Paderborn - Der SC Freiburg hat sich schon vor der Saison auf Abstiegskampf eingestellt. Intern überrascht es also niemanden, dass man im letzten Tabellendrittel feststeckt. Sorgen machen hingegen die späten Gegentore und die Personalsituation im Angriff.

Wie ein begossener Pudel schlurfte Roman Bürki in Richtung Gästekurve, wo er mit aufmunterndem Applaus empfangen wurde. Schließlich hatte es lange Zeit so ausgesehen, als würde der SC als Sieger vom Platz gehen, erst in der 89. Minute glich Elias Kachunga das Elfmetertor von Vladimir Darida aus (18.).

Fatalerweise stand beim Last-minute-Ausgleich der Westfalen allerdings ausgerechnet der Mann im Mittelpunkt, der am Samstag mal wieder Freiburgs bester Spieler war. Doch dann unterlief Bürki der Lapsus, der zum 1:1-Endstand führte: Beim Versuch, eine Flanke abzulaufen, stürmte er aus dem Tor und säbelte über den Ball, der so zur Vorlage für Kachunga geriet. "Ich fühle mich, als hätten wir das Spiel verloren", sagte Bürki.

Defensivtaktik brachte Erfolg

Das Ergebnis war allerdings aus Freiburger Sicht eher glücklich. Zu offensichtlich war die Überlegenheit der Paderborner, die sich in beeindruckenden Zahlen niederschlug: 65 Prozent Ballbesitz hatten die Ostwestfalen, 65 Prozent gewonnene Zweikämpfe und eine Quote von 24 zu 4 Torschüssen. Die defensive Grundausrichtung, die der SC in den letzten Spielen auswärts an den Tag legte, ist allerdings auch das Ergebnis eines Lernprozesses. Zu Beginn der Saison spielte der SC häufig ansehnlich, verlor aber in schöner Regelmäßigkeit. Nun läuft es zumindest auswärts besser, wie die Siege in Köln und bei 1860 München im Pokal beweisen.

Und doch wirft das Renis in Paderborn Fragen auf. Schließlich ist es kein Ruhmesblatt, wenn ein Verein, der seit Jahren in der Bundesliga spielt, auswärts bei einem Aufsteiger so ängstlich auftritt wie der SC und am Ende heilfroh ist, mit einem Punkt ergattert zu haben. Oder ist derzeit einfach nicht mehr drin, weil das Team, wenn es offensiver agiert, Gefahr läuft, die Balance zu verlieren und sich auskontern zu lassen wie beim 1:4 in der Vorwoche? So scheint es zumindest SC-Trainer Christian Streich zu sehen, der betont, dass der Klassenerhalt auch in dieser Saison das Ziel sei und man den meisten Liga-Konkurrenten auch in puncto individuelle Qualität unterlegen ist. Was im Übrigen auch keine Schutzbehauptung ist, schließlich gehört der Freiburger Etat zu den drei niedrigsten der Liga. Auch gemessen daran schlägt sich  der SC bislang ganz ordentlich.

Probleme liegen im Angriff

Zumal sich die Probleme im Freiburger Kader klar eingrenzen lassen: Im Tor ist der SC mit Roman Bürki hochzufrieden. Der Schweizer ist ein moderner, fußballerisch starker Keeper, der Oliver Baumann vergessen ließ. Auch die Abwehr von gelegentlichen Wacklern vor allem auf der rechten Außenbahn abgesehen, gut besetzt: 21 Gegentore sind für ein Team aus dem unteren Tabellendrittel ein akzeptabler Wert. Auch das Mittelfeld ist bundesligatauglich besetzt, Nicolas Höfler und Vladimir Darida harmonieren gut in der Zentrale, Felix Klaus und Jonathan Schmid haben auf der Außenbahn noch Luft nach oben, zeigen aber immer wieder auch starke Spiele. Umso größer ist die Baustelle im Sturm, wo alle potenziellen Partner für Admir Mehmedi enttäuschen und weder Karim Guédé, noch Daniel Schahin noch Sebastian Freis oder Philipp Zulechner nachweisen konnten, dass sie in der ersten Liga bestehen können.

Es ist daher alles andere als unwahrscheinlich, dass der SC hier im Winter nachlegen wird. Weiter will sich Christian Streich ("Wir schauen uns natürlich um") allerdings nicht in die Karten schauen lassen. Ein weit größeres Problem als Defizite in einzelnen Mannschaftsteilen sind allerdings zunehmend die späten Gegentore. Gegen Hertha, Hoffenheim und Mainz führte der SC bis Sekunden vor Abpfiff, musste dann aber noch jeweils einen Gegentreffer hinnehmen – wie nun auch in Paderborn. Nicht auszudenken, wo der SC stünde, wäre er in den letzten Spielminuten etwas konzentrierter zu Werke gegangen.

Christoph Ruf