München - Während ihm beim Hamburger SV der Durchbruch in der Bundesliga noch nicht gelungen ist, entwickelte sich Sidney Sam in der laufenden Saison bei Bayer 04 Leverkusen zur absoluten Stammkraft. Jupp Heynckes schenkt dem 23-Jährigen das Vertrauen - und der Offensivmann zahlt es zurück.

Doch vor seiner Zeit bei Leverkusen musste Sam auch Rückschläge hinnnehmen. In Hamburg eckte er zuweilen an. Nicht nur Sportliches war ausschlaggebend dafür, dass er den HSV verließ. Hier erfahren Sie mehr über seine Anfänge als Fußballer, sein Vorbild, seinen größten Erfolg und eine seiner besonderen Qualitäten als Fußballer.

Sidney Sam wurde am 31. Januar 1988 in Kiel geboren. Mit vier Jahren fing er an, Fußball zu spielen. Und zwar beim TuS Mettenhof, einem Kieler Stadtteilverein. Über den FC Kilia Kiel und Holstein Kiel kam er zum Hamburger SV, wo er erst in der Regionalligamannschaft kickte und für die Saison 2007/08 einen Profivertrag erhielt. Nach dem 1. Spieltag der Saison 2008/2009 wurde er an den 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen. Im Sommer 2009 wurde der Leihvertrag bis Juni 2010 verlängert.

Vorbild CR7

Sams sportliches Idol ist Cristiano Ronaldo. Der portugiesische Dribbelkünstler beeindruckt den 23-Jährigen vor allem wegen seinen technischen Fähigkeiten, seiner Dynamik und seiner Torgefährlichkeit. Stärken, die Sam durchaus auch vorzuweisen hat. Ob es noch für eine Karriere bei Manchester United und Real Madrid reicht? Bei Bayer Leverkusen hat Sam jedenfalls noch einen Vertrag bis 2015.

Aufstieg mit Kaiserslautern

Seinen größten sportlichen Erfolg feierte Sam im zweiten Jahr beim 1. FC Kaiserslautern. Mit den "Roten Teufeln" schaffte er im letzten Jahr die Meisterschaft in der 2. Bundesliga und den damit verbundenen Aufstieg. Daran war der vom HSV ausgeliehene Sam maßgeblich beteiligt. 33 Spiele bestritt er für die Pfälzer und erzielte dabei zehn Treffer. Schon ein Jahr vorher war Sam am Betzenberg zum Stammspieler herangereift und feierte 26 Einsätze für Kaiserslautern. Damals reichte es aber nur für Platz 7.

Initialen am Hals

Was früher portugiesische Seemänner möglichst angsteinflößend machen sollte, ist heute in der Bundesliga weit verbreitet: Tätowierungen. Ob Torsten Frings, Lucas Barrios, Marko Arnautovic oder Tim Wiese - etliche Profis legen sich mittlerweile unter die Nadel und lassen sich Motive unter die Haut stechen. So auch Sidney Sam. Seine Initialen schmücken seinen Hals, weitere Tattoos hat er auf dem Rücken und der Schulter.

Tschüs HSV!

Im Juni 2010 hätte der HSV den an den FCK ausgeliehenen Sidney Sam wieder zurückholen können. Aber daraus wurde nichts. Zur Verwunderung vieler, denn Sam spielte bei den "Roten Teufeln" eine klasse Saison. Doch für die Entscheidung gegen Sam waren nicht nur sportliche Gründe ausschlaggebend, sondern auch menschliche. In Hamburg sagt man, er sei durch den Charaktertest gefallen. Ein Vorfall aus dem Jahr 2006 soll dafür ausschlaggeben sein, als Sam vom HSV-Internat flog, weil er gegen die Hausordnung verstoßen hatte. Offenbar ist Sam in Kaiserslautern und Leverkusen auch menschlich gereift.

Tor des Monats gegen Ex-Verein

Am 7. November 2010 traf Sidney Sam im Trikot von Leverkusen mit einem Wahnsinns-Volleytreffer aus 22 Metern zum 3:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Arturo Vidal schlägt die Ecke herein, der Ball landet vor den Füßen von Sam. Der wiederum hämmert das Ding von halblinks in den rechten Torwinkel - Tor des Monats November! Das war bereits sein zweiter Treffer in dieser Partie, denn Sam traf vor der Pause zum 1:1-Ausgleich. Ausgerechnet gegen die "Roten Teufel" mit denen er im Vorjahr in die Bundesliga aufgestiegen war.

Überragende Schusstechnik

Dieser Knaller gegen Kaiserslautern war allerdings kein Kind des Zufalls und keine Eintagsfliege, sondern ist Sams überragender Schusstechnik geschuldet. Davon machte er bei seinem ersten Tor gegen den 1. FC Kaiserslautern schon einmal Gebrauch, als er mit einem sehenswerten Distanzschuss den 1:1-Ausgleich erzielte. Und Sam knallte auch im Rückspiel am 2. April gegen die "Roten Teufel" einen schönen Volleyschuss in den linken Torwinkel. Damit erzielte Sam in einer Spielzeit drei wunderbare Treffer gegen seine ehemaligen Kollegen.

Nigerianische Wurzeln

Sams gute Leistungen in der Bundesliga sind auch Nigerias Co-Nationaltrainer Simon Kalika nicht entgangen: "Er ist ein großartiger Fußballer. Mindestens drei seiner Spiele habe ich gesehen, auch dieses Tor, das mich an Zidanes Treffer im Champions-League-Finale 2002 erinnerte. Es wäre toll, ihn für unsere Mannschaft zu gewinnen, aber wir müssen die Sache attraktiv gestalten für Sidney." Sam hat eine deutsche Mutter und einen nigerianischen Vater, deshalb besteht für ihn die Möglichkeit, für Nigeria aufzulaufen. Noch hat sich Sam für Deutschland nicht festgespielt.

Durchbruch unter Heynckes

"Für viele Experten war er der beste Spieler der 2. Bundesliga. Er ist sehr aktiv, technisch gut, leidenschaftlich. Der Junge hat Pfeffer im Hintern", fand Leverkusens Trainer Jupp Heynckes vor der Saison nur lobende Worte über Sam. Im vergangenen Sommer angelte sich Bayer den Offensivmann von HSV. Sam freute sich: "Es ist eine Ehre, für diesen Verein zu spielen. Ich will in der Bundesliga den Durchbruch schaffen." Und das hat er! Sam entwickelte sich zur Stammkraft, stand 25 Mal für die "Werkself" auf dem Platz, davon 22 Mal in der Startelf. Auch seine Torgefahr hat er in der laufenden Saison nicht verloren, Sam ist mit sieben Treffern Bayers zweitbester Torschütze.

Bisher war der 23-Jährige nur für Juniorennationalmannschaften am Ball. Sam lief neun Mal für die U19-, vier Mal für die U20- und sieben Mal für die U21-Nationalmannschaft auf. Insgesamt erzielte er für Deutschland drei Tore. Noch könnte der treffsichere Techniker mit nigerianischen Wurzeln sich aber für Nigeria entscheiden. Wenn er in der Bundesliga aber weiterhin so auftrumpft, klingelt vielleicht ja auch einmal Joachim Löw bei ihm durch...


Zusammengestellt von David Schmidt