Hoffenheim - Oliver Baumann sagt: „Nö, so etwas habe ich noch nie erlebt. Vielleicht in der D-Jugend mal, aber sonst? Ich kann ich mich jedenfalls nicht erinnern.“ Seit der Torwart im Sommer vom SC Freiburg zur TSG Hoffenheim gewechselt ist, hat sein neuer Klub noch kein Pflichtspiel verloren.

In der Bundesliga stehen durch den hart errungenen 1:0-Erfolg gegen den starken Aufsteiger SC Paderborn nun 17 Punkte in der Statistik. Neun Spiele ohne Niederlage hat Baumann in seiner aktiven Karriere noch nie erlebt. Vereinsübergreifend sind es sogar zehn Spiele ohne Pleite für die Badener - Vereinsrekord in der Bundesliga!

Spitzenspiel in Mönchengladbach

Am Mittwoch kommt Zweitligist FSV Frankfurt zum DFB-Pokalspiel der zweiten Runde. Und am kommenden Sonntag gastiert der Tabellenvierte aus Hoffenheim schließlich vor der Länderspielpause beim punktgleichen Tabellenzweiten Borussia Mönchengladbach – Spitzenspiel!

Doch davor hat Baumann keine Angst, er sagt: "Gegen Mannschaften wie Gladbach kommt die Spannung automatisch. Viel wichtiger ist, dass das auch gegen Paderborn klappt. Die Mannschaft hat das gut gemacht.“ Der zähe Sieg gegen den bissigen Gegner war erst nach dem späten Tor von Kevin Volland perfekt (73.).

Spitzenmannschaft - oder nicht?

Doch die Frage, die alle beschäftigt, lautet nun: Ist die TSG Hoffenheim tatsächlich eine Spitzenmannschaft? Trainer Markus Gisdol stellt sich bei dieser Frage ja immer taub, er will seine Mannschaft immer nur auf die nächste Aufgabe fokussieren, derlei Kategorisierungen nerven ihn. Fakt aber ist: Wieder einmal hat die TSG kein Gegentor bekommen – und wieder hat sie ein enges Spiel gewonnen. In der letzten Saison verlor die TSG oft noch Partien in der Endphase und 70 Gegentore in 34 Spielen waren selbst dem risikofreudigen Gisdol ein paar zu viel.

Nun stimmt die Balance zwischen Offensive und Defensive in Hoffenheims Spiel (aktuelles Torverhältnis 13:7), nur Bayern Gladbach kassierten weniger Gegentreffer bisher. Und selten war den Badenern es so egal, dass das große Spektakel diesmal in den anderen Stadien der Liga zu bestaunen war. Hoffenheim holt Punkte und entwickelt sich leise aber nachhaltig allem Anschein nach zu einem Dauergast in der Ligaspitze.

Gisdol als Warner und Mahner

Torschütze Kevin Volland ließ sich immerhin entlocken: "Diese Spiele musst du gewinnen, wenn du oben dabeibleiben willst.“ Fast erschrocken über so große verbale Offensive fügte er schnell hinzu: "Wir wissen aber, wo wir herkommen.“ Volland will sich den Vollbart, der derzeit sein Gesicht - nun, ja - ziert, erst bei der nächsten Niederlage abrasieren.

Selbstvertrauen ist also genug da in Hoffenheim. Es ist ja nicht so, dass sie in Baden nicht wüssten, welch großes Potenzial ihr Kader hat. Aber der tiefe Fall vor zwei Jahren, der fast mit dem Abstieg bestraft worden wäre, lässt alle demütig bleiben. Darauf achtet Trainer Gisdol wie ein bissiger Wachhund.

Hoffenheim noch nicht am Limit

Gegen Paderborn musste sich die TSG zum Sieg quälen, auch weil der Pfosten drei Mal einem Torjubel im Weg gestanden war. Noch spielt diese Mannschaft nicht ihren besten Fußball, Volland und Schwegler nähern sich nach Verletzungen zum Beispiel erst ihrer Bestform. Oder Firmino: Dem famosen Brasilianer fehlt noch die Effizienz, aber dennoch darf er sich über die Einladung für die Spiele der brasilianischen Nationalmannschaft für die Freundschaftsspiele im November in der Türkei und in Österreich freuen.

Bei der TSG sehen sie Firminos und Vollands Nationalmannschafts-Nominierungen als Bestätigung ihrer Arbeit: "Man kann also auch in Hoffenheim deutscher oder brasilianischer Nationalspieler werden“, sagt TSG-Manager Alexander Rosen stolz. Und weil die TSG mittlerweile eben auch unspektakulär gewinnen kann, müssen sie in Hoffenheim nun die Spitzenelf-Debatte aushalten. Der starke Verteidiger Niklas Süle verspricht schon mal: "Die Tabellenlage ist uns nicht unheimlich.“ Das können sie nächsten Sonntag beim Spitzenspiel in Gladbach beweisen.

Von Tobias Schächter