Gelsenkirchen - Erstmals in der Rückrunde stand Tranquillo Barnetta in der Startelf - und schoss den FC Schalke 04 mit dem goldenen Tor des Tages ausgerechnet in seinem 250. Bundesligaspiel zum 1:0-Sieg über Mönchengladbach und zumindest bis zum Samstagnachmittag hoch auf Rang 3 der Tabelle.

Kein Wunder, dass sich nach der Partie ein rundum zufriedener Schweizer den Fragen von bundesliga.de stellte und über eine perfekte Woche sprach.

bundesliga.de: Tranquillo Barnetta, ein Siegtor ausgerechnet im 250. Bundesligaspiel - besser hätte es für Sie kaum passen können.

Tranquillo Barnetta: Ich habe es inzwischen auch schon gehört, dass ich ein kleines Jubiläum hatte. Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich es vorher gar nicht gewusst. Wenn man das Ganze aber dann so mit einem Tor feiern kann, passt das natürlich perfekt.

"Vieles richtig gemacht"

bundesliga.de: Für Schalke hat auch der Spielverlauf gegen Gladbach perfekt gepasst: Erst ein frühes Tor, danach konnte man sich ganz auf die kompakte Defensive konzentrieren.

Barnetta: Es wird natürlich einfacher, wenn man schon früh in Führung geht. Aber ich denke, wir hätten unseren Plan auch nicht groß umgestellt, wenn der Treffer nicht schon am Anfang gefallen wäre. So hätten wir allerdings den einen oder anderen Konter besser und sauberer zu Ende spielen können, dann wäre die Partie schon früher entschieden gewesen. Aber wenn man sieht, dass wir zuletzt gegen Bayern und nun gegen Gladbach keine Torchance zugelassen haben, dann haben wir wohl vieles richtig gemacht.

bundesliga.de: Ist das große Schalker Plus zurzeit die Defensivstärke, die der Trainer auch mit seinem System vorgibt?

Barnetta: Ja klar! Vor allem weiß bei uns jeder, dass der Hintermann immer da ist und jeder für den anderen läuft. Wenn einer mal ausgespielt ist, wartet direkt der nächste. So wird es schwierig für jeden Gegner und das gibt dir selbst ein gutes Gefühl. Das haben wir in der Hinrunde bisher sehr gut hinbekommen. Und genau so müssen wir jetzt auch weiter machen.

bundesliga.de: Für Sie als Mittelfeldspieler ist das Ganze aber auch ganz schön anstrengend.

Barnetta:(lacht) Ja, es ist schon ziemlich aufwändig. Du musst richtig viel laufen. Aber das gehört halt dazu. Und gerade in unserem System ist es eben die Grundvoraussetzung dafür, erfolgreich zu sein.

Lob für Wellenreuther

bundesliga.de: Dass der Gegner am Ende die besseren Werte in der Statistik hat, stört dabei herzlich wenig? Gladbach hatte fast 70 Prozent Ballbesitz.

Barnetta: Gladbach ist aber eigentlich nichts wirklich Gefährliches eingefallen gegen die Kompaktheit, die wir in der Defensive an den Tag gelegt haben. Wenn sie dann im nicht gefährlichen Bereich den Ball haben, stört uns das nicht groß.

bundesliga.de: Es gab auch keine Phase, in der Sie mal die Befürchtung hatten, das Spiel könnte doch noch kippen?

Barnetta: Nein, diese Sorge hatte ich nie. Wir wussten, dass es für Gladbach schwierig wird. Wir haben auch immer wieder versucht, herauszudrücken und uns nicht zu tief nach hinten drängen zu lassen. Wenn man nur am Strafraum steht, geht das auch schief. Wir sind als Mannschaft aber immer wieder kompakt und geschlossen aufgerückt, so dass es eigentlich nie wirklich gefährlich wurde für uns.

bundesliga.de: Für Timon Wellenreuther gab es nicht viel zu tun. Aber wenn mal eine gefährliche Situation vor seinem Tor entstand, hat er Sie trotz seines jungen Alters und seiner Unerfahrenheit prima entschärft.

Barnetta: Timon war wirklich klasse! Es war richtig cool, wie er die Bälle runtergepflückt hat, die vor seinen Kasten kamen. Man darf auch nicht vergessen, dass es für ihn als so junger Torhüter sicher nicht einfach ist, hinten drin zu stehen und so eine Verantwortung zu tragen. Aber er hat das wirklich richtig gut und cool gelöst.

"Wusste, dass meine Chance kommen wird"

bundesliga.de: Für Schalke war es jetzt ein perfekter Start in die Rückrunde?

Barnetta: Das kann man so sagen. Das war eine perfekte Woche. Dass wir mit sieben Punkten starten, hätten wir vorher sicher alle so unterschrieben. Auch die Art und Weise unseres Spiels, so gut wie nichts zuzulassen, spricht dafür, dass wir die Punkte nicht gestohlen haben. Wir haben zwar nach vorne kein Feuerwerk abgebrannt. Aber es bringt auch nichts, wenn man das tut und dann am Ende nicht erfolgreich ist.

bundesliga.de: Für Sie persönlich war es auch ein guter Start in die Rückrunde: Sie standen zuvor nicht immer in der Startelf, aber jetzt gegen Gladbach haben Sie ein starkes Spiel gemacht.

Barnetta: Ich habe schon in der Hinrunde gezeigt, dass ich da bin, wenn man mich braucht. Ich habe auf meine Chance gewartet und auch jetzt in der Rückrunde gewusst, dass ich nah dran bin. Wenn man so viele harte Spiele hat, kann man das nicht nur mit elf Spielern schaffen. Daher war es für mich kein Problem, zunächst auf der Bank zu sitzen. Ich wusste, dass meine Chance kommen wird. Dass ich sie jetzt so gut nutzen konnte, ist natürlich schön.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte