Sinsheim - Manchmal gibt es Fußballspiele, von denen noch lange nach ihrem Abpfiff gesprochen wird. Dieses irre Spiel am Samstag zwischen der TSG Hoffenheim und dem 1. FC Köln gehört in diese "Weißt du noch“-Romantik, es war nämlich ein Spiel, wie es nur alle fünf Jahre vorkommt: Zum letzten Mal hatten Zuschauer in einem Bundesligastadion das Vergnügen, sechs Tore in einer Halbzeit zu bejubeln vor genau einer halbe Dekade bei der Partie Gladbach gegen Werder (Endstand: 4:3).

An diesem Samstag stand es in der Halbzeitpause zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und dem 1. FC Köln 3:3, am Ende gewann der Aufsteiger aus dem Rheinland in Nordbaden mit 4:3, weil Pawel Olkowski in der torarmen zweiten Halbzeit dann doch noch ein Törchen geglückt ist. Der Pole hatte wie schon bei seinem 1:1-Ausgleich einfach mal draufgehalten - und getroffen.

Köln auswärts eine Macht

Mit diesem spektakulären Erfolg machten die Kölner nicht nur das bittere 0:1 gegen den SC Freiburg in der Vorwoche vergessen. Sie setzten sich auch an die Spitze der Auswärtstabelle der Bundesliga. Und: Sie trafen zum ersten Mal mehr als zwei Mal in einem Ligaspiel in dieser Saison. Und: Sie haben kurz vor Karnevalsbeginn am 11.11. nun das Torverhältnis von 11:11 - so etwas schafft wohl nur der FC Kölle.

In der Halbzeit sah der FC aber wie der künftige Verlierer dieses turbulenten Hin und Hers aus. Die Kölner lagen zwar früh 0:1 zurück (Szalai 3.), führten dann aber 3:1 (Olkowski 5., Lehmann 12., Ujah 35.), bevor Roberto Firmino mit zwei Treffern der Ausgleich für die Hoffenheimer gelang (39., 45.). „Normalerweise gewinnt ein Aufsteiger nach so einem Spielverlauf so ein Spiel nicht mehr“, meinte FC-Trainer Peter Stöger.

Trainingsplan ist karnevalsfreundlich

Aber weil sich die Kölner in der zweiten Halbzeit in der Defensive steigerten und der TSG kaum noch Torchancen gestatteten, gewannen sie am Ende nicht einmal unverdient. „Mein Team war läuferisch und kämpferisch sehr gut, das war ein Sieg der Moral. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft“, erklärte Stöger. „Jetzt können wir Karneval feiern“, freute sich Torschütze Ujah und FC-Sportchef Jörg Schmadtke zeigte, dass er kein kleinlicher Boss ist, er sagte: „Der Trainingsplan ist so strukturiert, dass die Spieler die Möglichkeit haben, aktiv am 11.11. teilzunehmen.“

Nach Karneval ist in Hoffenheim niemand zumute nach der zweiten Pleite in Serie. Die Mannschaft fiel in ihr altes Muster zurück, vorne zwar viele Tore zu schießen, hinten aber auch viele zu bekommen - so wie in der letzten Saison. Doch von einem Spektakel-Rückfall wollte TSG-Trainer Markus Gisdol nichts wissen.

Geschenke verteilt

Seine Mannschaft habe bei den Gegentoren Geschenke verteilt, aber über weite Strecken sehr viel gut gemacht. „Es war ein sehr gutes Spiel meiner Mannschaft“, meinte Gisdol. Doch in der zweiten Halbzeit agierte diese nur noch mit langen Bällen auf den Stürmer Adam Szalai - das war zu einfallslos. Große Torchancen kamen so nicht mehr zustande.

Es wird spannend zu beobachten sein, wie die TSG diesen Rückschlag verkraften wird. Stürmer Kevin Volland meinte, der Stachel sitze tief. Während die Hoffenheimer also mit einem unerwarteten Dämpfer vor dem nächsten Spiel beim FC Bayern zurechtkommen müssen, heißt in Köln die Frage vor der nächsten Begegnung nach der Länderspielpause in zwei Wochen zuhause gegen Hertha BSC Berlin: Wie verkraften die Kölner die Feierlichkeiten zum Karnevalsstart?

Von Tobias Schächter