Mit einem Gebet hat die Mannschaft von Hannover 96 am Montag wieder den Trainingsbetrieb aufgenommen. Einen Tag nach der bewegenden Trauerfeier für Torwart Robert Enke traf sich das Team gegen 13 Uhr im Kabinentrakt der Arena, unweit der Stelle, wo auch am Montag noch zahlreiche Kerzen, Schals und Fotos an Enke erinnerten.

Der Seelsorger Michael Hartlieb vom Annastift in Hannover begleitete die Profis auf ihrem Weg zurück in die Normalität.

Spiel auf Schalke findet statt

"Das Gebet und die Aussprache in der Kabine haben uns gut getan und geholfen", sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke. Gegen 14.40 Uhr führte dann Co-Trainer Dirk Bremser in Vertretung des an einem grippalen Infekt erkrankten Coaches Andreas Bergmann die Spieler auf den Trainingsplatz hinter dem Stadion.

Die Mannschaft wird am Samstag zum Punktspiel bei Schalke 04 antreten. Nach dem Selbstmord ihres an schweren Depressionen erkrankten Torwarts am vergangenen Dienstag war lange Zeit unklar, ob sich das Team in der Lage sehen würde, auf Schalke zu spielen.

"Man kann davon ausgehen, dass wir spielen werden", sagte Schmadtke, "das ist der richtige Weg. Wir haben in sechs Tagen ein Bundesligaspiel, und es ist gut, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die wir können."

Erinnerungen an die Tragödie

Der Weg aus der Kabine zum Trainingsplatz weckte bei den Profis allerdings zwangsläufig auch wieder die Erinnerungen an die Tragödie um ihre Nummer 1. An Absperrgittern steckten Enke-Fotos, die Tür zum Trainingsplatz war mit roten Rosen geschmückt. Ein halbes Dutzend Kamerateams wartete zudem auf frische Bilder.

Bei der Trauerfeier am Sonntag hatte das Team noch in einer spontanen Aktion Spalier gestanden, als der Sarg ihres Mannschaftskameraden aus dem Stadion getragen wurde. Die würdevolle Feier hat laut Schmadtke auch den Profis bei der Bewältigung der Situation geholfen: "Es war wichtig, eine Auszeit zu nehmen. Die Trauerfeier hat aber auch einen Abschluss gebildet."

Fromlowitz im Fokus

Das Training begann mit einer leichten Laufeinheit, anschließend wurde etwas gekickt. Die Übungen erinnerten mehr an eine Bewegungstherapie - und genau das waren sie ja auch. "Es tut gut, sich zu bewegen, sich müde zu spielen und den Kopf müde zu spielen", sagte Schmadtke.

Besonders im Fokus stand und steht natürlich Torwart Florian Fromlowitz. Der 23-Jährige hatte Enke bereits während dessen bakterieller Infektion glänzend vertreten und war für die vergangenen beiden Spiele, die letzten Enkes, wieder klaglos auf die Bank gerückt.

Torwarttrainer Jörg Sievers sprach auffällig viel mit Fromlowitz, der jetzt das schwere Erbe von Enke antreten muss. "Das ist eine Sondersituation, aber er hat von uns jede Unterstützung", sagte Schmadtke, "ich denke, er wird das hinbekommen."