Bayer Leverkusen muss am Sonntag bei Werder Bremen (ab 17 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) die Tabellenführung verteidigen. "Werkself"-Trainer Jupp Heynckes steht im Vorfeld Rede und Antwort.

Frage: Herr Heynckes, wie beurteilen Sie die 0:1-Niederlage der Bremer bei Twente Enschede und welche Auswirkungen könnte das Ergebnis auf die Partie am Sonntag haben?

Jupp Heynckes: Ich habe mir das Spiel selbstverständlich angeschaut. Es ist zwar nicht gerade positiv, wenn man auswärts zu Null verliert, aber es gibt ja kommende Woche Donnerstag noch das Rückspiel. Werder hat zu Hause alle Möglichkeiten weiterzukommen. Die erste Halbzeit gegen Twente haben sie ganz klar bestimmt, waren die bessere und reifere Mannschaft mit einer sehr guten Organisation. Insgesamt haben sie es dennoch nicht verstanden ihre Möglichkeiten zu nutzen. Trotzdem gehe ich davon aus, dass sie es kommende Woche besser machen werden.

Frage: Der Statistik nach zu urteilen ist die Reise Ihrer Mannschaft an die Weser wenig erfolgversprechend. Als Trainer konnten Sie Thomas Schaaf noch nie bezwingen…

Heynckes: Wissen Sie, ich gebe nicht so viel auf Statistiken. Ich weiß momentan nicht nur, dass wir die erste Tabellenposition inne haben, sondern auch, dass wir in dieser Saison sehr konstant guten Fußball bieten können. Die Mannschaft hat sich in den letzten Monaten immer weiterentwickelt und deswegen fahren wir auch sehr selbstbewusst nach Bremen. Wir wollen dort gewinnen, das ist doch ganz klar. Obwohl wir natürlich auch registriert haben, dass Werder die Talsohle durchschritten hat und sich wieder im Aufwind befindet. Man sieht, dass die Automatismen wieder greifen, Werder einen gepflegten und wunderbaren Fußball spielen kann. Das erschwert unsere Aufgabe natürlich ungemein. Nichts desto Trotz wollen wir die Tabellenspitze verteidigen und gewinnen.

Frage: Und wie schwer wiegt in diesem Zusammenhang die Sperre Ihres Abwehrchefs Sami Hyypiä?

Heynckes: Der Ausfall von Hyypiä kommt natürlich nicht zum richtigen Zeitpunkt, aber ich denke, dass wir auch das kompensieren können. Gerade auch weil die Mannschaft insgesamt an gutem Defensiv-Verhalten dazugelernt hat. Dennoch, Sami hat in dieser Saison überragende Leistungen abgerufen und sich nahtlos in unser Spielsystem eingefügt. Er ist ein erfahrener Profi, der auf höchstem Niveau zehn Jahre in Liverpool gespielt hat. Wir wissen um die Stärke von Werder, aber ich denke, dass es sich auch herumgesprochen hat, dass Bayer 04 eine sehr gute Mannschaft ist und wir uns anders präsentieren, als vielleicht in den vergangenen Spielzeiten.

Frage: Würden Sie trotz 14 Punkten Unterschied zwischen Bayer und Werder von einem Duell auf Augenhöhe sprechen?

Heynckes: Ja, absolut, denn wir müssen eines berücksichtigen: Wenn eine Mannschaft wie Werder jahrelang auf mehreren Hochzeiten tanzt, also immer im Europapokal, fast immer im DFB-Pokalhalbfinale oder gar Finale steht und zahlreiche Nationalspieler hat, dann ist es auch nicht verwunderlich, dass man eine schlechte Phase durchlebt, wie sie Werder in diesem Jahr gehabt hat. Es ist für einen Trainer schwierig diesen Kräfteverschleiß aufzufangen. Das müssen auch wir in der nächsten Saison versuchen zu vermeiden. Man muss einen qualitativ breiteren Kader haben, um auch drei Spiele in einer Woche zu absolvieren, ohne dass dort ein Kräfteverschleiß erkennbar ist. Nicht zuletzt ist Werder auf Augenhöhe, weil sie in den letzten Jahren mit Bayern München im Grunde genommen das Geschehen in der Bundesliga diktiert haben.


Das ausführliche Interview finden Sie auf der Webseite von Werder Bremen.