München - Zehn Spiele ohne Niederlage - Bayer Leverkusen, nicht Bayern München, ist die Mannschaft der Stunde in Deutschland. Durch den sensationellen Coup beim Rekordmeister, der nach acht Bundesligasiegen in Serie vor Selbstbewusstsein nur so strotze, klaute die "Werkself" dem FCB nicht nur den Nimbus der Unbesiegbarkeit, sondern greift nun auch selbst ganz oben an, liegt schon auf Rang 5 und in Schlagdistanz zur Champions League.

Dabei war mit einem Dreier in München wirklich nicht zu rechnen gewesen. Vor 23 Jahren, am 21. Oktober 1989 - in Berlin stand die Mauer noch - hatte dies zuletzt ein Leverkusener Team geschafft. In acht der vergangenen zehn Partien in der Allianz Arena beziehungsweise im Olympiastadion holte der Werksclub ganze zwei Punkte bei einer erschreckenden Tordifferenz von 7:25. In der Vorsaison hieß es am Ende 0:3, 2010/11 gar 1:5. Doch das aktuelle Bayer-Team ließ sich davon nicht schocken und nahm beim alle drei Zähler mit.

1:0-Mann Kießling in der Form seines Lebens



Stefan Kießling ist ein Garant für die jüngsten Erfolge. Der 28-Jährige ist der Mann für das 1:0. Bei den Bayern erzielte der Angreifer schon zum fünften Mal in der laufenden Saison den so wichtigen Führungstreffer, kein anderer Bundesligaspieler schaffte das mehr als drei Mal.

Ohnehin ist Kießling derzeit in der Form seines Lebens: Nach neun Spieltagen hat der Stürmer schon sechs Mal geknipst, so erfolgreich ist er im Laufe seiner Karriere noch nie in eine Bundesliga-Saison gestartet. Auffällig: Die Hälfte seiner Treffer erzielte der ehemalige Nürnberger mit dem Kopf. Eine Stärke, die nicht nur ihn, sondern auch seine ganze Mannschaft auszeichnet.

Lufthoheit und starke rechte Seite



Die "Werkself" gewann in der Offensive 49 Prozent ihrer Kopfballduelle - mit Abstand der Spitzenwert in der Bundesliga. Immerhin resultierten daraus sechs Tore, nur Bayern München und Eintracht Frankfurt haben häufiger per Kopf getroffen. Vor allem die rechte Seite füttert den Bayer-Angriff immer wieder mit Flanken.

Bereits sechs Tore wurden über die rechte Bahn eingeleitet, die häufig von Daniel Carvajal und Karim Bellarabi beackert wird.
Auch beim Triumph in München fielen beide Treffer über rechts: Kießlings Führung legte Andre Schürrle mit einem Flachpass von der rechten Seite auf, und auch das kuriose 2:1 durch Sidney Sam fiel nach einer Hereingabe von Gonzalo Castro, der von rechts flanken durfte.

Bayer zeigt auch auf der "Alm" Charakter



Bayer erlebt die Woche der gerissenen Serien: Nach dem geschichtsträchtigen Erfolg in der Allianz Arena ließen die Rheinländer die Fußball-Statistiker in der zweiten DFB-Pokal-Runde erneut aufhorchen. Kießling und Co. mühten sich in Bielefeld zum 3:2-nach Verlängerung und feierten so den ersten Sieg auf der "Alm" seit fast 13 Jahren.

"Letztes Jahr hätten wir so ein Spiel noch verloren", war der allgemeine Tenor. Das aktuelle Bayer-Team ließ sich aber weder vom zwischenzeitlichen Ausgleich der Bayern, noch dem späten 2:2 der Arminen schocken. Auch Sportdirektor Rudi Völler lobte: "Den Charakter-Test haben wir hervorragend bestanden."

David Schmidt