München - Mit Rückendwind aus der Champions League in die Bundesliga? Der Deutsche Meister Borussia Dortmund peilt nach dem 1:0 gegen Ajax Amsterdam am Samstag (ab 15:00 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) gegen den punktlosen Hamburger SV seinen ersten Auswärtssieg an, während auf Valencia-Bezwinger Bayern München beim in Piräus erfolgreichen Schalke 04 der erste echte Härtetest in der Bundesliga wartet.

Stark sind sowohl Schalke 04 als auch Bayern München in die Saison gestartet: Schalke, das in der Champions League bei Olympiakos Piräus 2:1 siegte, hat nur zwei Punkte abgegeben, Bayern alle fünf Pflichtspiele gewonnen und mit neun Punkten und 12:2 Toren in der Bundesliga sogar den Rekord von Borussia Dortmund aus der Saison 1994/95 eingestellt.

Viele Jahre lang tat sich der FC Bayern schwer in der Schalker Veltins-Arena, schaffte in den ersten sieben Spielen seit dem Umzug aus dem Parkstadion bei einem Torverhältnis von 4:14 nur zwei Unentschieden - von den letzten sechs Begegnungen in Gelsenkirchen gewann der Rekordmeister jedoch fünf (Torverhältnis 8:4).

Stevens: "Bayern Titelkandidat Nummer eins"



Schalkes Trainer Huub Stevens war zuletzt im Januar 2002 für die "Knappen" in einem Heimspiel gegen die Münchener verantwortlich, trotz des damaligen 5:1 warnt er: "Wir wissen, dass wir gegen den Titelkandidaten Nummer eins spielen." Der 58 Jahre alte Holländer schätzt Bayern in dieser Spielzeit besonders stark ein, der FCB sei "im Umschaltspiel schneller" und spiele "mit deutlich mehr Pressing."

Der erfolgreiche Start in die Saison habe der Schalker Mannschaft Selbstvertrauen gegeben, noch suche sein Team aber Stabilität, meint Stevens, "wir aber noch einige Schwankungen in unserem Spiel".

Mittelfeldrackerer Jermaine Jones und Torjäger Klaas-Jan Huntelaar waren zuletzt angeschlagen, dürften aber einsatzfähig sein, nachdem sie das Abschlusstraining am Freitag beschwerdefrei absolvierten. Der erkältete Offensivspieler Chinedu Obasi fällt wahrscheinlich aus, definitiv fehlen die verletzten Timo Hildebrand und Ciprian Marica.

Heynckes lässt wohl wieder rotieren



Vergangene Saison siegte Bayern in beiden Partien mit 2:0. Trainer Jupp Heynckes, zwischen 2003 und 2004 selbst verantwortlich für die Gelsenkirchener, lobt aber ihre Entwicklung: "Schalke harmoniert gut, hat sehr gute Typen und ist mutig - ganz anders als die letzten zwei Jahre."

Der 65-Jährige hat angekündigt, wie in der Partie gegen Valencia einige Wechsel in der Startelf vorzunehmen, nannte aber keine Namen: "Der Kader bietet mir viele Optionen." Kapitän Philipp Lahm erwartet ein "Spiel auf Augenhöhe", schließlich seien die Schalker "einer der Mitfavoriten auf die Meisterschaft".

Die längere Zeit verletzten Linksverteidiger David Alaba und Diego Contento haben das Lauftraining aufgenommen, fallen aber wie Stürmer Mario Gomez noch aus. Ansonsten dürften den Bayern alle Spieler zur Verfügung stehen, denn Franck Ribery wird seine Oberschenkelprobleme bis zum Anpfiff voraussichtlich überwunden haben.



Schiedsrichteransetzungen

Auf der Jagd nach der nächsten Bundesliga-Bestmarke tritt die seit 31 Bundesliga-Partien ungeschlagene Mannschaft von Borussia Dortmund beim Hamburger SV an, der bisher Rekordhalter ist und versuchen wird, seine zwischen 1982 und 1983 geschaffte Serie von 36 Begegnungen ohne Niederlage zu verteidigen.

Während der HSV bisher alle Pflichtspiele verloren hat - drei Niederlagen in der Bundesliga ging das Pokal-Aus beim Drittligisten Karlsruher SC voraus -, sammelte Dortmund am Dienstag mit einem 1:0 gegen Ajax Amsterdam zum Auftakt der Champions League Selbstvertrauen, nachdem der Deutsche Meister zuvor bereits sieben Punkte in der Bundesliga eingefahren und die zweite Runde des DFB-Pokals erreicht hat.

Fink: "Nichts zu verlieren"



Hamburgs Trainer Thorsten Fink, ein gebürtiger Dortmunder, betrachtet die Außenseiterrolle als Chance. "Wir haben nichts zu verlieren", sagt der 44-Jährige, "das kann auch die Köpfe befreien." In der vergangenen Saison habe seine Mannschaft trotz einer schwierigen Phase gegen Bayern München sehr gut gespielt, "warum soll uns das nicht auch gegen Dortmund gelingen?"

Erst zwei Tore hat der HSV bisher geschossen, beide am vergangenen Spieltag bei Eintracht Frankfurt (2:3), als Spielmacher Rafael van der Vaart sein Debüt feierte. "Da haben wir bewiesen, dass wir gut nach vorne spielen können, so viele hochkarätige Chancen hatten wir in den Spielen zuvor nicht", sagt Fink.

Im defensiven Mittelfeld fehlt Petr Jiracek nach seiner Roten Karte aus dem Frankfurt-Spiel, Tolgay Arslan gilt als wahrscheinlichster Ersatz. Für Zhi Gin Lam könnte Marcell Jansen auf die Position des linken Verteidigers rücken und Ivo Ilicevic die zuvor von Jansen eingenommene offensivere Position einnehmen. Verteidiger Jeffrey Bruma trainierte wegen einer Reizung im Knie zuletzt nicht, seine Verfügbarkeit entscheidet sich kurzfristig.

Klopp: "Statik des HSV-Spiels verändert"



Borussia Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller und Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan leiden an grippalen Infekten, BVB-Trainer Jürgen Klopp schließt ihre Einsätze jedoch nicht aus. Mitch Langerak, der bereits beim 5:1-Sieg in der vergangenen Saison in der Imtech Arena für Weidenfeller einsprang, und der lange verletzte Sven Bender könnten sie ersetzen.

120 Kilometer sind Klopps Spieler insgesamt gegen Ajax gelaufen - das ist die höchste Saisonmarke. Auf das Spiel in Hamburg habe das aber keinen Einfluss, meint Klopp: "Verteilt auf 90 Minuten und auf elf Spieler ist das nicht viel."

Der HSV sei jedoch schwierig auszurechnen: "Mit van der Vaart ändert sich die Statik des HSV-Spiels", sagt Klopp, der erwartet, dass die Hamburger "alles in die Waagschale werfen".



Schiedsrichteransetzungen