Köln - Es ist nicht ungewöhnlich, dass Bundesligisten Spieler zum Probetraining einladen. Meistens bleibt es eine Verbindung auf kurze Zeit, für den Sprung in die Bundesliga reicht es dann doch nicht.

Es ist nicht überliefert, was Odise Roshi, der vom 1. FC Köln getestet wurde, gedacht hat, als er bereits nach zwei Trainingseinheiten ins Büro von Sportdirektor Volker Finke zitiert wurde. Doch der albanische U21-Spieler bekam hier nicht etwa in höflichen Worten gesagt, dass er seine Sachen packen kann, sondern sollte stattdessen direkt einen Vertrag beim FC unterzeichnen.

"Odi", das Sprint-Wunder

Er hatte die Verantwortlichen in kürzester Zeit von seinen Fähigkeiten überzeugt. Das ist ungewöhnlich für einen Testspieler, wie Finke unumwunden zugibt und sich über die gute Arbeit seiner Scouting-Abteilung freut. Roshi, der in der abgelaufenen Saison mit Flamurtari Vlorë albanischer Vize-Meister geworden ist, überzeugte bei den ersten Leistungsüberprüfungen: Beim Sprinttest ließ er alle anderen Kölner Profis stehen.

"Odi", wie Roshi gerufen wird, kann zwar auch in der offensiven Zentrale spielen, soll seine Schnelligkeit beim FC aber auf den offensiven Außenpositionen einbringen. Mit 1,87 ist der 20-Jährige ungewöhnlich groß für einen Außenspieler, bringt aber aufgrund seiner lediglich 78 kg die nötige Wendigkeit mit, um die Außenverteidiger der Liga vor Probleme zu stellen.

Ausnahmetalent

In der albanischen U21 hat er seine Torgefährlichkeit bereits unter Beweis gestellt und in zehn Spielen sieben Treffer erzielt. Der rechte Fuß ist zwar stärker, er sucht aber durchaus auch mit links den Abschluss. Roshi hat Sportdirektor Finke besonders mit seinem Auftreten beeindruckt: "Odise Roshi ist hochtalentiert. Er hat uns alle hier überzeugt und seine Fähigkeiten sowohl in der U21-Nationalmannschaft Albaniens als auch in der albanischen ersten Liga bereits unter Beweis gestellt."

Auch wenn er zunächst einmal als Perspektivspieler verpflichtet wurde, könnte er sich schnell in den Vordergrund spielen. Die arrivierten Außenspieler Slawomir Peszko, Christian Clemens, Adil Chihi oder Sebastian Freis müssen sich in derkommenden Saison auf einen neuen Konkurrenten einstellen.

Vorbild Cristiano Ronaldo

Wenn Roshi auch tatsächlich seinem sportlichen Idol nacheifert, dürfen sich die Kölner Fans auf eine spektakuläre Auftritte freuen: Das Vorbild des Albaners ist Cristiano Ronaldo. Auch der Angreifer von Real Madrid hätte die Kölner Verantwortlichen kaum schneller im Probetraining überzeugen können.

Florian Reinecke