Gelsenkirchen - Seit sechs Partien ohne Pflichtspielsieg, seit vier Spielen sogar ohne eigenen Treffer - Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs redet nach der 0:4-Schlappe auf Schalke Klartext und nimmt die Mannschaft in die Pflicht.

Frage: Sie haben bereits vor kurzem gesagt, sie hätten keine Lust mehr, Niederlagen zu erklären. Jetzt gab es auf Schalke wieder eine Schlappe.

Klaus Allofs: Man kann nicht immer nur Dinge tun, die Spaß machen. Also muss man auch Niederlagen erklären. Aber die Enttäuschung ist schon unglaublich groß. Wir hatten gedacht, wir könnten da weitermachen, wo wir gegen Frankfurt aufgehört haben. Wir wollten als Mannschaft geschlossen auftreten - gerade in einer Phase, in der uns wichtige Spieler fehlen. Aber das hat gegen Schalke nur 20 Minuten lang geklappt.

Frage: Die Anfangsphase war in Ordnung, aber nach dem Gegentor ist Werder quasi eingebrochen.

Allofs: Wir verhalten uns unprofessionell und unkonzentriert. Wir waren nach dem guten Beginn zwei Mal unaufmerksam und haben zwei Gegentore kassiert. Das ist nicht neu, aber die Mannschaft stellt es auch einfach nicht ab. Daran müssen wir unbedingt arbeiten. Zumal uns vorne zurzeit einfach die Durchschlagskraft fehlt, um wirklich gefährlich zu sein.

Frage: Wie lange dauert dieser Lernprozess noch?

Allofs: Ich hoffe, es dauert nicht mehr allzu lange. Aber unsere personelle Situation wird natürlich auch nicht besser. Es sieht alles andere als rosig aus. Wesley hat sich gegen Schalke verletzt, Bargfrede ist in der nächsten Partie in der Bundesliga gesperrt, zudem fehlt mit Frings am Mittwoch (in der Champions League bei Tottenham Hotspur) ein wichtiger Mann im Mittelfeld. Andere Kandidaten wie Naldo, Borowski, Pizarro oder Boenisch werden noch Wochen fehlen. Aber wir müssen auch mit dem verbleibenden Kader die Fehler abstellen und bessere Resultate erzielen.

Frage: Das klingt ein wenig nach Durchhalteparolen.

Allofs: Das sind keine Durchhalteparolen! Wenn Fehler gemacht werden, muss man viel mit der Mannschaft arbeiten und Verbesserungen schaffen. Natürlich alles im Rahmen des Möglichen, schließlich müssen wir am Mittwoch auch schon wieder spielen.

Frage: Apropos Mittwoch: Wird Ihnen vor der Partie in Tottenham jetzt auch ein wenig bange?

Allofs: Ich sprühe nach so einer 0:4-Niederlage natürlich nicht gerade vor Optimismus. Aber auch in Tottenham wird das von der Mannschaft verlangt, was wir schon vor dem Frankfurt-Spiel gesagt haben: Das Ergebnis ist fast zweitrangig. Aber wir müssen als Mannschaft auftreten und man muss sehen, dass wir dagegen halten - egal, wie stark der Gegner ist. Das wäre schon ein Schritt nach vorne. Und manchmal entwickeln sich so auch bessere Spiele und bessere Ergebnisse.

Frage: Aber der Blick in der Bundesliga geht jetzt erst einmal nach unten?

Allofs: Das war uns auch schon vor dem Spiel in Schalke klar. In Bremen ist niemand davon ausgegangen, dass es nur nach oben gehen kann. Von der Champions-League-Qualifikation brauchen wir jetzt nicht mehr zu reden. Wir sind auch keine Träumer. Wir haben das durchaus im Blickfeld, dass wir erst einmal da unten herauskommen müssen.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte