Am Montagvormittag hat Oliver Kahn den neuen FC Bayern kennengelernt. Jürgen Klinsmann führte ihn durch die neuen Hallen beim Rekordmeister.

Selbst für einen wie Kahn, der in all den Jahren schon viel gesehen hat, war es ein beeindruckender Rundgang. "Hier wurde eine unglaubliche Infrastruktur geschaffen."

Als er hier angefangen habe, berichtete Kahn anschließend, sei die Mannschaftskabine zwölf Quadratmeter groß gewesen und seine dreckige Wäsche habe man an einen Haken gehängt. So ändern sich die Zeiten.

"Es ist fantastisch"

Auch für Kahn hat sich einiges geändert. Seit drei Monaten ist er kein Profi mehr. Und er sagt Dinge, die man von ihm, dem ewig Ehrgeizigen, so nicht erwartet hätte.

"Die ersten drei Monate ohne Fußball sind fantastisch." Zuletzt ist er wochenlang mit einem Schiff an der Cote d'Azur entlang gefahren, hat einfach die Seele baumeln lassen.

Großer Bahnhof für Kahn

Am Dienstagabend feiert Kahn noch einmal ganz offiziell Abschied. Die Nationalmannschaft spielt gegen den FC Bayern, der letzte große Bahnhof. Er wird zum Ehrenspielführer der Münchner ernannt und ein großes Programm sorgt für den nötigen Rahmen.

Ein bisschen unsicher ist er schon, wie er drauf sein wird. "Ich verlasse mich auf meine Erfahrung und hoffe, dass ich die 75 Minuten, die ich spielen werde, überlebe", sagt Kahn - und lacht. Zumindest an diesem letzten Fußballabend geht es mal nicht ums Ergebnis, auch für ihn nicht. "Es soll ein Fest zusammen mit den Fans werden."

Die Last ist abgefallen

Danach beginnt "die zweite Hälfte meines Lebens", sagt Kahn. Von einem neuen Leben will er nicht sprechen, "es gibt nur ein anderes Leben, kein neues Leben".

Kahn hat gerade gegen Ende seiner Karriere oft davon erzählt, welche Belastung der Job auf ihn ausübe. Immer auf der Hut zu sein, 90 Minuten Anspannung, immer für die entscheidende Parade gewappnet sein - das hat den Torwart Kahn jahrelang umgetrieben, nun ist die Last von ihm abgefallen. Das sieht man. Und das hört man.

Kein Gedanke an ein Comeback

Er will nicht mehr zurückkommen, und er klingt glaubwürdig. "Es gab einige Angebote, aber das ist nicht im Ansatz eine Überlegung wert. Man muss den richtigen Zeitpunkt finden, aufzuhören. Und dieser Moment heißt dann auch Konsequenz. Es würde überhaupt keinen Sinn ergeben, jetzt noch einmal die kurzen Hosen anzuziehen", sagte er auf Nachfrage von bundesliga.de.

Was jetzt kommt? Nun, auch wenn Kahn sich mittlerweile gestattet, mal ein wenig in den Tag hineinzuleben, so stehen doch auch schon wieder einige neue Projekte auf seiner Agenda.

Für das ZDF wird er die Spiele der Nationalmannschaft kommentieren, in Asien wird er Torwarttalente suchen und auch im sozialen Bereich will sich Kahn verstärkt engagieren. Langweilig wird ihm nicht werden, so viel ist sicher. Gearbeitet wird ab Mittwoch aber nur noch in langen Hosen.

Michael Gerhäußer