Man könnte es sich leicht machen und sagen: neuer Look, neues Glück. Aber wahrscheinlich hat Marcell Jansens neue Frisur - kürzer und dunkler - gar nichts mit seiner sportlichen Entwicklung auf dem Fußballplatz zu tun.

Tatsache ist jedenfalls: Der Hamburger ist seit Wochen in bestechender Form und gehörte auch am Samstagabend in der Nationalmannschaft gegen Liechtenstein zu den Besten im Team - und das auf einer eigentlich noch neuen Position.

Seit seinem Wechsel im Sommer von München nach Hamburg hat sich Jansen sukzessive von seiner angestammten linken Verteidigerposition gelöst - oder um es genauer zu sagen: Sein Trainer Martin Jol hat ihn von dort gelöst.

"Jol hat mir gesagt, dass ich meine Qualitäten weiter vorne für die Mannschaft besser einsetzen kann. Da war ich einverstanden. Für mich war gleich klar: Da kann ich dazulernen, alles aufsaugen, alles mitnehmen", erklärte Jansen am Wochenende in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau".

Neue Stärken durch neue Position

Der Schritt hat Jansen vorangebracht - sowohl der nach Hamburg, als auch der ins Mittelfeld.

"Ich habe beim HSV die meisten Spiele als linker Mittelfeldspieler bestritten. Ich bin dann stark, wenn wir als Team schnell spielen, ich Raumgewinn habe und Druck machen kann. Das Eins-gegen-eins-Spiel, die Flanken: das ist meine Stärke im Mittelfeld." Und er hat Torgefahr entwickelt. Im Jahr 2009 hat er immerhin schon vier Mal ins Schwarze getroffen – für ihn eine ungewöhnlich hohe Zahl.

Unter neuen Voraussetzungen zurück im DFB-Team

Seit Samstag ist er also auch zurück im Nationalteam - in seiner neuen Rolle. "Ich bin als Mittelfeldspieler berufen worden. Das sehe ich als sehr positive Entwicklung. Ich habe mich unter neuen Voraussetzungen zurück in den Kreis der Nationalmannschaft gespielt." Gut für Jansen, Trainer mögen vielseitig einsetzbare Spieler.

Der Samstagabend verlief hervorragend für ihn. Fast jeder deutsche Angriff lief über den Hamburger. Seine Leistung krönte er schließlich mit seinem zweiten Treffer im 29. Länderspiel.

Nach zum Teil mühsamen Monaten mit Eingewöhnungsschwierigkeiten und einer Muskelverletzung im Herbst läuft es nun rund für den 23-Jährigen. Und der nächste Einsatz scheint schon programmiert: am Mittwoch gegen Wales. Dass Bundestrainer Joachim Löw Jansen in der 64. Minute auswechselte, darf man wohl getrost als Maßnahme zur Schonung werten.

Michael Gerhäußer