Dortmund - Seine Schnelligkeit ist ohne Zweifel ebenso ein Markenzeichen wie sein Faible für extravagante Frisuren. Dass sich Pierre-Emerick Aubameyang aber bei Borussia Dortmund in dieser Saison so schnell vom Wackelkandidaten zum treffsichersten Torjäger und besten Vorlagengeber entwickeln würde, hatte wohl kaum jemand erwartet.

Der Gabuner ist einer der Gewinner in der schwarz-gelben Krise – und könnte sich bald über eine ganz besondere persönliche Ehre freuen. Schon beim Supercup gegen die Bayern, noch vor dem Start der Bundesliga, hatte Aubameyang ein Zeichen gesetzt. Nicht nur mit seinem Treffer, sondern auch mit seinem Torjubel: Der Stürmer streifte sich eine altbekannte Maske über – Spiderman war zurück.

Vollgas: Der Usain Bolt des BVB

Die Maske blieb seitdem zwar im Stutzen, aber dafür ließ der 25-Jährige auch in der Liga Tore sprechen und avancierte zum stabilsten und damit wichtigsten Angreifer des BVB. Nicht Ciro Immobile, nicht Adrian Ramos – Aubameyang zündete im wahrsten Sinne des Wortes den Turbo und wurde zur festen Größe. In jeder Partie stand er auf dem Rasen, 15 Mal davon in der Startelf. Wobei seine Schnelligkeit ganz sicher eine seiner besten Waffen ist. Auf den ersten 30 Metern soll er sogar locker mit Sprint-Weltmeister Usain Bolt mithalten können.

Das war ihm auch schon in seiner ersten Saison bei der Borussia zugute gekommen. 13 Treffer standen am Ende zu Buche, und doch waren weder Verein noch Trainer so richtig zufrieden mit Aubameyang. Er spielte oft nur noch den Joker, weil er auch bei seinen Einsätzen auf der Außenbahn eher den Abschluss als den Mitspieler suchte. Zudem sollte er vor allem defensiv an sich arbeiten, schneller nach hinten umschalten. Als er vor dieser Spielzeit gefragt wurde, was er von Jürgen Klopp gelernt hat, gab der Gabuner mit französischem Pass lachend die entsprechende Antwort: "Vor allem verteidigen!"

 

 

 

Seine Topfakten:

  • Pierre-Emerick Aubameyang ist der Top-Torschütze des BVB in dieser Saison; sowohl in der Bundesliga (fünf Treffer) als auch summiert über alle Wettbewerbe (elf Tore). Zudem ist er mit acht Scorerpunkten in der Bundesliga der Topscorer des BVB.

  • In dieser Bundesliga-Saison gab Aubameyang beim BVB die meisten Torschüsse ab (50).

 

Jetzt scheint es, als habe Pierre-Emerick Aubemyang den BVB-Fußball verinnerlicht, auch wenn der in dieser Saison bislang allzu selten wirklich zündete. Er kann nach hinten arbeiten, er setzt seine Mitspieler gekonnt ein. Und ganz nebenher knipst der technisch versierte Kicker mit dem ausgeprägten Torriecher weiterhin.

Das durfte er streckenweise auch im Sturmzentrum tun, weil er hier schlicht effektiver agierte als seine vereinsinterne Konkurrenz. "Er kann die Bälle sichern, er hat ein sehr ordentliches Kopfballspiel, ist körperlich sehr präsent und kann das auch mit dem Rücken zum Tor spielen", hat Jürgen Klopp seinem Angreifer nur lobende Worte ins Halbjahres-Zeugnis geschrieben. Aubameyang selbst hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich ganz vorne durchaus wohl fühlt: "Mein Naturell liegt in der Spitze."

Afrikas Fußballer des Jahres?

Borussias Nummer 17 hat aber auch kein Problem damit, in der Dortmunder 4-2-3-1-Formation wieder auf die Außenbahn zu rücken. Dafür ist er viel zu sehr Teamplayer, auch wenn sein extravaganter Außenauftritt vielleicht anderes vermuten lässt. Aber Aubemeyang hat einfach eine Schwäche für schnelle Autos, von denen ein Lamborghini nur eines von fünf Modellen ist, für ausgefallene Frisuren und für jede Menge Bling-Bling an Körper und Klamotten.

Trotzdem protzt er nicht mit diesen Dingen, ist eher ein zurückhaltender Typ, fast schüchtern. Nur auf dem Platz, da legt Pierre-Emerick gerne seine Zurückhaltung ab und lässt Taten sprechen. Fünf Treffer, allesamt mit dem rechten Fuß, und drei Vorlagen sind zwar nach der Hinrunde keine herausragenden Zahlen, im zurzeit schwierigen Dortmunder Umfeld aber ein Beweis für Aubameyangs stabile Leistung.

Die ist auch auf seinem Heimatkontinent nicht unbeobachtet geblieben. Der Gabuner ist neben Mittelfeldstar Yaya Toure von Manchester City (Elfenbeinküste) und Nigerias Nationalkeeper Vincent Enyeama (OSC Lille) einer von drei Nominierten für die Wahl zu Afrikas Fußballer des Jahres. Der Sieger wird am 8. Januar bekannt geben.

Dietmar Nolte