Gelsenkirchen - Es war wirklich ein gebrauchter Tag für Manuel Neuer. Just in jenem Moment, als der Schalker Keeper nach der Heimpleite gegen Hoffenheim vom grünen Rasen kam, liefen auf dem Fernseher in den Katakomben die Bilder vom Dortmunder Triumph in Wolfsburg.

Die Aussicht, am Freitag selbst zur Mutter aller Derbys beim Erzrivalen antreten zu müssen, dürfte Neuers Laune kaum verbessert haben.

Schalke offenbart große Schwächen

Auch der Sieg der Hoffenheimer weckte auf Schalke dunkle Erinnerungen an den noch immer souveränen Spitzenreiter. Seit dem 3:1-Sieg des BVB vor vier Monaten war keine Mannschaft in der Veltins-Arena so überlegen aufgetreten wie jetzt 1899. Das lag vor allem aber auch an der Leistung der Gastgeber selbst. Schalke war überfordert, weil die Mannschaft zu ideenlos, zu harmlos und zu unsicher agierte.

Auch in Sachen Laufarbeit und Zweikampfstärke hatte der Gast die besseren Werte auf seiner Seite. Zudem offenbarte Schalke in der Defensivarbeit einmal mehr erhebliche Schwächen. Unkonzentriertheiten bei Standardsituationen und erschreckende Lücken in der Rückwärtsbewegung ermöglichten Hoffenheim das Tor des Tages und eine Vielzahl guter Chancen. Allein die Abschlussschwäche der Gäste verhinderte eine deutlichere Niederlage für "Königsblau".

Kreativität ist gefragt

Auf der anderen Seite blieb die Schalker Offensivleistung trotz eines Sturmduos namens Raul und Huntelaar überschaubar, exakt eine Torchance stand nach 90 Minuten zu Buche. "Wir waren nicht in der Lage, Hoffenheim ernsthaft in Gefahr zu bringen", musste auch Trainer Felix Magath eingestehen.

Insgesamt wirkte das Schalker Offensivspiel einmal mehr drucklos. Das allerdings ist nicht nur an den Stürmern festzumachen. Was fehlt, ist ein adäquates Aufbauspiel aus dem Mittelfeld. Dem aber fehlt es allein schon an Struktur und personeller Konstanz. Ciprian Deac hatte Magath gegen Hoffenheim aus dem Hut gezaubert - der Rumäne konnte keine Akzente setzen. Der als Regisseur verpflichtete Manuel Jurado schmorte auf der Bank. Und eine Doppelsechs mit Peer Kluge und Christoph Moritz besitzt ihre Stärke nicht darin, Impulse und Ideen für den Spielaufbau beizusteuern.

Das Wechselkarussell dreht sich

"Wir haben uns einfach zu wenige Chancen aufgebaut. Hoffenheims Torwart musste eigentlich nur bei hohen Bällen eingreifen, und das war einfach zu wenig von uns", stellte Manuel Neuer frustriert fest. Kreativität ließen die Schalker vermissen - auch mangels Personal, nachdem Ivan Rakitic nach Sevilla transferiert wurde.

Apropos Transfer: Die Unruhe auf Schalke wird derzeit nicht nur aus der schwachen Leistung gegen 1899, dem Unmut auf den Rängen und dem bangen Blick aufs Derby gespeist. Zum Ende der Transferperiode hat Felix Magath das Personalkarussell noch einmal mächtig gedreht: Erik Jendrisek, Jermaine Jones, Besart Ibraimi und Rakitic sind weg, dafür kommen Danilo Avelar, Anthony Annan, Angelos Charisteas und Ali Karimi neu hinzu.

Auf der Suche nach Kontinuität

Dass die fehlende Kontinuität im Kader und auf dem Platz zusätzliche Unruhe gebracht hat, mag auch Schalkes Kapitän nicht verhehlen. "Das sind schon Sachen, die zusammenhängen", meint Manuel Neuer mit Blick auf die Personaldiskussionen der vergangenen Tage.

Jetzt, mit den neuen Spielern, geht die Schalker Suche nach Konstanz weiter - auch auf dem Aufstellungsbogen. Der iranische Nationalspieler Ali Karimi könnte dabei eine wichtig Rolle im Personalpuzzle übernehmen und das Vakuum im kreativen Mittelfeld füllen, schenkt man den Worten von Felix Magath Glauben: "Im Moment haben wir Probleme, das Spiel aus dem Mittelfeld in den Angriff zu tragen. Karimi ist ein sehr guter Fußballer und kann uns in dieser Beziehung helfen."

Zumindest wäre der Neuzugang auch mit Blick auf das Revierderby gegen die ungeliebte Borussia ein Lösungsansatz. Denn weitere Ideen, wie man dem Schalker Auf und Ab Herr werden kann, scheint auch Magath zurzeit nicht zu haben, wie er nach der Niederlage gegen Hoffenheim ehrlich offenbarte: "Ich habe für diese Leistung keine Erklärung!"

Dietmar Nolte