München - Dass Mats Hummels eine ziemlich gute Saison hinter und eine verheißungsvolle Karriere vor sich hat, muss man wohl niemandem mehr erklären. Aber er ist nicht nur ein exzellenter Fußballer, sondern hat mit seinen 22 Jahren schon viel erlebt und viel zu erzählen.

Warum er überhaupt Mats heißt, wo er Jürgen Klopp kennen lernte und wie er zu seiner Position in der Innenverteidigung kam, erfahren Sie hier: Zehn Dinge über Mats Hummels auf und neben dem Platz.

Fußballverrückte Familie

Wer unbedingt untertreiben möchte, würde wohl behaupten, Mats Hummels stamme aus einer "fußballaffinen" Familie. Tatsächlich ist sein Vater Hermann Hummels Jugendtrainer beim FC Bayern München, während seine Mutter Ulla Holthoff als Leiterin der Samstags-Ausgabe von Blickpunkt Sport beim Bayerischen Fernsehen tätig ist. Und auch für den jüngeren Bruder Jonas (Foto) gab es keine Alternative zum Fußball, er wurde kürzlich zum neuen Kapitän der SpVgg Unterhaching ernannt. Über seine Beziehung zum erfolgreichen großen Bruder sagt er: "Wir haben früher aus jeder Kleinigkeit einen Wettkampf gemacht. Ich wollte immer besser sein als der Mats."

Position gefunden

Seit seinem fünften Lebensjahr spielt Mats Fußball, zunächst als Mittelstürmer. Dann aber entschied sein Vater, der ihn in der C-Jugend trainierte, über den Wechsel des damals 15-jährigen Teenagers in die Innenverteidigung. Der noch immer torgefährliche Verteidiger beschreibt seine Position als anspruchsvoll in zweierlei Hinsicht: Es komme auf ein präzises Zuspiel ebenso an wie auf ein faires Abwehrverhalten ohne allzu viele Fouls. Ob er bei Borussia Dortmund als Innenverteidiger oder wie ab und zu im defensiven Mittelfeld eingesetzt wird, macht für ihn keinen Unterschied.

Ein Servus nach München

Seine ersten Schritte im Profifußball hat er nicht vergessen. Vor seiner Zeit beim BVB war er nur bei einem anderen Club unter Vertrag, dem FC Bayern München. Noch immer pflegt Hummels die Verbindungen in die bayrische Landeshauptstadt, wo er lange Jahre lebte. Bei einem Torjubel formte er einmal mit beiden Händen ein S. Damit grüßte er die Freunde aus seiner Münchner Schülermannschaft, die sich selbst "Selecao" nannte.

Schicksalswege

Vor dem Umzug nach München hatten die Hummels' in Mainz gewohnt. Dort war sein Vater in der Saison 1994/95 Interimscoach des Zweitligisten Mainz 05 - und trainierte unter anderem den späteren Mentor seines Sohnes Jürgen Klopp. Mats Hummels über diesen Wink des Schicksals: "Ich kannte ihn, war aber quasi zu jung, um mich noch richtig daran zu erinnern." 13 Jahre später waren sie dann schließlich beide in Dortmund angekommen, Klopp wurde 2008 Trainer der Dortmunder Borussia, Mats Hummels hatte eine Spielzeit zuvor schon in den Ruhrpott gewechselt.

Mats oder Moritz

Sein Name ist schwedischen Ursprungs und die Kurzform des deutschen "Matthias". Die Alternative für seine Eltern war damals Moritz. Sie entschieden sich aber für Mats, weil ein Freund der beiden diesen Namen für seinen eigenen Nachkommen favorisierte, aber stattdessen zwei Mädchen geboren wurden. Damit war der Weg frei für die Hummels'. Der 22-Jährige ist nach eigener Aussage sehr glücklich mit der Wahl seiner Eltern.

Fortsetzung einer Legende?

Als er vom FC Bayern nach Dortmund wechselte, war die Auswahl der Rückennummer eingeschränkt, wirklich in Frage kamen für Hummels nur die 14 oder die 15. Mit der 15 trat er in die Fußstapfen des legendären "schwarz-gelben" Abwehrspielers Jürgen Kohler. Und damit hat er sich einiges vorgenommen: "Ich weiß natürlich, dass Jürgen Kohler einer der besten deutschen Verteidiger war. Ich möchte, dass man die Nummer 15 nach meiner Karriere nicht nur mit Jürgen Kohler, sondern auch mit mir verbindet."

Trikot-Trophäen

Auf dem Platz trifft Mats Hummels auf die ganz großen Kaliber des Weltfußballs. Kein Wunder, dass sich in seiner privaten Sammlung so manches gefragte Spielertrikot findet. Die wertvollen Leibchen bekommen in seiner Wohnung einen Ehrenplatz: "Einige hängen eingerahmt bei mir zuhause an der Wand. Unter anderem eines von Edmilson aus einem Freundschaftsspiel mit Bayern München gegen Barcelona. Außerdem beispielsweise mein Trikot aus dem U-21-EM-Finale 2009 gegen England."

Kameras? Kein Problem!

Die Medienwelt lernte er als Sohn einer Sportjournalistin schon früh kennen. Ulla Holthoff nahm ihren Spross oft mit zur Arbeit und was er dort erlebte, prägte auch sein Verhalten der Presse gegenüber. Kaum ein Profi plaudert so locker und ungezwungen mit den Medienvertretern. "Bei manchen Übertragungen saß er schon mal mit im Ü-Wagen und durfte den Knopf für die Grafikeinspielung drücken. Wenn er heute als Fußballer in ein Stadion kommt, wird er garantiert von mindestens einem Journalisten mit den Worten 'Dich kenne ich, da warst du noch soooo klein!' abgefangen", beschreibt seine Mutter das besondere Verhältnis.

Werbestar

Erfolg plus Attraktivität ergeben im Spitzensport seit jeher einen unschlagbaren Marketingwert. Mats Hummels stellte seine Bekanntheit bereits in den Dienst einiger TV-Spots und findet das gar nicht so schlecht: "Am Anfang war es schon noch seltsam, aber da ich mich auch in Spielberichten selbst sehe, ist es nichts besonderes mehr. Ich schrecke nicht mehr hoch, wenn ich die Werbung sehe, es ist Normalität geworden." Jetzt ist er nach Mesut Özil auch noch der neue Coverstar des Fußballvideospiels EA Sports FIFA 12 und macht sich auch als Pixel-Mats nicht schlecht.

Ausgelernt

Mats Hummels war bereits auf der Zielgeraden seiner Schulausbildung, und doch brach er sie sechs Monate vor dem Abschluss ab. "Die Entscheidung zwischen Fußball und Abitur wurde zu einem großen Konflikt", rechtfertigt er sich. Die Doppelbelastung war zu viel für den 18-Jährigen, sogar in seinem Leistungsfach Sport lief es nicht gut: "Ich habe auf die Klausuren nicht gelernt und hatte deswegen sechs und null Punkte. Bei den null Punkten, da waren wir auf einem Turnier: Wir haben in der ersten Stunde Sport geschrieben und in der zweiten wurde ich schon abgeholt."


Sabine Glinker