14.567 Mal ist nichts passiert - dann beendete Hannovers Mittelfeldspieler Arnold Bruggink gegen Borussia Dortmund die fast fünf Jahre lange Eckballtorflaute - was ihm natürlich eine Nominierung für das Tor des Spieltags eingebracht hat. Der letzte Spieler, dem ein Tor direkt von der Eckfahne gelang, war Thomas Zdebel im August 2004 mit dem VfL Bochum.

Doch wie sehr ist solch ein Schuss überhaupt geplant, wie viel Glück ist dabei? bundesliga.de hat einen gefragt, der es wissen muss.

Mario Basler ist ein ausgewiesener Experte in Sachen verwandelte Eckbälle: Drei Mal ist ihm dieses Kunststück gelungen. Und zu Brugginks Tor hat Basler seine eigene Meinung: Ein Eckballtor über das kurze Eck zu schießen, das wird ihm wohl nie wieder gelingen, glaubt der heutige Trainer von Eintracht Trier.

bundesliga.de: Herr Basler, mal ehrlich, wie viel Glück ist dabei, einen Eckball direkt zu verwandeln?

Mario Basler: Wahnsinnig viel Glück. Das kann man gar nicht richtig planen. Man kann natürlich trainieren, die Ecken scharf und nah vor das Tor zu ziehen. Aber Glück ist bei solchen Toren der wichtigste Bestandteil.

bundesliga.de: Arnold Bruggink hat seinen Eckball auf das kurze Eck gezogen und meinte später, man habe gewusst, dass Dortmund da niemanden hinstellt…

Basler: Ich habe noch nie jemanden gesehen, der den Ball bei einer Ecke am kurzen Eck reinschießt, wenn dann eigentlich am langen. Vorne ist ja normalerweise eben der Torwart, und viele Gegenspieler laufen auch noch rum. Aber natürlich, wenn am ersten Pfosten niemand platziert wird, dann ist es ein bisschen einfacher. Ansagen kann man so ein Tor trotzdem nicht, da muss schon der Torhüter ein bisschen unaufmerksam sein, sonst gäbe es ja jedes Wochenende so ein Tor. Und Herr Bruggink soll das mal für jedes Wochenende planen, es wird ihm nicht mehr gelingen.

bundesliga.de: Und bei Ihnen? Haben Sie das spontan entschieden, wenn Sie aufs Tor gezielt haben?

Basler: Ich habe den Ball schon immer absichtlich scharf vorne reingeknallt, aber man will ja eigentlich einen Mitspieler treffen, damit der den Ball verlängert. Wenn man keinen trifft, muss man schauen, dass der Ball alleine aufs Tor zieht. Aber noch mal: Da gehört unglaublich viel Glück dazu.

bundesliga.de: Wollen Sie uns etwa sagen, dass Sie ihre drei Eckballtore gar nicht mit Absicht erzielt haben?

Basler: Es gibt keine Absicht bei Eckballtoren, und von mir ist das auch nie geplant gewesen. Einmal, bei einem Spiel in Bremen, ist der Jörg Schmadtke unter dem Ball durchgelaufen, da kann ich mich noch sehr gut dran erinnern, und dann ist er ins lange Ecke gegangen. Bei den anderen Toren waren die Torhüter irritiert, weil andere Spieler am Ball vorbeigesprungen sind. Aber da muss man Verständnis haben, das kann wirklich jedem Torwart mal passieren.

Das Gespräch führte Christoph Leischwitz