München - Am meisten haben sich die Spieler von Borussia Dortmund am Sonntagabend über sich selbst geärgert. Während die Bayern-Stars im Konfetti-Regen den Supercup-Sieg feierten, gaben sich die Stars des Meisters gegenüber den Journalisten trotzig. Unnötig sei die Pleite gewesen, aber nicht schlimm. Außerdem selbstverschuldet, weil man die Anfangsphase verschlafen habe. Dass die Siegesserie gegen die Bayern gerissen ist? Geschenkt! Das behaupteten die Mannen von Jürgen Klopp zumindest unisono.

"Das erschüttert uns absolut nicht", sagte etwa Torhüter Roman Weidenfeller. Und Mats Hummels meinte: "Mir ist es lieber, wir verlieren in der Vorbereitung als während der Saison." Dass das 1:2 nach fünf Siegen in Folge gegen die Münchner trotzdem wurmte, war an den Mienen der BVB-Stars abzulesen. Schlaflose Nächte werde ihm die Niederlage trotzdem nicht bereiten, erklärte Hummels.

Üble Abwehrpatzer in der Anfangsphase



Geschlafen hatten die Dortmunder in der Anfangsphase der Partie ohnehin genug. Und die Bayern um den glänzend aufgelegten Mario Mandzukicnutzten das humorlos aus. In der 6. Minute ließ die BVB-Innenverteidigung Franck Ribery beim finalen Pass sträflich viel Platz, wovon Mandzukic profitierte.

Fünf Minuten später ließ sich die weit aufgerückte schwarz-gelbe Hintermannschaft nach einer eigenen Ecke auskontern. Thomas Müller vollendete schließlich nach Vorarbeit von Arjen Robben. BVB-Coach Klopp erkannte ganz offen an: "In der Anfangsphase war uns der FC Bayern haushochüberlegen." Kopfschüttelnd und mit grimmigem Gesichtsausdruck beobachtete er am Spielfeldrand die erste halbe Stunde.

Zwei Wochen vor Saisonstart fehlte in der Rückwärtsbewegung die Abstimmung gegen die aggressiv angreifenden Münchner. Im defensiven Mittelfeld vermissten die Dortmunder die verletzten Strategen Sebastian Kehl und Sven Bender schmerzlich. Nachwuchstalent Moritz Leitner und Ilkay Gündogan fanden in der ersten Hälfte keinen Zugriff in den Zweikämpfen und keinen Zugang in der Spieleröffnung. Rasanter Kombinationsfußball wie in der Vorsaison? Fehlanzeige. Zumindest defensiv fingen sich die Westfalen nach einer Viertelstunde.

BVB kommt erst am Ende ins Rollen



Erst ein Doppelwechsel in Hälfte 2 brachte Besserung im Offensivspiel: Mario Götze kam für Moritz Leitner, Ivan Perisic ersetzte Kevin Großkreutz. Plötzlich zeigten die Dortmunder, dass sie es doch noch können. Das Duo Götze/Reus harmonierte in der Offensive prächtig - und schürte bei Fans und Verantwortlichen die Hoffnung auf mehr. Im Mittelfeld profitierten die Gäste davon, dass den Bayern nach und nach die Luft ausging.

"Da haben wir gezeigt, wie es anders geht", stellte Reus fest, "da sind wir vorne draufgegangen und haben uns Chancen herausgespielt."

Mehr als der Anschlusstreffer durch Robert Lewandowski sprang allerdings nicht heraus - obwohl die Chancen am Ende zahlreich waren. "Wir waren nah dran, die Bayern zu knacken, obwohl sie zwei Tore Vorsprung hatten", sagte Keeper Weidenfeller. So überwog am Ende ein positiver Eindruck, ehe sich die Mannschaft in alle Richtungen zerstreute.

Erst Länderspiel dann Pokal



Neven Subotic, Mitchell Langerak und Perisic, die drei Polen Lewandowski, Piszczek und Blaszczykowski übernachteten ebenso wie Hummels, Gündogan und Leitner München von wo sie zu ihren Nationalmannschaften reisten. Marcel Schmelzer, Götze und Reus flogen zurück nach Dortmund und fuhren am Vormittag mit dem Auto nach Frankfurt, wo sie mit der Nationalelf am Mittwochabend auf Argentinien treffen.

Am kommenden Samstag steht dann die erste Pokalrunde beim FC Oberneuland auf dem Programm. Der Regionalligist darf dann wohl mit Gästen rechnen, die von Beginn an hellwach auftreten.

Aus der Allianz Arena berichtet Andreas Messmer