Augsburg - Wenn Paul Verhaegh nach den Spielen vor die Presse tritt, ist er nie allein. Seine dreijährige Tochter Mila weicht ihm nicht von der Seite und wird auch schon mal ungeduldig, wenn sich der Papa zu viel Zeit für die Journalisten nimmt. Die Familie ist dem 31-Jährigen wichtig. Mit seiner bodenständigen Art verkörpert der Kapitän des FC Augsburg zugleich die Werte des Vereins.

Auch der FCA ist in gewisser Weise eine große Familie. "Wir haben einen unglaublichen Zusammenhalt", betont der Niederländer. "Jeder ist für jeden da." Seit 2010 ist Verhaegh Teil dieses Teams, stieg mit den bayerischen Schwaben 2011 in die Bundesliga auf und trägt seit Anfang 2012 die Kapitänsbinde. "Es macht einfach Spaß in dieser Mannschaft zu spielen", sagt Verhaegh.

Freude über die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte

Das ausklingende Jahr hat dabei besonders viel Freude bereitet - nicht nur Verhaegh. Auch Cheftrainer Markus Weinzierl blickt voller Stolz auf die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte zurück. "Unsere Position ist sensationell", sagt der Coach des Tabellensechsten. "Nicht nur dieses Halbjahr, sondern das ganze Jahr 2014 ist sensationell gelaufen."

Der 2:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach war in seinen Augen "das Ausrufezeichen" hinter diesem erfolgreichen Jahr. Besonders die Comeback-Künste beeindrucken den Trainer: Allein vier Mal wandelte der FCA in der Hinrunde einen 0:1-Rückstand noch in einen Sieg um. Die Mannschaft wirft so schnell nichts aus der Bahn, weil sie laut Weinzierl "top Charaktere hat".

 

Seine Topfakten:

 

  • Paul Verhaegh ist seit der Saison 2013/14 Augsburgs Elfmeterschütze und verwandelte seine sieben Strafstöße sicher (davon fünf in dieser Saison; ligaweit die meisten).

  • Dank der Elfmeter ist Verhaegh der Top-Torschütze des FCA in dieser Saison

Eiskalt vom Punkt

Einer davon ist eben Kapitän Verhaegh. Der Außenverteidiger hat seinen Teil zum Höhenflug des FC Augsburg beigetragen. Fünf Mal trat der Defensivspieler in dieser Saison zum Strafstoß an, fünf Mal erfolgreich. Der dreimalige niederländische Nationalspieler baute damit seine hundertprozentige Trefferquote vom Elfmeterpunkt aus: Sieben Mal schritt er in seiner Bundesliga-Karriere zur Tat, jedes Mal blieb er cool und verwandelte sicher.

Einen kühlen Kopf bewahrt Verhaegh auch beim Blick auf die Tabelle. "Über den Europapokal reden wir nicht. Das haben wir noch nie gemacht und machen es jetzt auch nicht", wiegelt Verhaegh ab. Mit 27 Punkten nach den ersten 17 Spielen überwintert der FC Augsburg erstmals in seiner Bundesliga-Historie auf einem Platz, der zur Teilnahme am internationalen Geschäft berechtigen würde.

"Die Fans dürfen träumen"

Und die Anhänger singen bereits vom Europapokal. "Die Fans dürfen träumen", sagt Verhaegh. "Aber wir sind realistisch und wissen, dass wir in der Bundesliga noch sehr schwere Gegner haben und es noch ein sehr weiter Weg bis zum 34. Spieltag ist." Der Blick der Augsburger ist also weiterhin nach unten gerichtet und vor dem Erreichen der viel zitierten 40-Punkte-Marke wird sich daran auch nichts ändern. "Es kann auch schnell in die falsche Richtung laufen", warnt Verhaegh. "Wir haben uns einen gewissen Abstand erarbeitet, aber das heißt nicht, dass wir uns 2015 ausruhen können."

In den nächsten Tagen steht aber doch erst einmal die Familie im Vordergrund. "Wir können mit einem positiven Gefühl in die Weihnachtspause gehen und dürfen den Urlaub genießen", sagt Verhaegh und verlässt die Mixed Zone -  an der Hand Töchterchen Mila, die sich freuen darf, dass der Papa in diesen Tagen auch mehr Zeit für sie hat.

Maximilian Lotz