Köln - Vor der Saison hatte ihn kaum jemand auf dem Zettel, nun ist Ulisses Garcia Stammkraft beim SV Werder Bremen. Der 19-jährige Schweizer im Porträt.

Ulisses – das ist auf deutsch Odysseus, der Held der griechischen Mythologie, der nach dem Sieg in Troja auf zehnjährige Irrfahrt ging. Ganz so lange dauerte es bei Ulisses Garcia nicht, trotzdem hat der junge Bundesliga-Profi schon ein bewegtes Leben hinter sich. Vor 19 Jahren geboren im portugiesischen Almada, nahe der Hauptstadt Lissabon, wuchs der Sohn kapverdischer Eltern im schweizerischen Genf auf. Vom Jugendklub FC Onex ging es über Servette Genf zum Grashopper Club nach Zürich. Dort debütierte er vor einem Jahr in der Schweizer Profiliga und wurde zum U19-Nationalspieler im Team der Eidgenossenschaft. Garcia hätte sich auch für die Kapverden oder Portugal enscheiden können. Vier Sprachen spricht der junge Abwehrmann: Neben Deutsch noch Portugiesisch, Französisch und Englisch.

Ujah: "Wollen mehr Flanken von ihm"

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In diesem Sommer nun der nächste Schritt: Der linke Außenverteidiger wechselte über die Alpen nach Norddeutschland zu Werder Bremen. An der Weser erhielt er einen Drei-Jahres-Vertrag. Am vergangenen Spieltag dann der nächste Meilenstein: Beim 1:1-Unentschieden seiner Grün-Weißen verbuchte der flinke Außenverteidiger seinen ersten Assist in der Bundesliga. "Ich habe ihm immer gesagt, dass wir mehr Flanken von ihm wollen", sagt Torschütze Anthony Ujah über seinen Zimmergenossen bei Auswärtsfahrten. "Im Training kommen von ihm viele gute Flanken", berichtet der Stürmer über seinen Vorlagengeber.

Ulisses Alexandre Garcia Lopes, wie er mit vollem Namen heißt, wird von Fans und Mitspielern nur "Uli" gerufen. Das ist nicht nur kürzer, sondern beugt auch Verwechslungen mit seinem Namensvetter Santiago "Santi" García vor. Im Nachnamen unterscheidet den jungen Schweizer und den erfahrenen Argentinier lediglich ein Akzent über dem "i". Auf dem Platz noch weniger: Beide sind Linksverteidiger und beide haben ihre Stärken eher in der Offensive.

Während der 27-jährige Argentinier körperlich robuster und stärker im Kopfballspiel ist, dürfte Uli klare Geschwindigkeitsvorteile haben. In beiden Werder-Spielen der Saison spielte er über die gesamten 90 Minuten und brachte dabei jeweils die meisten Sprints aller Werderaner auf den Rasen. Im Auftaktspiel gegen Schalke erreichte er es sogar auf einen Topspeed von 33 km/h. Dennoch hängte ihn Herthas Genki Haraguchi beim Auswärtsspiel in Berlin mehrfach ab. Das lag aber nicht nur an der noch höheren Geschwindigkeit des Japaners, sondern auch an Schwächen in Stellungsspiel und Zweikampfverhalten.

Das Duell: Uli gegen Santi

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Für seinen Trainer Viktor Skripnik kein Problem: "Wichtig ist, dass er danach eine gute Reaktion gezeigt hat" (Stimmen zum Spiel). Das hat er definitiv – mit dem Flankenlauf vor dem 1:1-Ausgleichstreffer. Ohnehin scheint Skripnik große Stücke auf den Neuzugang zu halten. Vermuteten Beobachter bei dessen Verpflichtung noch, dass er wohl erstmal bei der U23 in der 3. Liga starten würde, eroberte sich Uli rasch einen Stammplatz in der ersten Mannschaft und hängte Eigengewächs Janek Sternberg ab, der auch erst in der vergangenen Saison aus der 2. Mannschaft hochgezogen worden war.

Doch das eigentlich Duell kommt erst noch: Uli gegen Santi. Letzterer hat seit März aufgrund anhaltender Patellasehnenprobleme kein Spiel mehr mit dem Bundesligateam absolviert. Jetzt allerdings stehen die Zeichen bei dem Argentinier langsam auf Rückkehr: Parallel zum Spiel der Profis bei Hertha, holte sich Santi Wettkampfpraxis in der 3. Liga beim Spiel der Werder-U23 gegen den 1. FC Magdeburg. Aber vielleicht spornt der Konkurrenzkampf auch den jungen Garcia zu weiteren Leistungssteigerungen an. "Wenn wir den hinkriegen, haben wir einen Top-Linksverteidiger", frohlockt Sportdirektor Thomas Eichin schon jetzt.

André Anchuelo