum Thema Abschied: Die Bayern-Verantwortlichen wollen den Trainer, der in Dortmund Geschichte geschrieben hat, bereits am Dienstagabend verabschieden - aus dem DFB-Pokal und auch insgesamt. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, wird Jürgen Klopp am Dienstagabend einen Blumenstrauß überreichen. Zunächst solle jedoch das Spiel im Fokus stehen: "Wir sind auf Krawall gebürstet und wollen uns nicht mit Blumen weichkochen lassen", gibt sich Klopp kämpferisch. "Gegen Bayern darf man nie passiv sein. Wir müssen mit allen Sinnen am Start sein", so der Dortmunder Trainer weiter.

Durch den Einzug in das Finale würden die Dortmunder die Chance auf eine Teilnahme in der Europa League wahren. Mit dem Sieg des DFB-Pokals könnten die Schwarz-Gelben die lange Zeit verkorkste Saison doch noch schön ausklingen lassen. Zudem sind die Borussen plötzlich wieder auf der Jagd nach Platz 5 in der Bundesliga. Somit stehen für den BVB in dieser Woche gleich zwei "Endspiele" an, folgt doch am Wochenende das Spiel in Hoffenheim.

"BVB-Schreck" trifft auf "Triple-Torwart"

Pep Guardiola kann mit Hinsicht auf die Personalsituation aufatmen. "BVB-Schreck" Arjen Robben und Medhi Benatia trainieren wieder mit der Mannschaft. Robben wird beim Pokal-Hammer zudem höchstwahrscheinlich in der Startelf auflaufen. "Er ist nicht Joker. Wenn er fit ist, wird er spielen", sagte Guardiola.

In sieben Partien gegen den BVB erzielte der Offensivspieler sieben Tore, unter anderem den Siegtreffer im Champions-League-Finale 2013. Neben Bastian Schweinsteiger stand im Spiel gegen Hertha BSC auch Javi Martinez wieder im Kader. Die Bayern sind also auch personell für den Showdown gerüstet.

Jürgen Klopp muss wie auch schon im Spiel gegen Eintracht Frankfurt auf den Keeper Roman Weidenfeller verzichten. Der 34-Jährige muss wegen einer Beckenprellung und eines Faserrisses pausieren. Dennoch bietet der BVB mit einem "Triple-Torwart" Paroli: Mitchell Langerak hat eine Hundertprozentquote gegen die Münchner. Sowohl in der Meistersaison 2010/11, im DFB-Pokal-Finale 2012 und beim Supercup 2014 stand der 26-Jährige zwischen den Pfosten. Außerdem wird Ex-Kapitän Sebastian Kehl nach überstandenem Rippenbruch wieder im Kader stehen. Auch ein Einsatz von Ilkay Gündogan (nach Rachenentzündung) und Kevin Großkreutz (nach Muskelbündelriss) ist möglich.

Von Patrick Eckholt