Köln - Er ist der Aufsteiger unter den Aufsteigern. Jonas Hector ist beim Bundesliga-Rückkehrer 1. FC Köln durchgestartet und längst zu einer festen Größe geworden. Inzwischen darf sich der linke Außenverteidiger des FC sogar deutscher Nationalspieler nennen, nachdem er im November im EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar debütierte.

Jonas Hector ist kein Typ, der sofort auffällt. Nach den Spielen versucht er immer möglichst schnell und unbehelligt an der Meute der Medienvertreter vorbeizukommen. Meistens gelingt es ihm, den redegewandten Timo Horn, Routinier Matthias Lehmann oder Abwehrkollege Kevin Wimmer den Vortritt zu lassen.

Im Rampenlicht zu stehen oder den Star raushängen lassen, ist überhaupt nicht sein Ding. Jonas Hector ist ein Normalo, der wenig Aufhebens um seinen Beruf macht und parallel zum Fußball an der Rheinischen Hochschule in Köln Betriebswirtschaftslehre studiert. Wie jeder andere Student auch muss er für Klausuren büffeln und Hausarbeiten schreiben. Im Oktober beschäftigte er sich etwa mit dem Thema "Personalmanagement".

Probetraining beim großen FC Bayern

Der Verein unterstützt Hectors Studium ausdrücklich, auch Trainer Peter Stöger kann sich "schlimmere Freizeitbeschäftigungen vorstellen, als das jemand fürs Leben lernt." Denn seine Leistungen leiden unter der Doppelbeschäftigung keineswegs.

Ein Senkrechtstarter war Jonas Hector nie. Noch vor viereinhalb Jahren spielte er für den saarländischen Oberligisten SV Auersmacher, für die Junioren-Nationalteams des DFB wurde er nie eingeladen. In der Oberliga Südwest fiel er dann in der Saison 2009/10 mit neun Toren und 13 Assists auf, Angebote flatterten ins Haus, beim FC Bayern absolvierte er sogar ein Probetraining. Hector entschied sich für den 1. FC Köln und bereute es nicht. 

Topfakten



- Jonas Hector verpasste in dieser Saison in 26 Bundesliga-Spielen noch keine Minute

- Am 7. Spieltag gelang ihm beim 2:3 gegen Eintracht Frankfurt sein erste Bundesliga-Tor

- Zu seinem ersten Einsatz für Deutschland kam Hector am 7. November 2014. Gegen Gibraltar wurde er in der 72. Minute eingewechselt.

In der U21-Mannschaft der Geißböcke überzeugte Hector. Vom damaligen Cheftrainer Holger Stanislawski wurde er 2012 zu den Profis geholt und vom Offensivmann zum linken Außenverteidiger umgeschult. Seitdem hat er bei fast keinem Pflichtspiel mehr gefehlt. Die Position macht ihm großen Spaß. "Man ist defensiv und offensiv beansprucht und muss abwägen, wann man sich in den Angriff einschaltet und wann nicht. Dementsprechend ist die Position schwer zu spielen", sagt Hector.

In dieser Saison stand der 24-Jährige in der Bundesliga bei 26 Einsätzen satte 2.340 Minute auf dem Platz, verpasste keine einzige Minute. Jonas Hector spielt unspektakulär, mit Ruhe am Ball und viel Übersicht. Fehler unterlaufen ihm nur selten.

In der DFB-Auswahl angekommen

"Für mich ist er als Nebenmann sehr wichtig", lobt Kevin Wimmer seinen Teamkollegen. "Er hat ein sehr gutes Stellungsspiel. Er unterläuft nie einen hohen Ball und macht auch nach vorne richtig viel. Er bewegt sich gut in die Tiefe und macht es den gegnerischen Verteidigern sehr schwer. Er passt als Linksverteidiger perfekt zu unserer Mannschaft."

Im November durfte Jonas Hector dann erstmals für Deutschland auflaufen. Immerhin 18 Minuten dauerte sein Debüt gegen Gibraltar, nachdem er sich zuvor im Training aufgedrängt hatte und von Co-Trainer Thomas Schneider bescheinigt bekam, einen "sehr guten Eindruck" hinterlassen zu haben.

Mittlerweile ist er voll angekommen im DFB-Team. "Die Jungs haben es mir auch sehr leicht gemacht. Jeder hilft mir, wenn ich Fragen habe." Im Testspiel gegen Asien-Meister Australien stand er erstmals in der Startelf und enttäuschte den Bundestrainer nicht. Hector hatte seine linke Seite fest im Griff und schaltete sich immer wieder gefährlich ins Offensivspiel ein. 

Jonas Hector hat seinen rasanten Aufstieg bislang gut verkraftet und ihn auch mit einer Prise Humor hingenommen. "Auf der Playstation ist der Hector immer zu schlecht. Da würde ich ihn nicht aufstellen", witzelte er nach seiner Nominierung. In der virtuelle Welt mag das zutreffen, in der Realität ist Jonas Hector ganz sicher kein Schlechter. 

Tobias Gonscherowski