Wolfsburg - Es ist schwer beim VfL Wolfsburg einen bestimmten Spieler hervorzuheben, zu homogen war das Auftreten des Tabellenzweiten in der Hinrunde. 34 Punkte bedeuteten Vereinsrekord nach 17. Spielen, doch wenn man jemanden aus der Mannschaft in den Vordergrund rücken möchte, ist es sicherlich Kevin De Bruyne.

Nach dem letzten Heimspiel gegen den 1. FC Köln schlich der Belgier aus der Kabine: "Ich bin wirklich müde. In den letzten Partien habe ich gemerkt, dass ich erschöpft bin, aber das ist ja ganz normal, ich bin schließlich keine Maschine oder Roboter." Zusammen mit dem Teamkollegen Naldo stand de Bruyne bei allen Bundesliga-Spielen des VfL auf dem Platz. Inklusive DFB-Pokal und Europa League absolvierte der 23-Jährige satte 25 Partien. Ein Mammutprogramm. "Wir haben eine tolle Hinrunde gespielt, darauf können wir stolz sein. Für mich war es nach der WM nicht einfach, denn ich bin vier Wochen später ins Training eingestiegen als der Rest", erklärte De Bruyne, der sich nun auf den wohlverdienten Urlaub freut.

Assistkönig und Dauerdribbler

Besonders seine Qualitäten als Torvorbereiter unterstrich de Bruyne in der Hinrunde. Er legte zehn Mal für seine Mitspieler auf, das ist Ligaspitze. Nur der Bochumer Dariuz Wosz hatte in der Saison 1996/97 für den VfL Bochum nach der Hinrunde noch mehr Assists (11) als de Bruyne auf dem Konto. Seinen persönlichen Rekord als Vorlagengeber aus der Saison 2012/13 mit Werder Bremen hat er bereits übertroffen (9 Assists).

Neben den vielen Torvorlagen traf der belgische Nationalspieler auch dreimal selbst ins Netz. Während der Hinrunde spielte de Bruyne auf allen Offensivpositionen im Mittelfeld des VfL. Im Auftaktspiel gegen Bayern München startete er auf der linken Offensivseite, zumeist agierte er aber zentral hinter der einzigen Spitze.

 

Seine Topfakten:

 

  • Zehn Torvorlagen sind Bestwert in der Liga und hatte nach 17 Spieltagen zuvor nie ein Wolfsburger Spieler in der Bundesliga geschafft.

  • De Bruyne stellte bereits einen neuen persönlichen Rekord auf (neun Torvorlagen gelangen ihm 2012/13 für Bremen).

 

"Kevin weiß, dass wir auf ihn bauen"

Der Belgier besticht im Team durch seine Schnelligkeit und seine überragende Technik. Sinnbildlich für seine Qualitäten war sein toller Volleytreffer im Europa League-Heimspiel gegen den OSC Lille. Der Ex-Chelsea-Spieler ist im Dribbling nur selten zu stoppen und auch bei Standards stark. Der VfL Wolfsburg hat in der Hinrunde bereits zwölf Tore nach ruhenden Bällen erzielt. De Bruynes Ecken verwertete zumeist "Kopfballungeheuer" Naldo. Auch wenn, der immer sehr schüchtern wirkende Belgier, kein Sprachrohr im Team ist, ist der doch sehr wichtig auf dem Platz und reißt seine Mannschaft mit seinem Siegeswillen mit. Sportdirektor Klaus Allofs weiß, warum de Bruyne vor allem in dieser Halbserie endgültig den Sprung zu einem der Stars der Liga geschafft hat: "Er fühlt sich beim VfL sehr heimisch und er weiß, dass wir auf ihn bauen."

De Bruyne selbst freut sich jetzt aber erst einmal auf die Winterpause. "Jetzt müssen wir uns ausruhen und Kräfte für die Rückrunde sammeln", so der Belgier, der Weihnachten viel unterwegs sein wird. "Ich werde viele Freunde besuchen und nur ein paar Tage in meiner belgischen Heimat verbringen", verriet de Bruyne. Auf das Ziel Champions League-Qualifikation wollte sich der Offensivstratege noch nicht versteifen. "Wir werden versuchen so gut wie möglich abzuschließen. Punktemäßig sind wir jetzt im Vorteil, aber wir spielen am Anfang der Rückrunde gegen gute Teams und müssen da versuchen zu punkten." Erster Gegner zum Start der Rückrunde ist übrigens der FC Bayern München...

Alexander Barklage