Der Sommer geht langsam zu Ende, und es kommen stürmische Zeiten. Zwei Bundesliga-Trainer verlieren ihren Job. Erst erwischt es in Bochum nach einem Start mit vier Punkten aus den ersten sechs Spielen und massiven Fanprotesten Marcel Koller. Wenig später wird auch sein Schweizer Landsmann Lucien Favre in Berlin entlassen.

Nach über vier zumeist erfolgreichen Jahren beim VfL Bochum mit dem Aufstieg in die Bundesliga und zwei Mal erfolgreich bestandenem Abstiegskampf drehte sich die Stimmung in Bochum bereits in der Vorsaison, als die einst "Unabsteigbaren" nur einen Sieg in der Vorrunde einfuhren. Doch Marcel Koller durfte weitermachen, meisterte auch diese Herausforderung und schaffte erneut den Klassenerhalt.

Die "Alte Dame" bessert nach

Diesmal entscheidet sich die Vereinsführung für den Wechsel. Interimstrainer wird Frank Heinemann. Während sich das Ungemach für Koller angedeutet hatte, kommt die Hertha-Krise überraschend, zumindest in diesem Ausmaß.

Schließlich hatte die Hertha im Vorjahr unter Favre noch bis zum vorletzten Spieltag eine realistische Meisterschaftschance. Dann verließen mit Andrey Voronin, Marko Pantelic und Josip Simunic gleich drei Leistungsträger den Verein.

Nach dem schwachen Saisonstart präsentieren die Berliner mit Florian Kringe, Adrian Ramos und Cesar Anfang September drei Last-Minute-Neuverpflichtungen. Mit diesen personellen Korrekturen will der Hauptstadtclub endlich durchstarten.

Die Tor-Serie von Kießling reißt beim 0:0 in Bremen

Doch es kommt noch schlimmer. Hertha verliert in Mainz (1:2), danach gibt es drei Blamagen in einer Woche. Erst das desaströse 0:4 daheim gegen Freibug, dann der Pokal-K.-o. bei den Münchener "Löwen" im Elfmeterschießen und anschließend mit dem 1:5 in Hoffenheim die nächste Packung. Der Trainer ist ratlos und muss gehen.

Kommen wir zum Erfreulicheren: zum Beispiel zu Stefan Kießling. Der Stürmer von Bayer Leverkusen kann wochenlang auf seinen Rasierer verzichten. Er wolle sich so lange nicht rasieren, so lange er in jedem Spiel treffe, sagt er.

Mit fünf Toren in den ersten fünf Saisonspielen stellt Kießling den Bundesliga-Rekord der Kollegen Dietmar Danner (1973/74), Fredi Bobic (1994/95), Carsten Jancker (2000/01) und Dimitar Berbatov (2005/06) ein. Im sechsten Spiel reißt auch Kießlings Serie bei Bayers 0:0 gegen Werder Bremen.

Der deutsche Rekordmeister verliert an Boden

Erfreulich ist auch der Start der Frankfurter Eintracht, die unter ihrem neuen Coach Michael Skibbe die ersten sechs Partien unbesiegt bleibt. Der FC Bayern deutet beim 5:1 in Dortmund erstmals seine wahre Stärke an und verblüfft mit einer neuen Harmonie.

Franck Ribéry sprintet nach seinem schönen Freistoßschlenzer zum zwischenzeitlichen 3:1 über den ganzen Platz und springt schließlich in die Arme seines verdutzten Trainers Louis van Gaal. Von dem kolportierten zerrütteten Verhältnis der beiden ist nichts zu sehen.

Doch bei der nächsten echten Bewährungsprobe erleiden die Münchener einen Rückschlag. Das Topspiel des 7. Spieltags beim HSV geht 0:1 verloren, Bayern fällt auf Platz 7 zurück, und der Rückstand auf die Spitze beträgt sechs Punkte.

In der Liga ungeschlagen - im Pokal nur noch Zuschauer

Derweil feiert Starstürmer Luca Toni nach langer Verletzungspause sein Comeback. Allerdings nicht in der Bundesliga. Der Italiener debütiert in der zweiten Mannschaft der Bayern in der 3. Liga gegen Jahn Regensburg. Zur Halbzeit wird er beim Stand von 0:2 ausgewechselt. Das grausame Spiel endet gar 0:5.

Der HSV (mit Ze Roberto, Mladen Petric oder Eljero Elia in Topform) und Bayer Leverkusen dominieren ungeschlagen die Liga. Im Pokal verabschieden sich beide bei klassentieferen Teams. Während Leverkusens 1:2 in Kaiserslautern nicht die Riesensensation bedeutet, blamiert sich der HSV beim Drittligisten VfL Osnabrück. Auch Freiburg und Mönchengladbach steigen gegen Underdogs aus dem Wettbewerb aus.

Adler darf gegen Russland ran

Die Nationalmannschaft fährt zwei souveräne Siege ein. Der neue Star am Fußballhimmel ist Mesut Özil, der beim 2:0 gegen Südafrika brilliert und sich als neue Nummer 10 empfiehlt. Der große Pechvogel ist Robert Enke.

Gerade von Bundestrainer Joachim Löw als neue Nummer 1 ausgerufen, muss der Torwart von Hannover 96 wegen einer Viruserkrankung passen. Davon profitiert René Adler, der fehlerfrei hält und für das entscheidende WM-Qualifikationsspiel gegen Russland im Oktober gesetzt ist.

Kuriosität des Monats

Eine schwere Verletzung zieht sich Frankfurts Torhüter Markus Pröll auf eine nicht alltägliche Art zu. Der 30-Jährige verletzt sich bei einem Zusammenprall mit einem kleinen Mädchen.

Und das kommt so: Nach dem Abpfiff eines bedeutungslosen Freundschaftskicks gegen den Kreisoberligisten SV Hofheim (20:0) stürmen die Fans den Rasen. Pröll versucht, mit einem Sprint in die Kabine den Autogrammjägern zu entkommen. "Plötzlich taucht hinter einem Erwachsenen ein vielleicht drei Jahre altes Mädchen auf. Ich hätte sie mit dem Knie voll im Gesicht erwischt, wenn ich nicht abgedreht wäre", berichtet Pröll. Im Fallen fängt er das Kind mit den Armen noch auf, stürzt aber selbst so unglücklich, dass er sich eine Eckgelenkssprengung und ein Bänderriss zuzieht. Die Hinrunde ist für Pröll gelaufen.

Tobias Gonscherowski

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