München - Als die deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch nach Istanbul abhob, sinnierte Teammanager Oliver Bierhoff bereits über die Höhenflüge bei der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. "Unser Ziel ist der EM-Titel. Nach unserer starken WM 2010 wird in der Welt und in Europa nur positiv über unsere junge Mannschaft gesprochen. Und ein Sieg in der aufgeheizten Atmosphäre in der Türkei wäre ein weiterer Baustein, um mit Blick auf die EURO als Team weiter zu wachsen", sagte Bierhoff vor dem vorletzten EM-Qualifikationsspiel am Freitag gegen die Türkei (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker).

Der ehemalige Nationalmannschaftskapitän hob allerdings gleichzeitig auch mahnend den Zeigefinger, damit die DFB-Auswahl nicht die gleichen Fehler wie vor der EM 2008 macht. "Da sind wir nach einer sehr souveränen Qualifikation durch die Heimniederlage gegen Tschechien ins Stottern geraten. Das hat uns in der Vorbereitung ein paar Wochen gekostet, deshalb wollen wir in die kommenden Spiele weiter mit Elan gehen", sagte der 43-Jährige.

Wichtige Erfahrung für die jungen Spieler

Für Bundestrainer Joachim Löw, der mit insgesamt zehn Siegen aus zehn Qualifikationsspielen eine DFB-Bestmarke in Qualifikationsspielen aufstellen will, ist die Partie am Bosporus nach dem starken 3:2 gegen Brasilien im August ohnehin ein weiterer wichtiger Härtetest auf seiner Titelmission. In der "Hölle von Istanbul" sollen gerade die jungen Nationalspieler wie Mario Götze Wettkampfpraxis auf ganz hohem internationalem Niveau erleben. Vor allem soll auch der Gladbacher Shootingstar Marco Reus sein Nationalmannschafts-Debüt feiern, nachdem er in den vergangenen Monaten vier Mal verletzt oder krank absagen musste.

"Ich weiß, was in der Türkei auf unsere Mannschaft zukommt. Immer wenn es gegen Deutschland geht, ist die Stimmung unheimlich aufgeheizt, die ganze Nation steht dann hinter dem Team. So ein Erlebnis ist wichtig für die Reife unserer jungen Spieler", sagte Löw, der als Trainer von Fenerbahce Istanbul (1998-1999) sowie Adanaspor (2000-2001) die türkische Mentalität kennenlernte.

Löw mit Personalproblemen

Allerdings treiben dem 51-Jährigen aktuell die anhaltenden Personalprobleme die Sorgenfalten auf die Stirn. Toni Kroos vom Rekordmeister Bayern München liegt weiterhin mit einer Grippe im Bett und kann frühestens zum Spiel gegen Belgien in Düsseldorf am kommenden Dienstag anreisen.

Zudem konnten auch Mittelfeldstar Mesut Özil (Real Madrid) sowie die beiden Angreifer Miroslav Klose (Lazio Rom) und Mario Gomez (Bayern München) am Mittwoch noch nicht am Training der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) teilnehmen. Özil leidet weiterhin an Achillessehnenproblemen, Klose musste wegen Knieschmerzen aussetzen, Gomez hat Probleme an den Adduktoren. Ob die drei Stammkräfte alle am Freitag eingesetzt werden können, ist derzeit noch offen.

Keine Systemumstellung

Da sowohl Klose als auch der Gomez angeschlagen sind, wird Löw in seiner alten Heimat Türkei wohl noch keine Systemumstellung auf das altbewährte 4-4-2 vornehmen. Mit Blick auf eine größere Flexibilität bei der EM hatte der Bundestrainer am Dienstag angekündigt, bei den anstehenden Spielen wieder beide Spitzen gemeinsam auflaufen lassen zu wollen. Nun setzt Löw am Freitag im Stadion von Galatasaray Istanbul voraussichtlich wieder auf das System mit nur einer Spitze - und die wird nach aktuellem Stand Gomez heißen.

Noch wichtiger als das reine Experimentieren für die EURO ist Löw und Bierhoff allerdings, dass man der DFB-Auswahl trotz der bereits feststehenden Qualifikation in den Spielen in der Türkei und gegen Belgien keine Wettbewerbsverzerrung vorwerfen kann. Die Türken liegen zwei Spiele vor Schluss zwei Punkte vor Belgien. "Wir werden sportliche Fairness walten lassen", betonte Bierhoff.

Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung:

Neuer - Lahm, Badstuber, Mertesacker, Boateng - Khedira, Schweinsteiger - Müller, Özil (Götze), Podolski - Gomez (Klose)