München - Fast entschuldigend hob Robert Lewandowski die Arme. Soeben hatte der Stürmer des FC Bayern München gegen Borussia Dortmund den erlösenden Ausgleich erzielt. Doch sein Jubel gegen seinen ehemaligen Verein fiel sehr verhalten aus. "Mein erstes Tor gegen den BVB war ein besonderes Tor für mich", gab der 26-Jährige zu, "aber am wichtigsten sind die drei Punkte und dass wir weiter Erster sind in der Bundesliga."

Und dank Arjen Robbens Siegtreffer hielten die Bayern die ärgsten Verfolger auf Abstand. Zugleich vergrößerten sie die Distanz zum einstigen Titelrivalen der letzten Jahre aus Dortmund auf 17 Punkte. "Das täuscht ein bisschen", relativierte Mario Götze.

Trotz des großen Abstands in der Tabelle und des aktuellen Negativlaufs, wollte niemand in den Reihen des FC Bayern die Dortmunder bereits zum jetzigen Zeitpunkt der Saison abschreiben. "Die Borussia muss eigentlich immer oben dabei sein", meinte Lewandowski. "Im Moment ist es für den BVB keine einfache Zeit. Ich weiß, dass der BVB in der Bundesliga auch wieder gewinnen wird."

Dortmund bereitet Bayern Probleme

Am Samstag waren die "Schwarz-Gelben" nah dran - zumindest bis zu Lewandowskis Treffer in der 72. Minute. Mit der konsequenten Manndeckung von Xabi Alonso durch Shinji Kagawa bereiteten die Dortmunder den Bayern von Beginn an enorme Probleme. "Wir haben in der ersten Halbzeit Lösungen dafür gefunden, das Xabi Alonso gedeckt wurde, und ich meine, dass wir für solche Situationen immer Lösungen finden werden", stellte Bayern-Trainer Pep Guardiola klar.

Der Pausenrückstand durch Marco Reus, der Manuel Neuers gegentorlose Serie nach 688 Minuten beendete und den Bayern damit erstmals seit elf Bundesligaspielen wieder einen Gegentreffer vor der Pause einschenkte, stachelte den Rekordmeister im zweiten Durchgang nur noch mehr an. Mit der von den Fans geforderten und von Guardiola in der 69. Minute durchgeführten Einwechslung von Franck Ribery erhöhte der Tabellenführer nochmals den Druck.

"In solchen Spielen entscheiden Kleinigkeiten"

Auch weil Guardiola in der Dortmunder Abwehr nach der verletzungsbedingten Auswechslung des bärenstarken Mats Hummels eine Schwachstelle erkannte. "Franck Ribery hat uns nach seiner Einwechslung sehr geholfen", betonte Guardiola. "Er sollte bei Subotic spielen und seine Stärken im Eins-gegen-Eins ziegen." Das tat der Franzose, indem er den Ausgleichstreffer durch Lewandowski mit initiierte und fünf Minuten vor Schluss durch sein aggressives Nachsetzen den entscheidenden Elfmeter herausholte.

"In solchen Spielen entscheiden Kleinigkeiten", wusste auch Götze. "Dortmund hat es gerade in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht. Wir hatten aber auch die eine oder andere Torchance, die wir hätten nutzen sollen. Aber im Endeffekt war es verdient."

Zugleich setzte der Tabellenführer mit dem hart erkämpften Sieg auch ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz. Der VfL Wolfsburg war nach seinem souveränen Erfolg beim VfB Stuttgart kurzzeitig bis auf einen Punkt an den FC Bayern herangerückt - ein ernstzunehmender Konkurrent für die Münchner? "Definitiv", sagte Götze. "Alle Mannschaften auf den Plätzen zwei, drei und vier stehen nicht umsonst da und spielen guten Fußball."

Robben warnt vor Selbstzufriedenheit

Aber auch der FC Bayern müsse sich eben nicht verstecken mit seinen guten Leistungen, unterstrich Siegtorschütze Robben im Interview, warnte aber zugleich: "Wir dürfen nicht denken, jetzt marschieren wir einfach locker durch und gewinnen die Meisterschaft."

Die umkämpften Spiele gegen Borussia Mönchengladbach in der Vorwoche und gegen Dortmund jetzt waren den Bayern Warnung genug, haben aber zugleich ihre die Vormachtstellung unterstrichen. Zwar gerieten die Münchner in beiden Partien ordentlich ins Wanken - aber gefallen sind sie deswegen noch lange nicht, schließlich beträgt der Vorsprung auf die Verfolger nach wie vor komfortable vier Punkte. Und dafür müssen sich die Bayern bei niemandem entschuldigen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz