Selten hat sich ein Trainerwechsel so ausgezahlt, wie der bei Werder Bremen. Unter Viktor Skripnik holte Werder sechs Siege in zehn Spielen und insgesamt 19 Punkte, unter seinem Vorgänger Robin Dutt gab es in neun sieglosen Partien gerade einmal vier Unentschieden. Deshalb überrascht es nicht, dass Werder-Legende Frank Ordenewitz (1988 Meister) im neuen Trainer im Interview mit bundesliga.de den Hauptverantwortlichen für den Aufschwung sieht.

bundesliga.de: Herr Ordenewitz, wie gefällt Ihnen Werder Bremen im Jahr 2015?

Frank Ordenewitz: Über den Start kann man sicher nicht meckern. Werder hat das Optimum aus den ersten beiden Spielen herausgeholt. Aber die richtigen Kracher kommen dann jetzt in den nächsten Wochen.

bundesliga.de: Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für den Aufschwung?

Ordenewitz: Der Trainerwechsel hat einiges bewirkt. Viktor Skripnik hat mit seinem Team einiges erreicht. Man sieht, dass die Mannschaft ganz anders spielt und mit einem ganz anderen Selbstvertrauen auftritt. Er hat die Mannschaft gut in den Griff bekommen.

bundesliga.de: Sechs von zehn Spielen konnte das zuvor sieglose Werder unter seiner Regie gewinnen. Die Mannschaft spielt erfolgreich, Talente wurden eingebaut. Viel besser kann ein Trainerwechsel nicht funktionieren.

Ordenewitz: Genau diesen Effekt haben wir uns alle erhofft. Die Rechnung ist bis jetzt aufgegangen. Aber es ist noch ein weiter Weg in dieser Saison zu gehen. Jetzt kommen mit Leverkusen, Augsburg, Wolfsburg und Schalke vier Gegner mit einer ganz anderen Hausnummer als die ersten beiden. Nach diesen vier Spielen wird man sehen, wie es aussieht.

bundesliga.de: Als ehemaliger Topstürmer schauen Sie bei einem Angreifer wie Franco di Santo sicher ganz genau hin. Ist er so etwas wie Werders Nichtabstiegsversicherung?

Ordenewitz: Ja, das denke ich schon. Er hat jetzt schon neun Tore erzielt, obwohl er wochenlang verletzt war. Er ist sehr wichtig für unsere Mannschaft. Er könnte unsere Lebensversicherung sein.

bundesliga.de: Was zeichnet ihn aus? Was macht ihn stark?

Ordenewitz: Er ist ein Stürmer, der auch mal die Hütte trifft. Wenn man sieht, wie er seine Tore macht, ist das schon außergewöhnlich. Außerdem arbeitet er für die Mannschaft viel nach hinten mit. Das ist sehr wichtig.

bundesliga.de: Auch bei den Wintertransfers scheint Werder mit Jannik Vestergaard und Levin Öztunali zwei Spieler geholt zu haben, die die Mannschaft weiterbringen.

Ordenewitz: Mit den wenigen Mitteln, die Werder im Moment zur Verfügung stehen, hat der Verein das Optimum herausgeholt. Aber auch die anderen Spieler bringen ihre Leistung. Die Mischung stimmt. Ein erfahrener Spieler wie Clemens Fritz macht im defensiven Mittelfeld einen guten Job. Im Moment passt es, die Mannschaft funktioniert. Es sieht ganz gut aus.

bundesliga.de: Werder ist auf Platz 11 geklettert. Ist das der Platz, der dem Leistungsvermögen entspricht oder ist es noch zu früh für eine Prognose?

Ordenewitz: Das ist schwer vorherzusagen. Wenn ich mir die Tabelle so anschaue, sind alle Mannschaften ab Platz 10 in der Nähe der Abstiegsränge. Das ist eine Momentaufnahme.

bundesliga.de: Am Sonntag trifft Werder auf Bayer Leverkusen, eine Truppe, die aktuell auswärts besser auftritt als daheim. Wie schwer wird die Aufgabe?

Ordenewitz: Es wird schwer, aber Werder hat nach den beiden Siegen jetzt auch Selbstvertrauen. Mit dem Publikum im Rücken glaube ich schon, dass gegen Leverkusen etwas möglich ist. Leverkusen ist wie gesagt sicher ein anderes Kaliber als die ersten beiden Gegner Hertha oder Hoffenheim. Ich bin gespannt wie sich die Jungs gegen die Werkself verkaufen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski