München - Wussten Sie, dass bei der EM taktische Elemente Erfolg versprechen, die als veraltet galten? Dass überragende Linksfüßer eine Rarität sind? Oder dass die Franzosen näher am spanischen "Tiqui-taca" sind als Jogis Jungs? bundesliga.de gibt einen Überblick über die Trends der Vorrunde.

Traumfinale möglich - trotz hoher Leistungsdichte

Kommt es zum Traumfinale? Deutschland hat als einziges Team alle drei Spiele gewonnen, Spanien erzielte die meisten Tore (sechs) und kassierte die wenigsten Gegentore (eines). Noch ist die Wiederauflage des Endspiels von 2008 zwischen Deutschland und Spanien möglich.

Die Niederlande treten in Frankreichs und Englands Fußstapfen: Wie die Franzosen bei der EM 2008 und der WM 2010 schied Holland sieglos aus, auch bei der Elftal wurden zu viele Egoismen im Team als Grund ausgemacht. Die letzte große Fußballnation, die bei einer Europameisterschaft keinen einzigen Punkt geholt hat, war England 1988.

Nur ein Team fiel ab: Mit Irland war nur eine Mannschaft wirklich chancenlos, die Niederlande verloren drei Mal knapp und scheiterten nicht nur am mangelnden Teamspirit, sondern auch an mieser Chancenverwertung (56 Torschüsse, zwei Tore, beide per Weitschuss; Deutschland traf bei 38 Torschüssen fünf Mal).

Alle anderen Teams holten mindestens zwei Punkte. Elf der 16 Mannschaften schossen drei bis fünf Tore, zwölf fingen drei bis fünf Gegentore. Auf diesem ganz engen Niveau entschieden Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage. Kroatien hätte beispielsweise in der dritten Runde auch ohne weiteres gegen Spanien gewinnen können, wenn Ivan Rakitic seine Großchance genutzt hätte. Gruppensieger Tschechien wäre ausgeschieden, hätte Michal Kadlec nicht kurz vor Schluss gegen Blaszczykowski gerettet.

Ein guter Start bedeutet nichts

Von den acht Viertelfinalisten hat nur Deutschland das erste Gruppenspiel gewonnen - umgekehrt schieden vier von fünf Siegern des ersten Spieltages aus. Es wurde vor dem Turnier immer wieder die Bedeutung des ersten Spieles heraus gestellt, diesmal zählten Auftaktsiege aber nichts. Bisher ist nur ein Land Europameister geworden, obwohl es das Auftaktspiel verloren hat: Die Niederlande 1988 in Deutschland (0:1 gegen die UdSSR im ersten Spiel).

Wieder sind beide Gastgeber draußen: Polen und die Ukraine schieden wie die Schweiz und Österreich vor vier Jahren bereits in der Vorrunde aus.

Renaissance der Kopfballtore

Wichtiges Kopfballspiel: 17 der 60 Tore wurden per Kopf erzielt (fast 30 Prozent); bei keiner kompletten EM fielen mehr Kopfballtore, der Rekord des Turniers von 2004 wurde schon nach der Vorrunde eingestellt. Eigentlich gilt schnelles Kurzpassspiel als Gebot des modernen Fußballs, nahezu jedes dritte Tor fiel aber nach einem hoch in den Sechzehner geschlagenen Ball. England erzielte sogar in jedem Spiel ein Kopfballtor.

Nach 24 absolvierten Spielen gab es noch kein einziges 0:0, das gab es bei einer EM nie zuvor! Nur bei der Weltmeisterschaft 1954 gab es bei einem großen Turnier von Beginn an mehr Spiele ohne 0:0, damals fiel in insgesamt 26 Partien immer mindestens ein Treffer.

Den starken Toreschnitt der ersten beiden Runden konnte der dritte Spieltag allerdings nicht halten, es fielen nur 14 Treffer und diesmal gingen gleich sechs Teams leer aus. Mit einem Schnitt von 2,5 pro Partie hat sich diese EM auf dem Niveau der letzten beiden (jeweils 2,48) eingependelt.

Bemerkenswert ist, dass es kaum noch überragende Linksfüßer gibt: Nur zehn der 60 Tore wurden mit dem linken Fuß erzielt.

Es gab immer noch kein Elfmetertor und seit dem Eröffnungsspiel auch keinen Strafstoß mehr. Spanien hatte Glück, dass Wolfgang Stark nicht auf Elfmeter für Kroatien entschied - bei dieser Szene wie beim nicht gegebenen (Abseits-)Tor der Ukrainer gegen England war der umstrittene Torrichter keine Hilfe.


Teil II: Portugiesen im Pech, faire DFB-Elf, erfolgreiche Defensivtaktik