Gelsenkirchen - Der 1. FC Köln hat einen neuen Lieblingsgegner. Der 3:0-Auswärtssieg beim FC Schalke 04 war bereits der dritte Dreier im dritten Spiel gegen Königsblau seit dem Bundesliga-Aufstieg in der Vorsaison. Taktisch perfekt eingestellt überraschten die Domstädter die Knappen mit einem Pressing auf die Dreierkette und blitzsauber ausgespielten Kontern. Am Ende siegte die Elf von Peter Stöger hochverdient, wenn auch vielleicht mit einem Tor zu hoch. Zu den Aktivposten im Kölner Team zählte erneut Yannick Gerhardt, der gegen Schalke immer besonders gut aufgelegt ist und sich nach dem Abpfiff zum Interview stellte.

bundesliga.de: Glückwunsch, Yannick Gerhardt, der FC hat 3:0 auf Schalke gewonnen, Sie haben das zweite Tor geschossen. Wie ist es dem FC gelungen, die Schalker Siegesserie zu knacken?

Yannick Gerhardt: Vom Ergebnis her war es sehr deutlich. Ich denke, das Spiel war über weite Strecken offen. Wir wussten, dass die Schalker Mannschaft offensiv sehr stark ist. Deshalb wollten wir erst einmal in der Defensive kompakt stehen. Das ist uns gut gelungen. Darüber hinaus wollten wir auch gefährliche Konter setzen. Dass wir drei davon eiskalt verwandeln, zeigt, wie perfekt unser Plan aufgegangen ist.

bundesliga.de: Hat Schalke so gespielt, wie der FC es erwartet hat?

Gerhardt: Ja. Wir wussten, dass die Schalker ihr Spiel oft mit einer Dreierkette aufbauen werden und viel über Johannes Geis laufen würde. Wir wollten ihren Spielaufbau und ihn durch Anthony Modeste zustellen. Das hat er sehr gut gemacht. So wurde es schwer für Schalke, weil wir sie damit etwas überrascht und die Konter dann sehr gut gesetzt haben.

"Dieser Sieg ist ein Ausrufezeichen"

bundesliga.de: Ihr Tor zum 2:0 war die Vorentscheidung. Beschreiben Sie es doch einmal.

Gerhardt: Ich sehe, dass sich Pawel Olkowski auf der rechten Seite sehr stark durchsetzt. Ich bin nach innen gezogen und habe darauf gelauert, dass der Ball zu mir springt. Er kam dann auch. Ich habe ihn noch auf meinen eigentlich etwas schwächeren Fuß gelegt. Dass er so einschlägt, ist ein Traum und freut mich sehr.

bundesliga.de: Schalke 04 und Yannick Gerhardt – das ist eine Erfolgsgeschichte. In der vergangenen Saison gelang Ihnen hier Ihr erster Assist, im Rückspiel haben Sie Ihr erstes Bundesliga-Tor gemacht und jetzt erneut getroffen.

Gerhardt: Es ist sehr schön, dass ich der Mannschaft mit direkten Torbeteiligungen helfen kann. Aber viel wichtiger ist natürlich, dass wir so einen Auswärtserfolg feiern können. So kann es gerne weiter gehen.

bundesliga.de: Was bedeuten die drei Punkte für die Tabellensituation des FC?

Gerhardt: Wir gucken von Spiel zu Spiel. Es ist noch früh in der Saison. Aber natürlich ist dieser Sieg ein Ausrufezeichen. Genauso wissen wir aber auch, dass die hohe Niederlage gegen Frankfurt (2:6, die Red.) noch gar nicht so lange her ist. Deswegen versuchen wir, Konstanz in unser Spiel zu bringen und weiter kontinuierlich zu punkten.

"Ich kann mich nie ausruhen"

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die bisherige Ausbeute von 14 Punkten und Platz 5 nach dem 8. Spieltag?

Gerhardt: Wenn uns das vor der Saison einer gesagt hätte, hätten wir das gerne unterschrieben. Wir sind auf einem richtig guten Weg und müssen einfach so weiter machen. Wir sind eine sehr hungrige und entwicklungsfähige Mannschaft mit vielen jungen Spielern. Ich hoffe, da geht noch einiges nach oben.

bundesliga.de: Wie weit soll es denn noch nach oben noch gehen?

Gerhardt: Wir wollen den Verein wieder mittel- und langfristig in der Bundesliga etablieren. Alles, was darüber hinaus kommt, ist dann Zugabe.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass Sie sich mit den starken Leistungen zuletzt in der ersten Elf des FC festgebissen haben?

Gerhardt: Ich hoffe es. Aber ich weiß auch, dass wir beim 1. FC Köln eine sehr starke Konkurrenz haben. Das ist für mich persönlich aber auch gut, weil ich mich nie ausruhen kann. Ich genieße jetzt erstmal die Länderspielpause mit dem Sieg im Rücken. Und danach versuche ich mich weiter durchzusetzen.

"Modeste tut uns sehr gut"

bundesliga.de: Wie erleben Sie Ihre zweite Bundesliga-Saison?

Gerhardt: Es ist gut, dass ich immer auf dem Boden gehalten werde. Als junger Spieler habe ich vielleicht noch Schwankungen in meinem Spiel. Aber ich versuche mich in jedem Spiel anzubieten, wenn ich die Chance bekomme. Ich denke, dass ich mittlerweile auch einiges an Erfahrung gesammelt habe. Auch negative Erfahrungen. Ich kann jetzt alles besser einschätzen. Von mir aus kann es jetzt so weitergehen wie bisher.

bundesliga.de: Sagen Sie doch einmal ein paar Sätze über die FC-Tormaschine Anthony Modeste, der schon wieder getroffen hat.

Gerhardt: Er ist ein komischer Vogel. Er hat immer gute Sprüche auf Lager und kann auch schon viel besser deutsch als er in der Öffentlichkeit zugibt. Für uns als Mannschaft ist er sehr wichtig, weil er immer anspielbereit ist. Wenn wir in der Bedrouille sind, können wir einen langen Ball auf ihn spielen. Er macht die Bälle super fest, und zudem knipst er fast in jedem Spiel. Er tut uns sehr gut.

bundesliga.de: Fällt Ihnen spontan ein komischer Spruch von Modeste ein?

Gerhardt: Er schreit im Bus immer irgendwas, das versteht nicht mal die Hälfte von uns. Er macht immer auf sich aufmerksam und das ist auch gut so.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski