Sinsheim - Der Saisonstart der TSG 1899 Hoffenheim ist geglückt und damit auch die Generalprobe für das Champions-League-Playoff-Rückspiel am Mittwoch beim FC Liverpool. Hoffenheim gewann durch ein spätes Tor von Andrej Kramaric (84.) gegen den SV Werder Bremen.

"Verdient", wie nicht nur TSG-Trainer Julian Nagelsmann feststellte, sondern auch Werder-Trainer Alexander Nouri. Dass ausgerechnet Kramaric der Siegtreffer gelang, ist eine Pointe: Beim 1:2 im Europapokal-Hinspiel gegen Liverpool vergangenen Dienstag vergab der kroatische Nationalspieler noch einen Elfmeter und damit die Chance beim Stand von 0:0 zur frühen Führung. "Nach diesem Elfmeter war es wichtig, jetzt zu treffen", gab der eingewechselte Kramaric erleichtert zu.

Mit dem Sieg im Rücken reisen die Hoffenheimer nun trotz des Rückstandes voller Selbstvertrauen zu ihrem ersten Europapokal-Auswärtsspiel der Vereinsgeschichte nach England. Gegen Bremen hatten sie das Glück, das ihnen in den entscheidenden Situationen am Dienstag gegen Liverpool noch gefehlt hatte. So wurde der Ball nach Kramarics Schuss noch von Werder Verteidiger Robert Bauer unhaltbar abgefälscht. Aber die Hoffenheimer hatten sich dieses Glück verdient, weil sie dominant und geduldig bis zum Abpfiff blieben. Und weil sie in der zweiten Halbzeit auch keine einzige Konterchance des Gegners zuließen. Der erneut starke Innenverteidiger Kevin Vogt sprach nach dem Erfolg gegen Bremen über die kommende Bundesligasaison und über die Chancen im Rückspiel gegen Liverpool.

Frage: Herr Vogt, wie bewerten Sie den Sieg?

Vogt: Großes Kompliment an die Mannschaft: Wir haben absolut verdient gewonnen und 90 Minuten sehr diszipliniert gespielt und uns das Leben nicht unnötig schwer gemacht. Und wir haben gegen einen sehr tief spielenden Gegner auch in der zweiten Halbzeit einige Torchancen herausgespielt, die wir haben liegen lassen - das Tor war dann überfällig. In der zweiten Halbzeit ließen wir keinen einzigen Konter der Bremer zu, weil wir von vorne bis hinten eine hervorragende Vorwärtsverteidigung zeigten.

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Frage: Wie wichtig ist dieser Sieg nach einem Geduldspiel, Hoffenheim wird ja noch öfter viel Ballbesitz haben in der Saison?

Vogt: Das ist sehr wichtig, weil es nicht der letzte Gegner in dieser Runde gewesen sein wird, der tief steht und auf Konter lauert. Für uns ist das ungewohnt im Vergleich zur letzten Saison, darauf müssen wir uns einstellen. Aber wenn uns das so gelingt wie gegen Bremen, bin ich sehr guter Dinge.

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Frage: Sie sagten, die Mannschaft hätte es sich nicht schwer gemacht, aber wenn Kerem Demirbay seine große Chance nach fünf Minuten nutzt, dann wird es einfacher. Ist die mangelnde Chancenverwertung im Moment so ein bisschen das Manko?

Vogt: Das ist ein Argument. Natürlich geht es leichter, wenn wir die erste Möglichkeit nutzen. Mit so einem Dosenöffner läuft das Spiel vielleicht ein bisschen ruhiger und wir können uns das ein oder andere Korn sparen. Aber es ist doch so: Wir werden auch in Zukunft nicht jede Chance nutzen.

Frage: In den ersten drei Pflichtspielen kamen 19 Spieler in der Startelf zum Einsatz, was bedeutet das über die Saison gesehen, auch im Hinblick auf die Belastung in drei Wettbewerben?

Vogt: Das bedeutet, dass wir variabel sind. Und es zeugt von großer Qualität in der Breite des Kaders. Diesmal hat man ja gesehen: Wenn zwei Stürmer ausgewechselt werden (Adam Szalai und Mark Uth; die Redaktion), dann kommen zwei neue mit unglaublicher Qualität rein (Serge Gnabry und Andrej Kramaric, die Redaktion), das gibt natürlich Selbstvertrauen über die Saison gesehen. Über Belastung rede ich ungern, weil ich mich auf die Aufgaben in den drei Wettbewerben freue. Wir sollten das eher mit einem Lächeln angehen, als uns über die Belastung zu beschweren.

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Frage: Was nehmen Sie nun mit nach Liverpool?

Vogt: Wir haben gegen Bremen ein gutes Spiel gemacht und auch gegen Liverpool. Ich glaube, es steht außer Frage, dass wir in der Lage sind, zwei Tore zu schießen. Wir werden auch in Liverpool mit breiter Brust auflaufen und alles in die Waagschale werfen, damit wir das noch drehen.

Frage: In der vergangenen Saison spielte Sebastian Rudy vor seinem Wechsel im Sommer zum FC Bayern München vor der Abwehr im zentralen Mittelfeld, nun in Routinier Eugen Polanski, Offensivspieler Kerem Demirbay und dem jungen Dennis Geiger drei verschiedene Spieler in drei Spielen. Klappt ja trotzdem, oder?

Vogt: An dieser Stelle will ich sagen: Ich habe Dennis zu einem sehr guten Bundesligaspiel gratuliert. Er hat das super gemacht auf dieser wichtigen Position, fast schon routiniert. Großes Lob für sein erstes Bundesligaspiel.

Aufgezeichnet in Sinsheim von Tobias Schächter