München - Seit die Winterpause in der Bundesliga auf nur noch knapp vier Wochen reduziert wurde, gibt es kaum noch ein Verschnaufen. Das Geschäft geht immer weiter, selbst an den Feiertagen zwischen den Jahren. Rein sportlich dagegen gibt es aus der Spitzengruppe der Bundesliga nicht viel Neues zu berichten.

Doch der Reihe nach. In Hoffenheim endet pünktlich zum Jahreswechsel die Ära Ralf Rangnick. Der ehrgeizige Coach hatte den "Dorfverein" viereinhalb Jahre lang extrem erfolgreich trainiert, von der 3. Liga bis zur sensationellen Herbstmeisterschaft 2008 geführt und in der laufenden Saison im Mittelfeld etabliert. Die Kraichgauer rangierten mit 25 Punkten auf Position 8, lagen nur vier Zähler hinter den internationalen Plätzen und standen zudem im Viertelfinale des DFB-Pokals.

Gustavos Wechsel sorgt für Wirbel

Trotz der guten Ausgangssituation rumorte es in Hoffenheim. Der Grund dafür war der kurz vor Weihnachten über den Kopf des Trainers hinweg beschlossene Millionen-Transfer von Luiz Gustavo zum FC Bayern, den Hoffenheim-Boss Dietmar Hopp und Manager Ernst Tanner perfekt gemacht hatten.

Ralf Rangnick wertete dies als Vertrauensbruch und Schwächung der Mannschaft, mit der er jetzt seine sportlichen Ziele nicht mehr erreichen könne. "Wir sind ein vergleichsweise kleiner Bundesliga-Club. Rangnick aber sucht nach Herausforderungen in anderen Dimensionen und stößt in Hoffenheim daher naturgemäß an seine Grenzen", ließ der Verein verlautbaren. Rangnicks Nachfolger wurde sein bisheriger Assistent Marco Pezzaiuoli.

Auch eine andere prominente Personalie wurde ausgiebig diskutiert. Matthias Sammer sollte neuer Sportchef des Hamburger SV werden. Die Verhandlungen liefen vielversprechend, doch am Ende sagte der DFB-Sportdirektor den Hanseaten ab. Beim HSV dagegen bleiben musste dagegen Superstar Ruud van Nistelrooy, der gerne zu Real Madrid zurückgegangen wäre.

Dzeko, Ba und van Bommel verabschieden sich

Dafür wurden im Januar andere spektakuläre Spielerwechsel über die Bühne gebracht. Bayern-Kapitän Mark von Bommel unterschrieb beim AC Mailand einen Vertrag, Torschützenkönig Edin Dzeko zog es zu Manchester City, Schalkes Ivan Rakitic ging nach Spanien zum FC Sevilla. Aus Hoffenheim verabschiedete sich Demba Ba ziemlich stillos. Er wurde vom Niederländer Ryan Babel ersetzt. In Leverkusen hatte Stürmerstar Patrick Helmes genug von seinem zeitweiligen Reservistendasein, er akzeptierte eine Offerte des VfL Wolfsburg.

Auch die Abstiegskandidaten legten personell noch einmal mächtig nach. Schlusslicht Borussia Mönchengladbach verpflichtete den Innenverteidiger Martin Stranzl, die Allzweckwaffe Harvard Nordveidt und den effektivsten Hinrunden-Joker Mike Hanke (drei Tore) aus Hannover. Dafür ließen die Borussen Michael Bradley und Raul Bobadilla ziehen.

Der rheinische Rivale 1. FC Köln angelte sich den arbeitslosen Torhüter Michael Rensing, Außenverteidiger Christian Eichner und den Mittelfeldspieler Slawomir Peszko. In München kündigte Bayern-Trainer Louis van Gaal einen Wechsel im Bayern-Tor an.

