Frankfurt - Alexander Meier macht kein großes Aufheben um seine Person. Das ist aber ziemlich schwer: Zum einen ist der Fußballprofi von Eintracht Frankfurt fast zwei Meter groß (genau: 1,96 Meter) und deswegen kaum zu übersehen. Zum anderen steht jemand, der von einer riesigen , eben besonders im Fokus.

Und Alexander Meier hat sich in zehn Jahren bei Eintracht Frankfurt auch bundesweit einen Namen gemacht, selbst andere Fußballgötter singen Huldigungen auf den wortkargen Offensivspieler. Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler zum Beispiel sagte vor dem letzten Vorrundenspiel seiner Profis gegen die Eintracht über Frankfurts Helden: "Meier ist ein Phänomen. Ein Schleicher, den man oft eine Viertelstunde gar nicht sieht - aber mit der seltenen Gabe, dann immer am richtigen Fleck zu stehen und eiskalt zuzuschlagen. Er weiß genau, wie er sich zu bewegen hat, ist immer brandgefährlich und kopfballstark."

Viele trauen Meier die Torjägerkanone zu

All das wusste natürlich auch die Bayer-Mannschaft, doch auch die konnte Meiers 13. Treffer in dieser Vorrunde beim 1:1 nicht vermeiden. Okay, es war ein Elfmeter, aber trotzdem: Nicht Lewandowski, nicht Robben und nicht Huntelaar führen die Torschützenliste der Bundesliga 2014/15 nach 17 Spielen an. Viele trauen dem 31-jährigen Meier zu, in dieser Runde die Torjägerkanone zu gewinnen. Doch der sagt nur: "Ob ich Torschützenkönig werde oder nicht, ist nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass wir als Mannschaft die Spiele gewinnen." Er glaube, es werde am Ende ein Bayern-Spieler die Torschützenliste anführen.

Das ist so ein typischer Meier-Satz. Immer den Ball flach halten, Taten statt Worte sprechen lassen - das ist das Credo von Alexander Meier. Seit über zehn Jahren macht er das so bei der Eintracht. Und beiden Partnern tut diese Zusammenarbeit gut. Meier, dessen Vertrag bis Ende Juni 2017 läuft, hat sich durch seine Vereinstreue einen Heldenstatus in der Ahnengalerie des Frankfurter Traditionsvereins gesichert. Er ging mit der Eintracht in die 2. Bundesliga und ebnete mit seinen 17 Zweitligatoren (keiner traf in der Saison 2011/12 öfter) den Weg zum sofortigen Wiederaufstieg.

Doch die Eintracht profitiert von einem der torgefährlichsten Offensivspieler der Liga nicht nur auf dem Platz. Durch seine bescheidene Art, ist Meier auch in der Kabine und im Club einer der akzeptiertesten Persönlichkeiten. In 285 Pflichtspiel-Einsätzen für die Eintracht erzielte der Mann aus Norddeutschland, der vor einer Dekade vom Hamburger SV zur Eintracht wechselte, bislang 95 Tore.

 

Seine Topfakten:

 

  • Alexander Meier erzielte 13 Tore, damit führt er alleine die Torschützenliste der Bundesliga an. Das ist umso erstaunlicher, weil Meier erst am 4. Spieltag erstmals in der Startelf stand - in den 14 Spielen seitdem war er wieder gesetzt und schlug 13 Mal zu.

  • Meier traf damit schon öfter als in der kompletten Vorsaison in 22 Einsätzen (acht Mal), überhaupt war er nur in einer Bundesliga-Saison erfolgreicher (2012/13 mit 16 Toren).

 

"Alex weiß genau, wo die Kugel hinfällt"

Die meisten davon mit der Innenseite seines rechten Fußes. Er kann mit diesem Körperteil den Ball flach einfach ins Tor schieben oder gekonnt in die Ecken schlenzen - oder die Kugel einfach davon ins Tor abprallen lassen. Diese fast perfekte Schusstechnik hat sich Meier über die Jahre durch viele Extraschichten nach Ende der offiziellen Trainingseinheiten angeeignet, und er verfeinert sie immer noch. Hinzu kommt sein Torjäger-Instinkt, der ihn immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort stehen lässt. Auch sein neuer Trainer bei der Eintracht, Thomas Schaaf, hat längst erkannt: "Alex weiß ganz genau, wo die Kugel hinfällt, um ein Tor zu machen."

Zu Beginn der Saison fremdelten Schaaf und Meier ein bisschen, Meier war es gewohnt, sich den Ball auch mal in der eigenen Hälfte zu holen. Schaaf wollte das nicht so. Mittlerweile genießt der Mann mit dem kleinen Zopf im Haar wieder mehr Freiheiten - und mit dem neuen Sturmpartner Haris Seferovic, der eine ähnlich furchteinflößende körperliche Präsenz wie Meier auf dem Platz zeigt, ergänzt sich der Eintracht-Dauerbrenner mittlerweile sehr gut. Als etwas zurückgezogene Spitze kann sich Meier fast unbemerkt in die gefährliche Zone schleichen und die beste Position für Torabschlüsse finden.

Die Bestmarke von Alexander Meier in der Bundesliga liegt bei 16 Treffern in der Saison 2012/13. Ob er diese in dieser Saison übertreffen kann? Man ahnt die Antwort von einem "Fußballgott", den persönlicher Ruhm weniger antreibt, als der Erfolg mit der Mannschaft.

Von Tobias Schächter