Bremen - Zwei Neuzugänge und einen Abgang vermeldete der SV Werder Bremen am Dienstag. Werders Geschäftsführer Sport, Thomas Eichin, fand am Dienstagmittag trotzdem Zeit, mit werder.de über die Situation zu sprechen und zog ein zufriedenes Fazit nach aufreibenden Wochen mit geöffnetem Transfer-Fenster.

Der Geschäftsführer Sport berichtete über viel Arbeit, ein klares Torhüter-Konzept, den Glücksgriff Vestergaard und die Transfer-Mannschaft hinter dem Team.

 

Frage: Herr Eichin, mit Jannik Vestergaard hat Werder mal wieder einen baumlangen Kerl geholt. Ist es auch ein großer Transfer?

Thomas Eichin: Auf jeden Fall freuen wir uns, dass wir einen Spieler wie Jannik Vestergaard jetzt in unseren Reihen haben. Von den Voraussetzungen wäre er für viele Vereine interessant gewesen, aber er wollte zu Werder! Er ist 22 Jahre, Kapitän der dänischen U21-Nationalmannschaft und hat trotzdem schon über 70 Bundesliga-Spiele. Er wird ein Gewinn für unseren Kader sein.

"Haben unsere Hausaufgaben perfekt gemacht"

Frage: Wie kam es zum Wechsel des Dänen, der ausgerechnet gegen Werder seinen ersten Bundesligatreffer erzielt hat?

Eichin: Wir haben schon lange auf ihn geschaut und Geduld bewiesen. Jetzt war die Situation da, dass er bei Hoffenheim nicht gespielt hat und wir ihm eine gute Perspektive bieten konnten. Wir wissen ja auch, dass wir einen Spieler seiner Kategorie nicht hätten holen können, wenn er dort uneingeschränkter Stammspieler gewesen wäre. Aber für uns zählt nur unsere Einschätzung seiner Klasse. Der SV Werder hatte schon immer mit solchen Spielern ein gutes Händchen und darauf setzen wir jetzt auch.

Frage: Wie sah das Anforderungsprofil für Jannik Vestergaard (Bild) aus?

Eichin: Wir haben mit seiner Verpflichtung eine Wunschvorstellung der sportlichen Leitung inklusive Trainerstab umgesetzt. Wir wollten noch einen Defensivspezialisten und haben nun perfekterweise einen jungen, entwicklungsfähigen, deutschsprechenden Mann geholt, der sich total mit Werder und unserem Weg identifziert und das Potenzial hat, auch sofort weiterzuhelfen. Er spielt vorzugsweise in der Innenverteidigung, könnte aber auch als Sechser spielen. Wir haben unsere Hausaufgaben perfekt gemacht.

Frage: Am Montag schließt das Transferfenster. Sind sie froh, dass es dann erstmal vorbei ist?

Eichin: Das sind schon ganz spezielle Wochen. Ich muss ein Kompliment an die ganze Mannschaft hinter den Kulissen, mit den Sportdirektoren, dem Justiziar, den Verantwortlichen für die Medienarbeit aussprechen, die in den letzten Wochen ohne Urlaubstag durchgearbeitet haben und mit dafür gesorgt haben, dass in diesem Winter einiges passiert ist. Wir haben seit dem Dortmund-Spiel Öztunali geholt, die Spieler Elia, Petersen und Obraniak, die zuletzt keine Rolle mehr gespielt haben, abgegeben. Und dann haben wir unsere Pläne auf der Torhüter-Position und auf der Innenverteidigung punktgenau umgesetzt.

"Wir mussten einfach zugreifen bei Zetterer"

Frage: Über die Aktivitäten auf der Torhüterposition wurde ja sehr viel geschrieben, können sie den Plan einmal erklären?

Eichin: Na klar, das ist gar nicht so kompliziert, wie es alle geschrieben haben. Der Trainerstab und die sportliche Leitung haben nach der Hinrunde analysiert, dass es durchaus zu Situationen kommen kann, dass wir im Abstiegskampf plötzlich die gesamte Last auf die Schultern eines Torhütertalents legen müssten, der noch für die A-Jugend spielen könnte. Hier wollten wir einfach breiter aufgestellt sein. Mit Koen Casteels bot sich plötzlich in Absprache mit den Wolfsburgern die Chance, einen gestandenen Keeper mit Bundesliga-Erfahrung für sechs Monate zu holen, der menschlich super reinpasst und uns perfekt absichert, ohne dass er den Torhütern hinter ihm auf Dauer den Weg blockiert.

Frage: Am Dienstag dann die Verpflichtung von Michael Zetterer und die Ausleihe von Richard Strebinger nach Regensburg. Wie passt das ins Konzept?

Eichin: Sehr gut! Wir haben schon vor der Saison mit Richard Strebinger vereinbart, dass wir über eine Ausleihe reden, wenn er nicht überraschend viele Bundesliga-Einsätze bekommt. Er ist einfach an einer Schwelle seiner Entwicklung, über die er nur mit Wettkampf-Praxis kommt. Deswegen haben wir seinem Wunsch entsprochen, dass er sie mit dieser Variante bekommt. Vierte Liga ist für ihn zu wenig. Er ist super ehrgeizig, er muss 2. Bundesliga oder 3. Liga spielen und wird gestärkt zu uns zurückkommen. Bei Michael Zetterer (Bild) lässt sich sagen, dass wir jetzt einfach zugreifen mussten. Wir haben ihn schon lange beobachtet und jetzt hat sich eine wirtschaftlich vielversprechende Gelegenheit geboten. Hinter ihm war die halbe Bundesliga her. Er ist hochtalentiert, fußballerisch sehr stark. Er wird sich im Training unter Bundesliga-Bedingungen weiter entwickeln. Wir haben damit eine komfortable Situation mit viel Konkurrenzkampf und einer guten Mischung mit verschiedenen Keepern. Da sind wir auch über den Sommer hinaus sehr gut aufgestellt.

Frage: Sind die Transferaktivitäten damit abgeschlossen?

Eichin: Mit den Zugängen sind wir zufrieden und haben unsere Planung abgeschlossen, wenn nicht eine totale Überraschung passiert. Der Kader steht. Das Transferfenster ist jetzt noch bis Montag geöffnet. Wenn noch etwas passiert, dann nur bei wirtschaftlich interessanten Angeboten, über die wir diskutieren müssen. Unter Zugzwang sind wir aber nicht! Die Rückrunde kann starten.

Frage: Wie lautet Ihr Fazit?

Eichin: Wir haben zweifellos Qualität in den Kader geholt und sind für die Rückrunde gewappnet. Wir waren mit unserem Kader zum Ende der Hinrunde zufrieden und haben ihn jetzt nochmal weiterentwickelt. Es wird neuer Konkurrenzkampf im Kader entstehen. Trainerstab und sportliche Leitung haben gemeinsam neue Impulse gesetzt. Die Fans sollten sich freuen, dass wir jetzt viele tolle Duelle im Kampf um die Stammplätze erleben werden. Wir sollten jetzt nicht zuerst wieder die negativen Dinge in den Fokus rücken, denn natürlich wird es auch Spieler geben, die mal nicht auf dem Platz stehen. Wir sollten denen die Daumen drücken, die sich im Kampf um die Stammplätze durchsetzen und auf unserem Werder-Weg die Punkte einsammeln. Das Team wird diese Situation meistern und die Fans werden sich nicht beirren lassen und dem Team den Rückhalt geben, den sie Viktor und seinen Jungs auch schon im Herbst gegeben haben.