Als Spieler hat der 36-jährige Max Eberl diverse Berg- und Talfahrten erlebt. Drei Mal stieg er mit verschiedenen Vereinen in die Bundesliga auf, zwei Mal musste er die bittere Erfahrung des Abstiegs machen. Und auch in seiner neuen Funktion als Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach weiß Eberl, wie es ist, nicht aus dem Tabellenkeller rauszukommen.

Als Hans Meyer im Oktober vergangenen Jahres Cheftrainer in Gladbach wurde, übernahm der ehemalige Spieler Max Eberl den Posten des Sportdirektors. Die Borussia lag am 34. Spieltag mit 31 Punkten auf Tabellenplatz 15 - einen Punkt vor Energie Cottbus - und blieb erstklassig.

Viele neue Spieler müssen integriert werden

Das war letzte Saison. Für die neue Spielzeit wurde kräftig eingekauft: Meeuwis, Neustädter, Reus, Marx, Bobadilla und Arango wurden verpflichtet, um die "Fohlen" auf Trab zu bringen. Dafür verließen wichtige Leistungsträger wie Alexander Baumjohann und Marko Marin das Team, und Gladbach findet sich dort wieder, wo sie in der abgelaufenen Saison aufgehört haben.

Fünf Niederlagen, 16 Gegentore, sieben Punkte aus acht Spielen ergeben für die Borussia aus Gladbach den ernüchternden Tabellenplatz 15. Damit hatten die Verantwortlichen der "Fohlen" zu Beginn der Saison sicher nicht gerechnet.

Die Verunsicherung ist im Spiel sichtbar

Einem gelernten Abwehrspieler wie Eberl dürften vor allem die 16 Gegentore wenig gefallen. Gegen Borussia Dortmund gab es am vergangenen Samstag eine 0:1-Heimniederlage. Die Mannschaft ist verunsichert, entsprechend ernst analysierte der Sportdirektor gegenüber dem Fernsehsender "sky" die Lage nach dem Spiel: "Bei uns ist die Leichtigkeit, die wir am Anfang der Saison hatten, verlorengegangen. Heute hat man die Verunsicherung gesehen. Wir sind da angekommen, wo wir nicht hinwollten: im Abstiegskampf."

Dass der Druck weiter steigt, solange die Ergebnisse nicht stimmen, weiß Eberl genau. "Durch fünf Niederlagen hintereinander wird die Zeit immer knapper und der Druck von außen immer größer. Es gilt, den Schalter umzulegen: Aber fragen Sie bitte nicht, welchen Schalter. Den müssen wir selbst erst einmal in Ruhe finden", sagte er in der DSF-Sendung "Doppelpass".

Länderspielpause kommt zur rechten Zeit

Für Eberl ist Michael Frontzeck der richtige Trainer, um die Mannschaft zu formen, die Neuzugänge zu integrieren und das Zusammenspiel zu gestalten: "Wir haben die Entscheidung für Michael Frontzeck getroffen, weil er einfach am Besten passt. Wir haben eine Mannschaft, die sich formen und finden muss und das hat Michael Frontzeck bei seinen vorangegangenen Vereinen immer wieder nachgewiesen."

Die Länderspielpause kommt für viele Vereine oft im ungünstigsten Moment. Anders sieht es bei Gladbach aus. Die Mannschaft, mit all ihren Neuzugängen, muss sich finden und Spielpraxis sammeln.

Da kommt die zweiwöchige Pause für Eberl gerade richtig: "Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, das aufzuarbeiten - es geht weiter! Acht Spieler, die gegen Dortmund in der Mannschaft gestanden haben, kamen in diesem Jahr erst nach Gladbach. Auch wir sind also in einer Phase, wo wir die Mannschaft erst formen und finden müssen. Das bedarf Zeit - ich weiß, das ist im Fußball nicht das, was man hören will."

Arango muss Verantwortung übernehmen

Sobald die Findungs- und Integrationsphase bei der Borussia erledigt und abgeschlossen ist, und die Südamerikaner Raul Bobadilla und Juan Arango ihre volle Leistung abrufen werden, wird das Team einen besseren Fußball zeigen, davon ist Eberl überzeugt.

"Juan Arango ist ein Spieler, der in einer Mannschaft den Ausschlag ins Positive ausmachen kann. Dass er gegen den BVB nicht gut gespielt hat, dass sehen wir alle. Aber auch er gehört zum Mannschaftsgefüge und muss als 29-jähriger Führungsspieler dazu beitragen", sagte Eberl: "Raul Bobadilla ist erst 22 - der weiß noch gar nicht, was er alles kann. An den beiden liegt es nicht. Es liegt daran, dass wir sehr viele neue Spieler haben und die in eine neue Gruppe bringen müssen."

Barnabas Szöcs