Köln - Jin-Su Kim ist talentiert, begehrt und wagt mit 22 Jahren bereits den Schritt ins Ausland. Die TSG Hoffenheim verpflichtete vor der Weltmeisterschaft den südkoreanischen Abwehrstar vom japanischen Erstligisten Albirez Niigata. Nun beginnt für den Nationalspieler das Abenteuer Bundesliga. Schüchternheit oder Anpassungsschwierigkeiten sind Fehlanzeige. Im Gegenteil, der Nachfolger von Fabian Johnson verspürt eine "positive Anspannung" - nur das Essen bereitet ihm noch Probleme.

Badischer Sauerbraten, Leberspätzle oder Schäufele - die traditionelle badische Küche ist so gar nicht nach Kims Geschmack. "Das Essen ist gewöhnungsbedürftig - es ist nicht schlecht, aber auch nicht gut", verriet der Verteidiger "achtzehn99.de". Die kulinarische Umstellung wird der Südkoreaner allerdings verschmerzen können, schließlich ist er nicht wegen des Essens in den Kraichgau gewechselt. Jin-Su Kim hat mit seinen 22 Jahren schon einen beachtlichen Aufstieg auf der Karriereleiter hingelegt.

Über die J-League in die Bundesliga

Ausgebildet wurde der Defensivspieler in der Jugend der "Signal High School" und der "Kyun-Hee-Universität". In Südkorea ist der Weg von der Schulmannschaft in den Profi-Bereich Alltag - doch nur die Wenigsten schaffen auch den Sprung ins Ausland. Kim hat es gepackt. 2012 wurde er vom japanischen Erstligisten Albirex Niigata entdeckt, gab im gleichen Jahr bereits sein Profi-Debüt, wo er die vollen 90 Minuten zum Einsatz kam.

Kim entwickelte sich in Niigate zum Führungsspieler. Über eine Kooperation mit dem J-League-Club und der TSG wurde Hoffenheims Manager Alexander Rosen auf den Abwehrspieler aufmerksam. In Kim fand Rosen prompt den Nachfolger für den zu Borussia Mönchengladbach gewechselten Linksverteidiger Fabian Johnson. "Der Wunsch zur Zusammenarbeit wurde auf beiden Seiten umgesetzt. Kim war der Star seiner Mannschaft", sagte der TSG-Manager.

Kim: "Möchte meine Interviews auf Deutsch geben"

Dass für den südkoreanischen Nationalspieler wegen einer Bänderverletzung im Juni der WM-Traum zerplatze, machte Kim anfangs schwer zu schaffen. Der Wechsel zur TSG stimmte ihn dann aber rasch wieder optimistisch: "Ich war niedergeschlagen, enttäuscht und ein wenig traurig, aber ich habe schnell wieder nach vorne geschaut". Die WM-Absage hatte also auch etwas Gutes. Hoffenheims Neuzugang konnte sich in Ruhe auskurieren, um dann möglichst topfit seine neue Aufgabe angehen.

Etwas Zeit braucht Kim allerdings noch, vor allem was seinen körperlichen Zustand angeht: "Bei 100 Prozent bin ich sicher noch nicht, aber ich fühle mich sehr wohl". Die größte Umstellung sei sicher "das sehr hohe Tempo". Doch Kim hat sich vorbereitet, verfolgte die Bundesliga aus dem fernen Japan sehr genau. Zusätzlich informierte er sich bei seinen Nationalmannschaftskollegen Heung-Min Son, Dong-Won Ji und Ja-Cheol Koo.

Die Selbstsicherheit des Südkoreanes kommt gut an, auch sprachlich hat Kim sich hohe Ziele gesetzt. "Nach einem Jahr möchte ich versuchen, meine Interviews auf Deutsch zu geben", prescht das Abwehrtalent vor. Ob er beim kommenden Pokalspiel gegen den USC Paloma sein Debüt feiern wird, steht noch nicht fest. Wenn es nach Kim ginge, dürfte er gerne jetzt schon ran: "Ich habe gute Erinnerungen an mein letztes Pokalspiel in Japan. Da habe ich ein Tor gegen Nagoya geschossen. Das wäre auch am Sonntag nicht schlecht." Es bestehen keine Zweifel: Der selbstbewusste Südkoreaner ist bereits angekommen - wenn auch noch nicht kulinarisch.

Yannik Schmidt