Derbys sind regelmäßig von ganz besonderer Brisanz. Leidenschaft, Einsatzbereitschaft und Kampfeswille zeichnen die sportlichen Duelle zwischen Nachbarn naturgemäß aus.

Dass es nicht immer so läuft, hat die Partie von Werder Bremen und Hannover 96 am Sonntag gezeigt. Das Nordduell plätscherte so dahin, bis Bremen den Schalter umlegte und mit drei Treffern binnen sieben Minuten den 4:1-Endstand herstellte.

Die Generalprobe für das UEFA-Pokal-Viertelfinale gegen Udinese Calcio (Do., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) ist der Elf von Trainer Thomas Schaaf geglückt.

Der letzte Biss hat gefehlt

"Zeitweise hat der letzte Biss gefehlt, aber unterm Strich haben wir unsere Aufgabe erfüllt", analysierte Torsten Frings nach Spielende zutreffend. Seiner Mannschaft Lustlosigkeit zu unterstellen ginge in der Tat zu weit, aber eben jener mangelnder Biss, der fehlende Zug zum Tor durfte den Werderanern in der ersten Spielhälfte zweifelsohne attestiert werden.

"Uns hat die klare Linie gefehlt, aber Hannover war auch nicht gefährlich genug und dann kommt dabei so ein Spiel heraus", schlussfolgerte Frings.

Hannover schwebt in Abstiegsgefahr

Während Werder im Niemandsland der Bundesliga (Platz 10) auf der Stelle tritt, und nach oben wie unten kaum mehr große Sprünge zu erwarten sind, ist die Tabellensituation der 96er alles andere als gefestigt. Nach der 1:4-Niederlage bei Werder trennen die Hannoveraner nur noch drei Punkte vom Relegationsplatz.

Die "Roten" können im Kampf um den Ligaverbleib jeden Punkt gut gebrauchen und das dürfte den Niedersachsen auch schon vor dem Nordderby bekannt gewesen sein. Dennoch ließ der Gastauftritt der 96er zu wünschen übrig. "In der Defensive haben wir über weite Strecken nicht viel zugelassen, aber im Spiel nach vorne hat uns der Zug zum Tor gefehlt", analysierte Hannovers Trainer Dieter Hecking.

Pizarro peilt die 20-Tore-Marke an

Und so plätscherte die Partie trotz der Tore von Claudio Pizarro (41.) und Jacek Krzynowek (70.), die zum zwischenzeitlichen 1:1-Unentschieden geführt hatten, bis zur 70. Spielminute so dahin, bevor Werder seinen Turbo zündete. Zunächst traf Diego zur 2:1-Führung, ehe Pizarro per "Doppelschlag" (80./84.) den 4:1-Endstand besorgte.

Pizarro hat nach dem "Dreierpack" nun schon 15 Treffer auf seinem Torkonto. Der Peruaner will noch mehr: "20 Tore sind auf jeden Fall noch gut möglich. Der Dreierpack war sehr gut für mich. So kann es weiter gehen."

Gegen Udinese noch eine Schippe drauf legen

Vielleicht kann Pizarro schon am Donnerstag wettbewerbsübergreifend nachlegen. Dann gastiert Udinese Calcio im Rahmen des UEFA-Pokal-Viertelfinals im Bremer Weser-Stadion. Das Spiel gegen Hannover sei ein schönes Beispiel dafür "dass man nicht mit halber Kraft spielen kann", erklärte Werders Sportdirektor Klaus Allofs, der für die Partie gegen die Italiener erwartet, dass seine Mannschaft noch eine Schippe drauflegt.

"Die Generalprobe ist uns gelungen, aber Udinese ist ein anderes Kaliber. Sie gehören zwar nicht zu den Spitzenclubs Italiens, sind aber immer wieder international vertreten", erklärte Allofs. "Das ist eine ausgebuffte Mannschaft. Sie sind taktisch sehr diszipliniert und auch in den Offensivaktionen sehr gefährlich. Da müssen wir aufpassen und dürfen uns keine Fehler erlauben."

Aus Bremen berichtet Timo Strömer