Zusammenfassung

  • Endspurt mit neun Spielen ohne Niederlage bringt die TSG nach oben.
  • Zahlreiche Spieler haben sich im Saisonverlauf enorm gesteigert.
  • Auch zwischenzeitliche Schwächephase kann Hoffenheim nicht stoppen.

Hoffenheim - Auch Dietmar Hopp hatte schnell jenes T-Shirt übergestreift, auf dem "#Königsklasse" zu lesen stand. Der Gesellschafter der TSG 1899 Hoffenheim war am Samstagnachmittag erster Fan seines Clubs, der nach dem 3:1 gegen Borussia Dortmund zum ersten Mal in der Clubgeschichte in der kommenden Saison in der Gruppenphase der Champions-League starten wird. "Hoffe" gegen Messi und Barcelona oder Ronaldo und Real Madrid - Hopp war begeistert von den Aussichten und sagte: "Das ist das fünfte, oder sechste Hoffenheim-Wunder. Unglaublich." Dann ging der 78-Jährige zu den Helden in die Kabine und stimmte ein "Zicke, Zacke" an.

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Danach feierte die Mannschaft weiter mit den Fans auf dem Rasen. Rührige Szenen spielten sich nach dem Schlusspfiff ab, die Anhänger stürmten auf den Platz und begaben sich auf Selfie-Jagd mit den Spielern und Trainer Julian Nagelsmann. Tränen der Freude kullerten, auch aus den Augen von Nadiem Amiri, der aus der eigenen Jugendakademie der Hoffenheimer stammt: "Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen", sagte der junge Mittelfeldspieler gerührt, bevor er auf dem Zaun den Einpeitscher gab.

Video: Nagelsmann führt die TSG zum Höhenflug

Platz 3 ist der größte Erfolg in der Clubgeschichte

Hoffenheim spielt in der Champions League! Als Tabellendritter! Damit toppt die Mannschaft von Trainer Nagelsmann noch den Erfolg der vergangenen Saison, als die TSG Vierter wurde und dann in der Champions-League-Qualifikation am FC Liverpool scheiterte. "Es ist etwas absolut Historisches. Ich muss ab und zu auf die Brust schauen, wie das Logo aussieht. Dieser Club ist Dritter. Und das ist mehr als historisch", sagte Nagelsmann auf der offiziellen Pressekonferenz, die von den Spielern der TSG gestürmt wurde. Nagelsmann musste eine Bierdusche über sich ergehen lassen, aber das war egal: Auch er feierte ausgelassen.

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Wer vor drei Monaten gesagt hätte, dass Hoffenheim als Tabellendritter in die Champions League einziehen werde, wäre als Fantast verspottet worden. Nun aber ist es Realität. Nach einem müden 1:1 am 24. Spiektag gegen den Sport-Club Freiburg schien die Mannschaft im Mittelmaß der Tabelle verhaftet zu bleiben. Aber der unnachgiebig optimistische Trainer schaffte die Wende. Zuletzt gab es nur eine Niederlage in elf Spielen, der erste Matchball für die Champions League vergangene Woche ging beim 0:2 in Stuttgart noch daneben. Nun aber gelang der Triumph vor heimischem Publikum gegen Dortmund, das in der Tabelle nun sogar noch überholt wurde.

Adam Szalai erzielt das 2:1 und führt die TSG damit auf die Siegerstraße
Adam Szalai erzielt das 2:1 und führt die TSG damit auf die Siegerstraße © imago

Adam Szalai: "Wir stehen zurecht da oben"

"Nach dem Abpfiff war das die pure Freude, schwer in Worte zu fassen. Es nach dem zwischenzeitlichen 1:1 trotzdem noch zu schaffen, gegen Dortmund, die eine riesige Qualität nach vorne haben, ist nicht selbstverständlich. Die größte Freude ist es aber, die Leute hier so ausrasten zu sehen", sagte ein überglücklicher Adam Szalai, der das 2:1 erzielt hatte. Der Sturmtank aus Ungarn stellte klar: "Wer nach 34 Spieltagen auf dem dritten Platz steht, steht verdient da."

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Es war eine Saison mit einem großen Ende, aber auch mit zwischenzeitlichen Tiefen. Das Aus nach der Gruppenphase in der Europa League war enttäuschend, auch der Trainer stand in der Kritik. Aber Nagelsmann ist keiner, der jammert, sondern einer, der anpackt. Nie hat er sich über die Weggänge der Nationalspieler Niklas Süle, Sebastian Rudy (beide im Sommer zum FC Bayern München) und Sandro Wagner (im Winter zu den Bayern) öffentlich beschwert. Und nie hat er seine mutige Herangehensweise aufgegeben. Spieler, die in der Vorrunde noch im Formtief waren, fanden wieder heraus: So wie Andrej Kramaric, der eine überragende Rückrunde spielte und auch gegen Dortmund traf - und Szalais Tor vorbereitete.

Julian Nagelsmann ist am Ziel: Er hat die TSG auf Platz 3 der Bundesliga geführt
Julian Nagelsmann ist am Ziel: Er hat die TSG auf Platz 3 der Bundesliga geführt © imago

Nagelsmann hat viele Spieler besser gemacht

Hoffenheim ist glückselig, die Einnahmen aus der Champions League hieven den Club auf ein neues Niveau, auch auf dem Transfermarkt. Trotzdem verlassen die Stürmer Serge Gnabry (Bayern) und Mark Uth (Schalke) den Club. Nagelsmann versprach schon mal, dass die TSG wieder eine schlagkräftige Truppe aufstellen werde. Auch in dieser Saison brachte er viele Spieler auf hohes Bundesliga-Niveau, die Abwehrspieler Stefan Posch oder Kevin Akpoguma zum Beispiel. Nico Schulz überzeugte zuletzt als einer der besten Linksverteidiger der Liga, Florian Grillitsch entwickelte sich von einem zaudernden Achter zu einem zupackenden Sechser.

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Hoffenheim und ihr Trainer haben sich aus der Kritik befreit und wie entfesselt am Ende etwas Großes geschaffen, das ewig bleiben wird in der Geschichte der TSG Hoffenheim. Die Feier Samstagnacht in Heidelberg soll dem Vernehmen nach sehr feucht-fröhlich ausgefallen sein. Wer könnte das den Hoffenheimern verdenken?

Von Tobias Schächter