Gelsenkirchen - Der FC Schalke 04 scheint aus dem Gröbsten raus. Nach dem 1:0-Sieg beim 1. FSV Mainz 05 kletterten die "Knappen" auf Platz 10 der Tabelle - so gut stand die Elf von Felix Magath in der gesamten Saison noch nicht da. Und der gibt sich gleich wieder angriffslustig: "Jetzt können wir die alten Ziele ins Auge fassen", zitiert die "Bild"-Zeitung den Cheftrainer.

Der Lauf der Schalker nahm seinen Anfang am 11. Spieltag, als man den FC St. Pauli mit 3:0 nach Hause schickte. Seitdem gab es nur noch eine Niederlage, die beim 0:5 in Kaiserslautern jedoch heftig ausfiel. Klammert man den Ausrutscher am Betzenberg einmal aus, kann sich die Bilanz sehen lassen: Die "Königsblauen" feierten in den vergangenen sechs Pflichtspielen fünf Siege. In der Bundesliga setzten sie sich " in drei der letzten vier Partien durch - und verbuchten damit mehr "Dreier" als an den zwölf Spieltagen zuvor.

Abgeklärter vor dem gegnerischen Tor

Doch welche Faktoren haben den Umschwung bewirkt und wie äußert sich das auf dem Spielfeld? bundesliga.de hat genau hingeschaut und zieht einen Vergleich zum holprigen Saisonbeginn.

Was sich - im Vergleich zu den ersten Spielen - grundlegend geändert hat, ist die Treffsicherheit der Gelsenkirchener: An den vergangenen sechs Spieltagen, an denen S04 nur ein Mal verlor, hatte die Mannschaft von Cheftrainer Felix Magath mit 20,3 Prozent die mit Abstand beste Chancenverwertung. Entsprechend netzte man zwölf Mal ein, während es in den ersten zehn Spieltagen nur zehn Treffer zu bejubeln gab.

Im Gegensatz zum Saisonstart, als die Neuzugänge Klaas-Jan Huntelaar und Raul zehn der ersten 15 Saisontore erzielten, treffen nun auch andere: Sechs der vergangenen acht Tore gehen auf das Konto unterschiedlicher Spieler, selbst die beiden Verteidiger Metzelder und Höwedes trugen sich zuletzt in die Torschützenliste ein.

Farfan zurück zu alter Stärke

Und auch Jefferson Farfan nähert sich langsam der Form aus der vergangenen Spielzeit: In den letzten sechs Partien war der Peruaner an immerhin vier Schalker Toren direkt beteiligt (ein Tor, drei Assists) - zuvor hatte er nur einen Treffer geschossen und keinen aufgelegt.

Vorne hat's also Klick gemacht - und hinten steht mit Manuel Neuer ein Torwart, dem sein Chefcoach kürzlich das Attribut "Weltklasse" attestierte. Der Nationalkeeper ist seit dem Saisonbeginn die einzige Konstante im Team, während sich der Rest der Mannschaft zunächst finden musste. Durch das radikale Umkrempeln der Defensive - Marcelo Bordon, Rafinha und Heiko Westermann wurden abgegeben - nahm das Einspielen der runderneuerten Abwehrformation wesentlich mehr Zeit in Anspruch als erwünscht, so dass zum Saisonbeginn keine Stabilität vorhanden war.

Abwehr hat sich eingespielt

Dies hat sich nun geändert: Die Automatismen greifen und die Laufwege wurden untereinander angepasst. "Man kann schon sehen, dass wir uns in den letzten Spielen gefunden haben und mittlerweile ein Team geworden sind, das zusammenhält. Ich erkenne ganz klar einen positiven Trend", sagte Neuer nach dem jüngsten 1:0-Sieg bei Mainz 05.

Das belegen auch die Zahlen: Nur bei Dortmund und Freiburg stand im Zeitraum der vergangenen sechs Bundesligaspielen genauso häufig die Null wie bei Schalke (vier Mal). Zuvor hatten die "Knappen" nur ein einziges Mal zu Null gespielt

Dass sich dieser Trend manifestieren konnte, liegt demnach vor allem an der Kontinuität in der Defensive: In den letzten acht Pflichtspielen bot Magath mit Lukas Schmitz, Christoph Metzelder, Benedikt Höwedes und Atsuto Uchida immer dieselbe Viererkette auf - zuvor hatte der Trainer nur ein einiziges Mal die gleichen Abwehrspieler in zwei aufeinander folgenden Spielen aufgestellt. Insgesamt setzte Magath zehn verschiedene Spieler auf teilweise verschiedenen Positionen ein.

"Wir werden viele überraschen"

Den Ausrutscher beim FCK nahmen die Spieler zum Anlass, untereinander Tacheles zu reden: "Wichtig war, dass wir uns nach dem Spiel in Kaiserslautern zusammengesetzt haben. Im internen Kreis sind deutliche Worte gefallen, danach haben wir uns alle vorgenommen, es besser zu machen. Jetzt hoffen wir, dass wir bis Weihnachten weiterhin erfolgreich sind und uns eine gute Ausgangslage für die Rückserie schaffen", lautet Neuers Wunsch.

Denn eines ist kar: "Wenn man das Lautern-Spiel ausklammert, spielen wir seit Wochen richtig guten Fußball", sagt der Schalke-Kapitän. So gut, dass Abwehrchef Metzelder schon einmal die Messer wetzt: "In der Rückrunde dürfen sich noch einige über uns wundern, wir werden viele überraschen."

Johannes Fischer