Gänsehautatmosphäre, Freudentänze, Partystimmung: Das Mainzer Bruchwegstadion glich nach dem sensationellen 2:1-Sieg gegen den FC Bayern München einem Tollhaus.

Der selbsternannte Karnevalsverein feierte beim 2:1-Sieg den ersten Erfolg über den deutschen Rekordmeister in der Bundesliga. Und Mainz hat einen neuen Helden: Der neue Trainer Thomas Tuchel hat schon nach kurzer Zeit sowohl Kult-Coach Jürgen Klopp als auch Aufstiegstrainer Jörn Andersen vergessen gemacht.

Tuchel bleibt vom Zaun unten

Doch trotz drei Spielen ohne Niederlage und fünf Punkten auf dem Konto blieb Bundesliga-Neuling Tuchel auf dem Boden und ließ sich auch von den feiernden Fans erneut nicht überreden, auf den Zaun zu steigen.

"Ich bin keinen Meter gelaufen und habe auch kein Tor geschossen. Die Mannschaft soll sich für ihren Aufwand und ihren Erfolg feiern lassen. Ich nehme mich da als Einzelperson nicht so wichtig", sagte Tuchel bescheiden.

"Das beste in den letzten 20 Jahren"

Mainz-Manager Christian Heidel war nach der Partie voll des Lobes für seinen neuen Übungsleiter: "Er macht einen Riesenjob, er hat die Jungs so heiß gemacht, immer mit neuen Ideen, er hat einen großen Anteil an der Sache. Man sieht, dass Thomas ein taktisches Konzept an den Tag legt. Wie wir in der ersten Halbzeit taktisch Fußball gespielt haben - das war das Beste, was ich in den letzten 20 Jahren bei Mainz 05 gesehen habe", so Heidel bei "Sky".

Bayern in der ersten Hälfte überrannt

In der Tat: In den ersten 45 Minuten trauten selbst die eingefleischten 05-Fans ihren Augen nicht. Nicht der Titelkandidat aus München bestimmte das Geschehen auf dem Platz - sondern der Aufsteiger aus Mainz.

Bei konsequenterer Chancenverwertung hätten die Gastgeber mit einer deutlich höheren Halbzeitführung als dem 2:0 in die Pause gehen können. Schon vor seinem Kopfballtreffer hatte Aristide Bance mehrfach die FCB-Abwehr in arge Bedrängnis gebracht. Sehenswert war vor allem sein spektakulärer Fallrückzieher, der an den Querbalken klatschte.

10:1 Schüsse für die Gastgeber

Dementsprechend lag der Außenseiter in der Schuss-Bilanz zur Halbzeit mit 10:1 vorne. Dass die Bayern diese Statistik am Ende noch mit 19:17 umdrehten, spricht ebenfalls eine deutliche Sprache. Die Elf von Trainer Louis van Gaal setzte die Rheinhessen im zweiten Spielabschnitt unter Dauerbeschuss, kam aber nicht zu vergleichbar deutlichen Chancen wie die Mainzer vor der Pause.

Dass am Ende Tuchels Mannschaft als verdienter Sieger vom Platz ging, ließ den Trainer nicht den Sinn für die Realität schwinden lassen. "Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft, dass sie gegen die Bayern gewonnen hat. Aber leider gibt es auch für diesen Sieg nur drei Punkte..."

Sven Becker/Johannes Fischer