Sinsheim - Der FC Bayern München präsentierte sich in Hoffenheim in bestechender Frühform. Die Stürmer sind treffsicher, Neuzugang Douglas Costa spielte überragend. Und nach dem frühen Gegentor blieb die ganze Mannschaft hochkonzentriert. In dieser Form sind die Bayern kaum zu schlagen.

Markus Gisdol und Josep Guardiola waren sich bei der Analyse des Münchner 2:1-Sieges weitgehend einig – auch was die Beurteilung ihrer jeweiligen Mannschaften angeht. Besser könnten ihre Teams derzeit kaum spielen, fanden beide am Ende von hochklassigen und dramatischen 90 Minuten in der badischen Spätsommer-Hitze.

Zwei Stürmer, zwei Spiele, fünf Treffer

© gettyimages / Hangst

Wenn zwei Trainer ihrer Mannschaft attestieren, dass sie ein fast optimales Spiel geliefert haben, ist es eigentlich nur logisch, dass auch die 30. 150 Zuschauer guter Dinge nach Hause gingen. Die Hoffenheimer Anhänger, weil ihre Mannschaft in dieser Form vor einer erfolgreichen Saison stehen könnte. Und die FCB-Fans, weil sie ein Spiel gesehen hatten, bei dem sich ihre Mannschaft in bestechender Frühform präsentiert hatte. Guardiola hatte jedenfalls Recht, als er von "einem der besten Bundesligaspiele der letzten drei Jahre" sprach.

Dass die Bayern die Partie nach dem katastrophalen Start noch drehten, lag natürlich nicht zuletzt an der Treffsicherheit ihrer Stürmer: Thomas Müller (drei) und Robert Lewandowski (zwei) haben zusammen bereits fünf Saisontreffer erzielt – und das, obwohl Lewandowski, der Schütze des entscheidenden Treffers, am Samstag zunächst auf der Bank saß und gerade einmal 25 Minuten Spielzeit hatte.

Nun gehören beide natürlich zu den Spielern, denen 1899-Coach Gisdol eine "brutale individuelle Qualität" bescheinigte. Doch beide arbeiten auch ungeheuer viel für den Mannschaftserfolg. Besonders Müller war überall im letzten Spieldrittel zu finden, beteiligte sich prima am Kombinationsspiel und hatte vor seinem Treffer gleich mehrere Möglichkeiten – genau wie Lewandowski, der zwei Mal am glänzenden Oliver Baumann im Hoffenheimer Tor scheiterte, ehe er in der Schlussminute das 2:1 erzielte.

Königstransfer Costa

© imago

Vorgelegt hatte ihn Douglas Costa, der in Sinsheim nachwies, dass die Lobeshymnen, die in den vergangenen Tagen in vielen Redaktionen geschrieben wurden, vollauf berechtigt sind. Der Brasilianer machte mächtig Druck auf dem Flügel und hatte noch in der Schlussminute die Kraft, seinem Gegenspieler Eugen Polanski auf dem rechten Flügel einfach davonzurennen. Dass er beide Treffer vorbereitete, war dabei kein Zufall: Costas Hereingaben haben sowohl Präzision als auch Schärfe, selbst für gut sortierte Abwehrreihen sind diese Bälle nur schwer zu verteidigen. Keine Frage: Die Verpflichtung des dynamischen Mittelfeldmannes ist für die Bayern ein Glücksfall.

Bliebe die Frage, warum der FC Bayern und seine ansonsten so zuverlässigen Verteidiger David Alaba und Jerome Boateng es überhaupt zugelassen hatten, dass Hoffenheim nach neun Sekunden die Führung erzielen konnte. "Das ist vor allem eine Frage der Konzentration", wusste Philipp Lahm. "Sonst passieren solche Gegentore nicht."

Dass der Bayern-Kapitän das mit einem Lächeln im Gesicht sagen konnte, hatte allerdings einen ähnlichen Grund: In den gut 90 Minuten nach dem 0:1 präsentierten sich die Bayern hochkonzentriert. Ansonsten hätten sie das Spiel möglicherweise auch nicht mehr drehen können. Schließlich war auch der Gegner tatsächlich so stark, wie es beide Trainer nach dem Spiel formulierten.

Christoph Ruf