Köln - Es ist ein Rezept, das Hollywood schon so manchen Dollar an den Kinokassen beschert hat: Eine Partnerschaft beginnt äußerst holprig, aber nach 90 turbulenten Minuten gehen die Hauptdarsteller füreinander durchs Feuer. Franco Di Santo ist das sportliche Äquivalent zu "Tango und Cash", "Lethal Weapon" oder "Harry und Sally". Der Mittelstürmer von Werder Bremen und die Bundesliga - das passte zunächst überhaupt nicht zusammen. In dieser Hinrunde deutete Di Santo aber an, dass aus einer problematischen Beziehung doch noch eine echte Erfolgsgeschichte werden könnte.

Sein Startelf-Debüt in der Bundesliga war nach gut 25 Minuten bereits beendet: Am 5. Spieltag der vergangenen Saison sah Di Santo wegen eines harten Fouls die Rote Karte. Werder verlor gegen Frankfurt mit 0:3. Zu allem Überfluss verletzte sich der großgewachsene Rechtsfuß während der Sperre und konnte erst am 13. Spieltag 2013/14 wieder ins Geschehen eingreifen. Eine erste Halbserie zum Vergessen.

Qualitäten auf und neben dem Rasen

Danach ging es langsam bergauf. Schon in der Rückrunde der vergangenen Saison deutete Di Santo an, warum Trainer Robin Dutt bei seiner Vorstellung 2013 regelrecht ins Schwärmen kam. "Er ist für seine Größe technisch sehr, sehr gut, ist extrem schnell und bringt eine gute Präsenz mit", beschrieb Werders ehemaliger Trainer Di Santos Stärken auf dem Rasen, bevor er auch seine Qualitäten außerhalb des Platzes lobte: "In den Gesprächen haben wir schnell festgestellt, dass er auch ein sehr guter Typ ist."

Die Mischung aus sportlicher Qualität und unverwüstlicher guter Laune erinnert stark an den besten Bremer Stürmer der jüngeren Vergangenheit, Claudio Pizarro. Und tatsächlich ist der Peruaner nicht ganz unschuldig daran, dass Di Santo in Bremen gelandet ist. Seit ihrer gemeinsamen Zeit beim FC Chelsea verbindet Di Santo und Pizarro eine Freundschaft. Als die Bremer sich um eine Verpflichtung bemühten, riet Pizarro Di Santo zum Wechsel. Und Di Santo bereut bis heute nicht, dass er auf den mehr als zehn Jahre älteren Kumpel gehört hat: "Ich bin froh, dass er mir Werder empfohlen hat", so Di Santo, der von einem Comeback in der Nationalmannschaft träumt.

Seine Topfakten:

  • Franco Di Santo einer der wichtigsten Offensivspieler bei Werder: Er erzielte sechs der 26 Werder-Tore - und das in nur elf Partien. Kein anderer Bremer traf mehr als vier Mal. Damit hat der lange Angreifer bereits öfter getroffen als in der kompletten letzten Saison (vier Tore in 23 Einsätzen).

  • Fünf seiner sechs Treffer markierte er in Auswärtsspielen, darunter ein Doppelpack zum 2:1 beim Bundesliga-Debüt von Skripnik im Mainz (10. Spieltag).

"Er macht aus dem Minimum das Maximum"

Viel wichtiger für Werder ist aber, dass in dieser Hinrunde auch seine Torquote an den prominenten Vorgänger erinnert: Sechs Tore und eine Vorlage stehen für den 25-Jährigen zu Buche. Und das, obwohl Di Santo aufgrund einer Verletzung seit dem 11. Spieltag kein Bundesliga-Spiel mehr bestritten hat. Sein Doppelpack beim 2:1-Erfolg in Mainz bescherte Werder den ersten Saisonsieg und leitete den Aufwärtstrend unter Viktor Skripnik ein. Di Santos Siegtreffer in Mainz war nicht nur immens wichtig, sondern auch sehenswert: Der raffinierte Lupfer zum 2:1 wurde von den bundesliga.de-Usern zum Tor des 10. Spieltags gewählt.

Seine Mitspieler wissen, was sie an Di Santo haben. "Er macht aus dem Minimum das Maximum", lobt beispielweise Zlatko Junuzovic und auch Fin Bartels ist von der Effektivität des Argentiniers beeindruckt: "Franco ist Vollblutstürmer. Der macht halt auch mal aus keiner Chance ein Tor." Auch Viktor Skripnik ist von seinem Schützling angetan. "Di Santo ist ein Spieler, den jeder Bundesliga-Club gerne hätte. Wir sind sehr froh, dass er bei uns ist", betont Skripnik den Stellenwert des dreimaligen Nationalspielers.

Tango-Pläne für die Rückrunde

Nachdem Di Santo zuletzt wegen seiner Außenbandverletzung ausschließlich seine Qualitäten als Stimmungskanone unter Beweis stellen konnte, möchte er in der Rückrunde seinen Tor-Tango auch endlich wieder auf dem Rasen zeigen. Dann könnte aus dem missglückten Bundesliga-Start endgültig eine hollywoodreife Romanze werden.

Florian Reinecke