München - Die Tür öffnete sich einen Spalt und Thomas Müller blickte verschmitzt in die Runde. "Noch nicht so weit? Dann kann ich mir in aller Ruhe ja noch einen Kaffee holen", grinste der Bayern-Star, nachdem er gesehen hatte, dass der erste Teil der Fragerunde noch nicht beendet war.

Vor der versammelten Journaille saß zu diesem Zeitpunkt noch Mario Gomez und gab bereitwillig Auskunft über sein Innenleben, das zwei Tage nach dem Champions-Lague-Aus gegen Inter Mailand wieder halbwegs aufgeräumt schien. "Es war ein bitterer und trauriger Moment, zumal wir die bessere Mannschaft waren. Aber das ist abgehakt - und jetzt blicken wir nur noch nach vorne. Wir wollen unbedingt in der nächsten Saison Champions League spielen."

Selbsttherapie auf Müller'sche Art

Die beiden Tage haben offenbar genügt, um an der Säbener Straße den "Stich ins bayerische Herz" (Karl-Heinz Rummenigge) zu verarbeiten und die missratene Saison noch halbwegs zu retten. Bei Müller fing die Verarbeitung des Erlebten bereits kurz nach der 2:3-Niederlage an. "Ich hatte einen kleinen Anfall, den ich nicht bremsen konnte. Das war im Moment des Abpfiffs ziemlich heftig", gestand der 20-Jährige nach seiner "Kaffeepause". "Aber das war vielleicht schon Selbsttherapie, um schnell wieder den Kopf freizuhaben."

Dies gelang offenbar in beeindruckender Manier - denn Müller war schon wieder zu Scherzen aufgelegt. "Inter hatte Leute dabei, die mehr Haare am Rücken haben als auf dem Kopf", feixte der WM-Torschützenkönig auf die Frage, ob die Mailänder das Duell aufgrund ihrer größeren Erfahrung entschieden hätten.

"Woche des Schreckens ist vergessen"

Die Selbstheilung vollzog sich demnach rechtzeitzig vor dem Saisonfinale, bei dem der bayerische Renommierclub zumindest noch die Qualifikation für die "Königsklasse" erreichen will. "Ich bin ein Typ, der Positives wie Negatives schnell abschließen kann - oder zumindest in tiefe Schichten verfrachtet", verriet der Offensivallrounder.

"Die Woche des Schreckens ist vergessen. Ich habe den Kopf wieder frei für das Spiel in Freiburg. Wir haben jetzt keine Lorbeeren, auf denen wir uns ausruhen können - und wir wollen die bisherige Saison ein Stückweit gut machen." Für den Endspurt in der Bundesliga fordert Müller nicht weniger als die maximale Ausbeute. "Acht Spiele, acht Mal Vollgas und acht Siege - und dann werden wir auf Platz 2 oder 3 stehen."

Platz 2 nicht abgeschrieben

Probleme, das für den Rekordmeister bescheidene Ziel der Champions-League-Qualifikation anzugehen, sieht auch Gomez nicht. "Es gibt kein Motivationsloch", ließ der Bayern-Stürmer wissen, auch wenn es für das erfolgsverwöhnte Starensemble fortan um keinen Titel mehr geht. "Unser Titel ist Platz 2 oder 3. Wir können nicht vier Monate trauern und uns irgendwann wundern, warum wir die letzten Spiele verschlafen haben."

Volle Kraft voraus heißt es also für den Rest der Spielzeit - und selbst die direkte Champions-League-Qualifikation ist trotz der sieben Punkte Rückstand auf Leverkusen noch nicht außer Reichweite. "Wir werden eine Mannschaft sehen, die in den verbleibenden acht Partien alles geben wird", kündigte Müller gegenüber bundesliga.de an: "24 Punkte könnten sogar noch für Platz 2 reichen - auch wenn es klar ist, dass wir die erstmal holen müssen." Die Tür zur Champions League ist erst einen Spalt offen - vielleicht kommt Thomas Müller am Samstag statt mit einer Tasse Kaffee ja mit drei Punkten nach Hause.

Johannes Fischer