Nach dem Auftaktspiel gegen den FC Bayern zeigt sich 1899-Trainer Ralf Rangnick im Interview mit bundesliga.dezufrieden mit dem 1:1. Der Coach verrät, wie der Hoffenheimer Offensivstil die Zuschauer in der vergangenen Saison verzauberte und dass nun ein Stück Normalität in den Club einziehen wird.

bundesliga.de: Herr Rangnick, wie zufrieden sind Sie mit dem 1:1?

Ralf Rangnick: Am Ende müssen wir mit dem Ergebnis zufrieden sein. Wir waren in der 1. Halbzeit die bessere Mannschaft, die 2. Hälfte ging dann doch ein Stück weit an die Bayern. Und deshalb ist am Ende das Ergebnis in Ordnung. Unser Spiel in der ersten Halbzeit war richtig gut, wenn nicht sogar sehr gut. Für's erste Spiel war das in Ordnung.

bundesliga.de: Täuscht der Eindruck, oder ist es tatsächlich so, dass bei Spielen zwischen Hoffenheim und Bayern ein hoher Unterhaltungswert garantiert ist?

Rangnick: Ja, wahrscheinlich hat es auch damit zu tun, dass auf der einen Seite der erfolgreichste und beste Verein in Deutschland spielt, nämlich die Bayern, und wir als absoluter Neuling und Nobody, den man vor zwei Jahren ja noch gar nicht kannte, dann auch so etwas wie den kleinen Herausforderer darstellen.

bundesliga.de: Im vergangenen Jahr sind Sie mit Hoffenheim wie Phoenix aus der Asche gekommen und haben die Fans auf der ganzen Welt begeistert. Wie erklären sie diesen Fans das Phänomen Hoffenheim?

Rangnick: Ich glaube, genau darin liegt auch dieses Phänomen, dass wir so viele Menschen erreicht haben. Uns kannte niemand, weder den Verein, noch die Spieler - und Hoffenheim klingt ja auch ein bisschen putzig. Und dazu gepaart mit einer doch eher offensiven Spielweise. Ich glaube, dass sind Dinge, mit denen man die Herzen der Menschen erreicht.

bundesliga.de: Jetzt gehen Sie mit Hoffenheim in die zweite Bundesliga-Saison. Was hat sich im Vergleich zum ersten Jahr verändert?

Rangnick: Zum einen werden wir anders wahrgenommen. Wir sind jetzt natürlich nicht mehr der Aufsteiger, den man vielleicht am Anfang noch ein kleines bisschen auf die leichte Schulter genommen hat. Und zum Zweiten sind wir selber aber auch um ein Jahr Erfahrung reicher. Und das wird sicher dazu führen, dass unser Spiel sich vielleicht auch ein bisschen mehr in Richtung rationalem Spiel auch entwickelt und nicht nur alleine auf der Gefühlsebene stattfindet.

bundesliga.de: Worauf legen Sie eigentlich bei einem Bundesligaspieler besonderen Wert neben seinen sportlichen Qualitäten?

Rangnick: Wichtig ist schon, dass er sich auch als Teamplayer zeigt und nicht diesen Sportplatz als Showbühne nutzt, um sich selber darzustellen. Natürlich gibt es da auch immer mal wieder Ausnahmen. Spieler wie Carlos Eduardo oder Chinedu Obasi, die dürfen schon dann auch mal ihr herausragendes Können zeigen. Aber es darf nicht zu Lasten der Mannschaft gehen.

bundesliga.de: Sie haben große Klubs wie Schalke oder Stuttgart trainiert. Was macht für Sie den besonderen Reiz aus, in Hoffenheim zu arbeiten?

Rangnick: Es hat schon ein bisschen was mit einem kleinen Märchen zu tun. Diese Entwicklung, die wir uns zwar insgeheim erhofft hatten, so hinzubekommen, das ist schon außergewöhnlich.

bundesliga.de: Was erwartet Ihre Mannschaft am 2. Spieltag in Leverkusen?

Rangnick: Das ist die nächste große Aufgabe, die wir vor der Brust haben. Leverkusen ist stark. Wir haben letztes Jahr zwei Mal gegen sie verloren und das zeigt schon, wie schwer die Aufgabe für uns wird. Aber ich denke, die 1. Halbzeit gegen Bayern sollte der Gradmesser sein. Wenn wir in Leverkusen so auftreten, haben wir auch dort eine Chance, Punkte zu holen. Mich hat es überrascht, dass Mainz gegen Leverkusen einen Punkt geholt hat. Für mich war Bayer klarer Favorit. Jetzt wollen wir schauen, dass wir dort auch was holen.

Das Gespräch führte Thomas Mörs