Frankfurt - Wenn ein Fußballtrainer in der Halbzeit alle drei Wechsel vollzieht, dann ist in den ersten 45 Minuten entweder nicht viel nach Plan gelaufen, oder aber seine Mannschaft ist von großem Verletzungspech heimgesucht. 

Markus Gisdol, der Trainer der TSG Hoffenheim, sah sich nach einer blamablen ersten Hälfte und dem Zwischenstand von 0:3 bei Eintracht Frankfurt nicht durch Verletzungen zu dieser drastischen Maßnahme gezwungen: Bicakcic, Polanski und Modeste raus, Strobl, Zuber und Elyounoussi rein.

Aber mehr als der 1:3-Anschlusstreffer durch einen Freistoß von Kevin Volland (51.) sprang auch nach dem Personalkarussell in Halbzeit zwei nicht heraus für Hoffenheim. Durch diese bittere 1:3-Auswärtspleite sind die Chancen der TSG auf die Europa-League nur noch theoretischer Natur. Die schlechten Leistungen der Rückrunde erreichten einen Tiefpunkt. "Ich bin schier wahnsinnig geworden an der Linie", gab Gisdol nach dem Abpfiff zu (weitere Stimmen zum Spiel). Selten habe er seine Mannschaft so nachlässig in der Abwehr und so viele Querpässe spielen sehen wie in dieser ersten Halbzeit, ätzte der Trainer, der "sehr enttäuscht" war.

"Es verbietet sich, über Europa zu reden"

Auch Manager Alexander Rosen war "ernüchtert, enttäuscht, verständnislos", was die erste Halbzeit betrifft:  "Wir sind wiederholt vor der Hürde gestanden, aber nicht drüber gesprungen, sondern dagegen gelaufen. Das ist für mich nicht nachvollziehbar", klagte Rosen. Hoffenheim hat in der Rückrunde noch nie zwei Mal hintereinander gewonnen. Und Pirmin Schwegler, der bei seiner Rückkehr nach Frankfurt keinen guten Tag erwischt hatte, bekannte: "Nach so einem Spiel verbietet es sich, über Europa zu reden."

In Hoffenheim müssen sie nun aufpassen, eine schlechte Rückrunde nicht schön reden zu wollen. Das Verpassen der Europa-League wäre sicher eine Enttäuschung.  Allerdings sind die Chancen dazu angesichts der "desolaten Leistung" (Stürmer Kevin Volland) von Frankfurt nur noch theoretischer Natur. Praktisch dürften die erforderlichen sechs Punkte in den verbleibenden zwei Begegnungen in Leverkusen und gegen Berlin Wunschtraum bleiben. 

Häufige Systemumstellungen

Herauszufinden woran die schlechten Leistungen der Rückrunde liegen, wird die Aufgabe der nächsten Tage und Wochen sein bei der TSG. Auffällig sind die vielen Personal- und Systemwechsel, die die Spieler offenbar überfordern. Ihre besseren Spiele machte die Mannschaft zuletzt in einem System mit drei Sechsern, in Frankfurt spielte die Elf zunächst in einem 4-4-2, bevor Gisdol in der Halbzeit auf eine Dreierkette in der Abwehr umstellte. Über die Saison gesehen gewann kein Stürmer das Vertrauen des Trainers, Modeste, Szalai und Schipplock pendelten immer zwischen Ersatzbank und Spielfeld, eine starke Form lässt sich so nicht aufbauen.

Und in der Abwehr musste auch immer wieder umgestellt werden wegen  Verletzungen oder Sperren. Besonders der Ausfall von Niklas Süle (Kreuzbandriss) konnte  nicht kompensiert werden. Und Ermin Bicakcic baute nach guter Vorrunde in der Rückrunde stark ab. Kaum ein Spieler erreicht seine Bestform. Hoffenheim ist in der Verfassung von Frankfurt jedenfalls eher ein Abstiegskandidat als ein Europapokalanwärter. Man darf gespannt sein, wie die Mannschaft den bitteren Rückschlag von Frankfurt wegsteckt.

Aus Frankfurt Tobias Schächter