Leverkusen - Im Sommer investierte Bayer 04 Leverkusen kräftig in die Mannschaft. Hakan Calhanoglu wurde vom Hamburger SV losgeeist, Josip Drmic kam aus Nürnberg, Supertalent Wendell wurde für viel Geld aus Brasilien geholt. Doch sie alle wurden von einem in den Schatten gestellt, den anfangs niemand so recht auf der Rechnung hatte: von Karim Bellarabi.

Er wurde formal auch unter den Neuzugängen geführt. Schließlich war der Deutsch-Marokkaner in der Saison zuvor an Eintracht Braunschweig ausgeliehen und dort auf der Torejagd gegangen. Bellarabi war wieder zurück in Leverkusen und galt erneut als Wackelkandidat. Doch dann überzeugte er in der Saisonvorbereitung dermaßen, dass Trainer Roger Schmidt sich festlegte. "Karim wird nicht verliehen, den will ich haben", sprach der Coach ein Machtwort. Der Spieler dankte es ihm.

Im zweiten Anlauf endlich erfolgreich

Es ist kein Zufall, dass Karim Bellarabi zum Saisonauftakt in Dortmund das erste Tor der Saison erzielte, noch dazu nach gerade einmal neun Sekunden das schnellste Tor überhaupt in der Bundesliga-Geschichte. Der 24-Jährige schoss auch beim 1:1 gegen Frankfurt den letzten Treffer der Werkself in der Hinrunde. In allen 17 Bundesliga-Spielen stand er in der Startelf, acht Tore gelangen ihm, vier weitere legte er auf.

"Ich habe mir vorgenommen, in diesem Jahr anzugreifen. So viele Chancen bekommt man nicht im Leben. Deshalb wollte ich mich in dieser Saison von Anfang an durchsetzen. Das war mein Ziel", sagt Karim Bellarabi. Im zweiten Anlauf hat er sich in Leverkusen behauptet. Der erste Versuch ‑ in den Jahren 2011 bis 2013 – war trotz einiger vielversprechender Momente nicht von Erfolg gekrönt gewesen. In 18 Spielen gelang ihm nur ein Treffer, der aber immerhin beim 2:0-Sieg der Rheinländer gegen Bayern München im Frühjahr 2012. Immer wieder setzten ihn auch langwierige Verletzungen außer Gefecht.

 

Seine Topfakten:

 

  • Karim Bellarabi war in dieser Saison an zehn Treffern beteiligt (acht Tore, zwei Torvorlagen). Mit acht Treffern ist er Bayers Top-Torschütze (ligaweit trafen nur drei Spieler häufiger), mehr als zwei Torvorlagen gab bei Bayer kein Spieler

  • In seinen ersten 18 Bundesliga-Spielen für Leverkusen war er nur auf drei Scorer-Punkte gekommen (ein Tor, zwei Torvorlagen), der Neu-Nationalspieler hat einen riesigen Entwicklungssprung genommen

     

Konstant hohe Leistung

In Braunschweig startete Karim Bellarabi wieder durch, in Leverkusen explodierte der pfeilschnelle, dribbelstarke Techniker nun in dieser Saison und war laufstark und treffsicher wie nie. "Karim hat wohl vier Lungen und nicht zwei. Er ist in einer herausragenden Form", staunte selbst Teamkollege Gonzalo Castro nicht schlecht über die Power seines Mitspielers.

Karim Bellarabi hat eine Hinrunde auf konstant hohem Niveau und ohne eine einzige wirklich schlechte Partie hingelegt. Der gebürtige Berliner spielte von Anfang an so gut, dass ihm auch rasch eine Nominierung von Bundestrainer Joachim Löw ins Haus flatterte. Im Oktober debütierte er für Deutschland beim EM-Qualifikationsspiel in Polen, drei weitere Einsätze folgten. Auch im Nationaltrikot ist er auf dem besten Weg eine feste Größe zu werden.

Nach einer anstrengenden Hinrunde mit 26 Pflichtspieleinsätzen für Bayer 04 verabschiede sich Karim Bellarabi in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub nach Marokko. "Wir überwintern auf dem 3. Platz, das ist ganz okay", zog er nach dem besten Halbjahr seiner Karriere ein positives Hinrundenfazit. "Natürlich wären auch mehr als 28 Punkte möglich gewesen. Aber im Großen und Ganzen können wir zufrieden sein." Er selbst kann sogar hochzufrieden sein.

Tobias Gonscherowski