Bremen - Und dann lagen sie sich doch in den Armen, und zumindest mittelfristig gab es für die Bremer Profis einen Grund zum Jubeln. Denn der verwandelte Elfmeter von Aaron Hunt gegen Kaiserslautern beendete eine aktuelle Mini-Durststrecke und macht den Hanseaten Mut, dass sich auch die übrigen Problemzonen bald wieder auflösen.

Kapitän Torsten Frings war von jeher eine Bank. 20 Elfmeter hatte der Bremer "Leitwolf" gleich in Folge versenkt, seine Quote war so perfekt wie furchteinflößend. Da aber jede Serie irgendwann reißen muss und Frings zuletzt zwei Strafstöße nicht mehr verwandelte, nahm der 34-Jährige vor einer Woche Aaron Hunt zur Seite und sagte ihm: "Den nächsten Elfer schießt du."

Hunt eiskalt

Das Vertrauen des Kapitäns gab Hunt vielleicht den nötigen Schubs zur rechten Zeit, denn Werders kreativer Offensivakteur lief seiner Form in den letzten Partien ein wenig hinterher. Hunt hatte sich von der allgemeinen Verunsicherung der Mannschaft wohl etwas anstecken lassen, die oft einkehrt, wenn es mal nicht wie erwartet läuft.

Doch als Hunt in der 34. Spielminute den Punkt ansteuerte, nachdem Marko Marin vom Lauterer Mathias Abel im Strafraum gefoult wurde, war nichts von Nervosität beim Schützen zu erkennen. Hunt lief an und besorgte den Ausgleich für die Bremer. Frings war der erste Gratulant und zumindest dieser Knoten schien geplatzt - für den "kleinen Elfmeter-Fluch" und für Hunt selbst.

Keine Rede vom Abstiegskampf

Dass es am Ende doch nicht für den Sieg reichte, auf den die Werderaner so sehr gehofft hatten, schmerzte sie, hatten sie sich unter der Woche im Training doch voll reingehängt. "Wir wollten unbedingt gewinnen, um wenigstens den Anschluss nach oben zu halten", sagte Hunt zwar enttäuscht, doch Trübsal wollte er keineswegs blasen.

Auch nicht, da Werder nun auf Tabellenplatz 14 überwintert. "Nein, wir sind nicht im Abstiegskampf und wollen damit auch nichts zu tun haben", betonte Hunt fast trotzig und Marin pflichtete ihm ebenso selbstsicher bei: "Das ist kein Abstiegskampf."

"Vorne haben wir nicht die nötige Durchschlagskraft"

Dass sich der Dritte der letzten Saison so kämpferisch äußerte, dürfte Trainer Thomas Schaaf gefreut haben, der auch am liebsten sofort und ohne Winterpause weiterspielen würde.

"Dann könnte man sich weiter behaupten, sich der Situation stellen und weiter Punkte sammeln", sagte Schaaf. Das wollte er mit seiner Elf auch gegen den Aufsteiger aus der Pfalz, doch der Plan missglückte. Den Grund dafür erkannte Geschäftsführer Klaus Allofs: "Vorne haben wir nicht die nötige Durchschlagskraft." Es ist das leidige Thema der Bremer in dieser Saison - der stete Ausfall ihrer Leistungsträger. Im letzten Champions-League-Gruppenspiel gegen Tottenham fehlte Werder eine komplette Elf.

Innenverteidiger Naldo hat bereits die gesamte Hinrunde verpasst und Topstürmer Claudio Pizarro lag laut Allofs "mehr auf der Pritsche, als dass er gespielt hätte". Der Peruaner ist es, der normalerweise den Unterschied bei den Bremern ausmacht. "Claudio hätte heute bestimmt ein Tor gemacht", ist sich auch Hunt sicher.

Hoffen auf die Rückkehrer

Daher ist den Hanseaten die kurze Winterpause doch ganz recht, damit sich das Lazarett endlich wieder lichtet. Denn auch Tim Borowski und Sebastian Boenisch fehlen lange, ebenso Neuzugang Wesley.

"Wenn die Verletzten zurückkommen, dann haben wir auch wieder mehr Möglichkeiten", betonte Hunt und daher sieht Allofs eigentlich keinen Bedarf, in der Winterpause große Neueinkäufe zu tätigen. Der Kader sei stark genug, um das ausgegebene Ziel - die internationalen Ränge - noch zu erreichen. "Man darf ja auch nicht vergessen", ergänzte Allofs, "dass wir einige Spieler dabei haben, die ihren Beruf noch gar nicht zu Ende gelernt haben und in der Ausbildungsphase sind. Die müssen wir möglichst schnell weiter verbessern."

Gemeint sind Profis aus dem U23-Kader der Bremer, wie Dominik Schmidt, Felix Kroos oder Lennart Thy, die aufgrund der Verletztenlage nachrückten und ihre Sache gut machten. Besonders Außenverteidiger Schmidt weckt große Hoffnung. Und so hat die Niederlage zum Abschluss auch bei den übrigen Bremern die "Jetzt erst recht"-Einstellung entfacht, mit der sie das Weserstadion am Samstag in Richtung Weihnachtsurlaub verließen.

Petra Philippsen