Dortmund - Auch für Werder Bremen war der Spitzenreiter eine Nummer zu groß - und Borussia Dortmund jagt nach dem 2:0-Erfolg jetzt den Hinrunden-Rekord der Bayern.

Dabei war der Sieg über die Bremer ein hartes Stück Arbeit und phasenweise auch von Glück begleitet. Warum sich die Mannschaft dieses Glück verdient hat und was die große Stärke des BVB in dieser Saison ist, darüber spricht Marcel Schmelzer im Interview mit bundesliga.de. Außerdem blickt der Linksverteidiger - gegen Bremen zweikampfstärkster Spieler auf dem Platz - voraus auf das letzte Spiel der Hinserie und den Showdown in Sevilla.

bundesliga.de: Marcel Schmelzer, es war ein hart erkämpfter Sieg gegen Bremen. Der BVB hat sehr dominant begonnen, dann aber Werder ins Spiel kommen lassen. Was war los?

Marcel Schmelzer: Genau das hat der Trainer auch schon in der Halbzeit angesprochen. Wir haben sehr gut angefangen, viel Druck gemacht und sind schnell durch den tollen Freistoß von Nuri in Führung gegangen. Aber dann haben wir nachgelassen - genau das, was wir in der letzten Saison viel zu häufig gemacht haben. Eigentlich dachten wir, dieses Problem hätten wir überwunden. Aber wir haben zum Glück noch die Kurve bekommen und den Sieg nach Hause gebracht.

bundesliga.de: Ist die schwächere Phase vielleicht zum Ende der Hinrunde auch ein Kraftproblem? Oder doch eher eine Kopfsache?

Schmelzer: Ein Kraftproblem ist es definitiv nicht. Man hat ja gesehen, dass wir auch gegen Werder 90 Minuten lang gepowert haben. Wir wissen selbst nicht so genau, warum wir diese schwächere Phase und den Rückfall in alte Zeiten hatten. Aber wichtiger war, dass wir es einfach abstellen und im richtigen Moment das zweite Tor machen. Am Ende haben wir verdient die drei Punkte behalten.

bundesliga.de: War diesmal auch etwas Glück dabei? Immerhin gab es einige diskussionswürdige Szenen - Werder forderte einen Elfmeter, beim zweiten Tor hätte man auf Abseits entscheiden können.

Schmelzer:(lacht) Selbst wenn der Schiedsrichter das zweite Tor abgepfiffen hätte, hätten wir ja immer noch geführt. Nein, im Ernst: Ich weiß nicht, ob man da von Glück sprechen kann. Aber wenn, dann verdienen wir uns unser Glück im Moment auch durch die Art, wie wir Fußball spielen und regelmäßig Vollgas geben. Unter dem Strich passt das schon!

bundesliga.de: Gab es eine kleine Schrecksekunde, als Roman Weidenfeller behandelt werden musste?

Schmelzer: Anfangs war das schon ein kleiner Schock, aber er konnte schnell Entwarnung geben. Roman hatte nur einen Schlag auf den Knöchel bekommen, der sehr schmerzhaft, aber letztlich harmlos war. Wir wussten also ziemlich schnell, dass er weiterspielen konnte.

bundesliga.de: Ist das die einzige Sorge, die sich diese Mannschaft angesichts ihres Punktekontos und ihrer Perspektiven in der Liga noch machen muss - dass sich einer der Leistungsträger länger verletzt?

Schmelzer: Nein, gar nicht. Wir haben ja gerade erst gesehen, was passiert, wenn zum Beispiel Lucas Barrios ausfällt. Dann ersetzt ihn Robert Lewandowski sehr gut. Und das gilt auch auf anderen Positionen. Auf unserer Bank sitzen Spieler, die ohne Probleme auch in der Startelf stehen könnten. Ich denke, gerade das macht uns in dieser Saison so stark.

bundesliga.de: Der BVB verfügt über eine erstklassige Bank - und alle Spieler rühmen den Zusammenhalt im Team.

Schmelzer: Jeder Spieler unseres Kaders weiß, dass er für die Mannschaft sehr wichtig ist. Und jeder weiß von dem anderen, welche Bedeutung er für Borussia hat. Das gilt für die Spieler auf dem Rasen, das gilt aber auch für die Spieler auf der Bank. Es passt in der Mannschaft einfach alles optimal zusammen.

bundesliga.de: Über die Meisterschaft möchte zwar noch niemand sprechen, aber der BVB jagt jetzt den Hinrundenrekord der Bayern. Die sind 2005 mit 44 Punkten in die Winterpause gegangen, der BVB steht derzeit bei 43 Zählern...

Schmelzer: Wir konzentrieren uns jetzt erst einmal voll und ganz auf die schwere Aufgabe in Sevilla. Das ist ein Spiel von enormer Bedeutung für den gesamten Verein und für die Mannschaft. Wenn wir da auch erfolgreich sind, bringt uns das noch einmal ein ganzes Stück weiter.

bundesliga.de: Dennoch Hand aufs Herz: Sie wollen doch in Frankfurt im letzten Spiel den Rekord knacken, oder?

Schmelzer: Wir werden das Spiel in Frankfurt so angehen wie jedes andere Spiel in dieser Saison auch - wir wollen es gewinnen! Nicht mehr und nicht weniger. Der Sieg ist immer das, was für uns zählt. Wenn wir dabei neue Bestmarken aufstellen, nehmen wir das natürlich gerne mit. Aber wir sollten uns jetzt nicht primär auf irgendwelche Rekorde konzentrieren.

bundesliga.de: Sie haben die Partie in Sevilla angesprochen: Der BVB muss gewinnen, um in die nächste Runde der Europa League einzuziehen. Ist das nicht ein enormer Druck für die junge Mannschaft?

Schmelzer: Wir haben uns genau diese Ausgangssituation gewünscht. Wir wollten auf keinen Fall, dass wir die Partie in Sevilla gewinnen und dann immer noch auf das andere Spiel schauen müssen und am Ende vielleicht trotz Sieges ausscheiden. So haben wir alles in unserer eigenen Hand. Wir allein können entscheiden, ob wir im Frühjahr in der Europa League noch mitspielen dürfen.

bundesliga.de: Was muss diesmal anders laufen als im Hinspiel, als man knapp verlor?

Schmelzer:(lacht) Wir hoffen einfach mal, dass wir diesmal keinen englischen Schiedsrichter haben und die Partie mit elf Spielern beenden dürfen. Wenn wir im Hinspiel nicht den Platzverweis kassiert hätten, hätten wir dieses Spiel auch schon gewonnen. Wir waren klar besser, und das wollen wir am Mittwoch wieder sein. Sevilla hat zwar eine sehr gute Mannschaft, gegen die man auch mal verlieren kann. Aber sie scheinen im Moment nicht ihre stärkste Phase zu haben und wir wollen unbedingt weiterkommen. Und dafür werden wir alles geben!

Das Gespräch führte Dietmar Nolte