Zusammenfassung

  • Lange Zeit hielt der Hamburger SV das Spiel gegen den FC Bayern offen.

  • In Unterzahl erspielte sich der HSV seine beste Torchance.

  • Andre Hahn optimistisch für das nächste Spiel in Berlin.

Hamburg - Auch im 16. Bundesliga in Folge konnte der Hamburger Sportverein gegen den FC Bayern München nicht gewinnen. Mit 0:1 unterlagen die Hanseaten gegen den Rekordmeister und bleiben seit sieben Spielen sieglos. Trotzdem war diese Partie ein Schritt nach vorne. Vor allem bei den arg gebeutelten eigenen Fans gewannen die Hamburger viel Kredit zurück.

Kurz vor Beginn der Partie enthüllten die treuen HSV-Fans auf der Nordtribüne des mit 57000 Zuschauern ausverkauften Volksparkstadion ein Plakat auf dem Folgendes stand: „Heut' den Streber schikanieren und dann langsam die Spitze wieder anvisieren.“ Zumindest den ersten Teil des Satzes konnten die Hamburger ihren Fans am Samstagabend erfüllen, denn die Bayern taten sich bis zum Platzverweis von Gideon Jung in der 39. Minute sehr schwer und hatten in der ersten Hälfte nicht eine richtig gefährliche Torchance.

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"Es fühlt sich extrem bitter an, weil wir bis zu der Roten Karte ein klasse Spiel gemacht haben. Leidenschaftlich und als Team war es dennoch ein guter Auftritt. Jedem muss klar sein, dass es nur so geht und wir keinen Prozentpunkt nachlassen dürfen", erklärte Dennis Diekmeier, der gegen die Bayern rechts in der neuformierten Fünferkette eine gute Partie machte.

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In Unterzahl mit bester Torchance

Aufgrund der früheren hohen Niederlagen gegen die Bayern (z.B. 2:9/0:8/0:8) könnte man etwas ketzerisch meinen, dass eine 0:1-Pleite gegen das Heynckes-Team ein erträgliches Ergebnis sei, doch weit gefehlt, denn nach dem Spiel waren die Hamburger sehr enttäuscht und niedergeschlagen. „Leider stehen wir wieder hier und müssen darüber reden, dass wir gut gespielt und nicht gepunktet haben. Wir haben alles reingehauen und gerade in der ersten Halbzeit wenig zugelassen“, sagte Andre Hahn, der beim HSV der gefährlichste Akteur war und mit seinem Schlenzer kurz nach dem 0:1 fast den Ausgleich erzielt hätte. Die beste Torchance des Spiels erarbeiteten sich die Hamburger in Unterzahl, auch das zeigt die tolle Moral der Mannschaft und dass es trotz der Ergebniskrise wieder leicht aufwärts geht. Die Bayern mussten selbst mit einem Mann mehr bis zum Schlusspfiff um den Sieg zittern.

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HSV-Leistung: Lob von Heynckes

Lob gab es auch vom gegnerischen Trainer Heynckes: "Für mich war schon im Vorfeld klar, dass es ein schwieriges Spiel für meine Mannschaft werden würde. Wir haben in der ersten Halbzeit aus meiner Sicht zu behäbig gespielt und keinen richtigen Rhythmus gefunden. Und dann hat man es natürlich gegen eine HSV-Mannschaft schwer, die für mich heute eine überragende kämpferische Leistung gebracht hat. Wir mussten bis zur letzten Sekunde zittern, weil der HSV nie aufgegeben, sondern immer versucht hat, den Ausgleichstreffer zu erzielen. Deswegen sind wir natürlich froh über die drei Punkte."

Rückendeckung von den eigenen Fans

Auch die HSV-Anhänger zollten ihrer Mannschaft nach der knappen Niederlage großen Respekt und applaudierten ihrem Team nach dem Schlusspfiff. Bis in die Nachspielzeit hinein hatten die Hamburger in Unterzahl spielend die Partie gegen den schier übermächtigen Gegner offen gehalten. Mit ein wenig mehr Glück hätte der HSV sogar einen Punkt ergattern können. "Es tut weh, dass wir nach dieser guten Leistung heute keine Punkte mitnehmen konnten," ärgerte sich Trainer Markus Gisdol.

>>> Zum Interview mit Markus Gisdol

Trotz der ansprechenden Leistung gegen den Rekordmeister blieb am Ende wieder nichts Zählbares für den HSV über. Aus den letzten sieben Spielen holten die Hanseaten nur einen einzigen Punkt (0:0-Remis im Nordderby). Zudem stellte der HSV einen neuen negativen Vereinsrekord auf, denn die Rothosen blieben im vierten Heimspiel in Folge ohne eigenen Treffer. Der letzte Torschütze des HSV im eigenen Stadion war der aktuell verletzte Nicolai Müller beim 1:0-Heimsieg am 1. Spieltag gegen den FC Augsburg.

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Mit Herz und Leidenschaft nach Berlin

Für den Hamburger SV geht es nun am kommenden 10. Spieltag zur Berliner Hertha. Vor der Länderspielpause hat der HSV dann noch Anfang November den VfB Stuttgart zu Gast. Andre Hahn glaubt, dass der HSV im Olympiastadion die Wende zum Guten schaffen kann. "Wenn wir mit so viel Herz und Leidenschaft in Berlin auftreten und wieder solche Fans im Rücken haben, die uns heute grandios unterstützt haben, bin ich sehr positiv gestimmt."

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage