94 Minuten verbissenem, erfolgreichem Kampf auf der WM-Bühne folgte für die niederländischen Ergebnisfußballer das verbale Duell mit den Kritikern. Bondscoach Bert van Marwijk musste sich auf der Pressekonferenz nach dem 1:0 (0:0)-Sieg gegen Japan am Samstag in Durban Worte wie "unansehnlich" anhören. Doch der 58-Jährige ließ sich wie seine Stars davon nicht im geringsten beeindrucken - zumal am Abend durch den 2:1-Sieg der Dänen gegen Kamerun der Achtelfinaleinzug als erstes Team in Südafrika perfekt war.

"Wir sind hier bei einer Weltmeisterschaft. Auf diesem Level kann man nicht schnelle Tore erwarten. Ich liebe es, mit schönem Fußball zu gewinnen und zur Halbzeit mit 5:0 zu führen. Aber ich würde gerne mal Ihre Fragen hören, wenn wir zur Halbzeit 0:2 zurückliegen", sagte der ehemalige Coach von Borussia Dortmund zum Einwurf eines Journalisten, der auch auf die wütenden Fan-Mails aus der Heimat hinwies.

Wenig Fußball, viel Glück

62.010 Zuschauer im Moses-Mabhida-Stadion, darunter 20.000 "Oranje"-Anhänger, sahen wie schon beim 2:0 gegen Dänemark einen drögen Auftritt der "Elftal", die mit sechs Punkten und 3:0 Toren die Gruppe E anführt und damit das Achtelfinale schon vor dem Duell zwischen Kamerun und Dänemark so gut wie sicher hatte. Von Fußball total nichts zu sehen, Sicherheit zuerst und dann auch noch ein Glückstor. Japans Keeper Eiji Kawashima konnte in der 53. Minute einen strammen Schuss von Champions-League-Sieger Wesley Sneijder nicht festhalten.

Die Stars zeigten sich gelangweilt. "Wir lassen die schon seit vier, fünf Jahren reden. Wir machen unsere Arbeit. Was die im TV sagen, ist völlig wurscht. Andere Nationen wie Deutschland, England und Frankreich haben Schwierigkeiten, wir haben sechs Punkte. Das Gefühl, dass wir nicht verlieren können, finde ich auch schön", meinte Innenverteidiger Joris Mathijsen vom Hamburger SV.

Spieler weisen Kritik von sich

"Das ist holländisch. Schöner Fußball gewinnt nicht immer, das hat man auch am Beispiel Deutschland gesehen", sagte Bayern-Star Mark van Bommel und der ehemalige HSV-Regisseur Rafael van der Vaart ergänzte: "In Holland erwartet man immer, dass wir schön spielen und zwei, drei Tore schießen. Aber so geht es nicht. Wenn man auch die schlechten Spiele gewinnt, bedeutet das etwas." Van der Vaart, der wie seine Nebenleute erneut nicht glänzen konnte, meint damit das Fortkommen im Turnier.

Sein Coach van Marwijk hat diese Philosophie schon beim Amtsantritt an die Garde der Fußball-Künstler weitergereicht. "Vor zwei Jahren habe ich meinen Spielern gesagt, dass wir auch dreckige Spiele gewinnen müssen. Nun sind wir sehr viel stabiler", sagte er.

Seit 21 Spielen ungeschlagen

Unter dem Bondscoach, der Stürmerstar Arjen Robben von Bayern München noch schonte, ist "Oranje" nun seit 21 Spielen ungeschlagen, ein Rekord. Die einzige Niederlage in 23. Begegnungen hatte van Marwijk in seinem zweiten Spiel an der Seitenlinie am 5. September 2008 erlebt (1:2 gegen Australien). Und nach der Devise "Wer gewinnt hat Recht" blieb van Marwijk auch zuversichtlich, was die Ziele angeht: "Wir sind hierhergekommen, um einen Preis zu gewinnen - die WM. Aber das ist noch weit weg. Wenn wir stabil und selbstbewusst bleiben, können wir jedenfalls weit kommen."

Am Donnerstag gegen die vorzeitig ausgeschiedenen Kameruner geht es zunächst mal um den Gruppensieg. Ein Remis würde dazu sicher reichen.

Das ist bei den Japanern, die zum Auftakt 1:0 gegen Kamerun gewonnen hatten, eher nicht zu erwarten - zu harmlos war man in der Offensive. "Uns fehlt ein klassischer Mittelstürmer. Wir wollten die Niederländer frustieren, was in der ersten Hälfte noch geklappt hat", sagte Nationalcoach Takeshi Okada und blickte deswegen schon zum entscheidenden Spiel gegen Dänemark: "Die Spieler sind noch enttäuscht. Aber wir dürfen den Kopf nicht hängen lassen. Wir müssen uns vor allem mental erholen."