Zieler und Kraft dürfen ins Tor

Gegen den Ratschlag der Bayern-Führung beschloss der eigenwillige Niederländer, in der Rückrunde auf Nachwuchskeeper Thomas Kraft an Stelle von Oldie Jörg Butt setzen zu wollen. Ohne große Ankündigung vollzog auch Hannovers Coach Mirko Slomka einen Personaltausch im Tor. Er zog das Riesentalent Ron-Robert Zieler dem bisherigen Stammkeeper Florian Fromlowitz vor.

Und dann wurde endlich auch wieder Fußball gespielt. Die Rückrunde wurde mit dem Hit des Herbstmeisters Borussia Dortmund beim Tabellen-Dritten Bayer Leverkusen eröffnet. Zehn Punkte trennten die beiden besten Teams vor dem Spiel, 13 danach.

Der BVB gewann souverän mit 3:1 und blieb der Meister des Understatements. Hartnäckig weigerten sich alle Verantwortlichen vom Titel zu sprechen, obwohl auch der Überraschungszweite Mainz mit einer Niederlage startete und die Bayern nach einem schweren Patzer von Bastian Schweinsteiger zwei Punkte liegen ließen.

Die Dortmunder marschierten einfach weiter, holten sieben Punkte aus den ersten drei Rückrundenpartien und steuerten unaufhaltsam auf den Titel zu. Allerdings musste der BVB auch eine Hiobsbotschaft schlucken. Der japanische Shootungstar Shinji Kagawa hatte sich beim Asien Cup den Mittelfuß gebrochen und drohte, die komplette Rückserie auszufallen.

Draxler schießt Schalke weiter

Leverkusen fing sich schnell, gewann die beiden nächsten Spiele und freute sich über das gelungene Startelfcomeback von Michael Ballack im mit 2:0 gewonnenen Verfolgerduell gegen Hannover 96. Die Bayern traten auf der Stelle, gewannen aber ihr unangenehmes Pokalviertelfinale mit 4:0 beim "Angstgegner" Alemannia Aachen, bei dem sie die drei Pflichtspiele zuvor alle verloren hatten. Der Pokal blieb eine Titeloption, zumal der schwerste verbliebene Kontrahent, Schalke 04, den Münchenern im Halbfinale in die Allianz Arena zugelost wurde.

Schalke hatte in einem mitreißenden Fight den 1. FC Nürnberg dank eines spektakulären Tores des 17-Jährigen Julian Draxler mit 3:2 nach Verlängerung bezwungen. Das andere Halbfinale sollten der MSV Duisburg und Energie Cottbus bestreiten.

Bemerkenswert waren ansonsten der miserable Rückrundenstart von Eintracht Frankfurt, das ohne Punkt und Tor blieb. Dagegen bereitete im Abstiegskampf das prominente Trio aus Köln, Stuttgart und Mönchengladbach mit ersten Erfolgen die große Aufholjagd vor.

International sorgte die Vergabe der Weltmeisterschaften im Doppelpack für Kopfschütteln. Während der Ausrichter Russland für die WM 2018 noch einigermaßen akzeptabel erschien, stieß die Wahl Katars für die WM 2022 auf beinahe einhellige Ablehnung.


Das Spiel des Monats:

Gleich zum Rückrundenstart gab es einen Kracher. Bayer Leverkusen empfing den Hinrundenüberflieger und zehn Punkte enteilten Herbstmeister Borussia Dortmund, der allerdings sein letztes Spiel vor der Winterpause unnötig mit 0:1 in Frankfurt verloren hatte. Die Bundesliga drückte der "Werkself" die Daumen, vergeblich.

Nach einer ausgeglichenen ersten Spielhälfte zerlegte die Elf von Jürgen Klopp den Kontrahenten nach dem Seitenwechsel innerhalb von sechs Minuten. Zwei Tore schoss Kevin Großkreutz, eins Mario Götze. Bayer konnte dem Dortmunder Angriffswirbel nicht viel entgegensetzen und musste staunend seine Demontage mitansehen, die sich dank des Ehrentreffers von Stefan Kießling mit .

12 Punkte und 30 Tore (!) betrug der Dortmunder Vorsprung nach diesem 18. Spieltag auf den nächsten "Verfolger" Hannover 96 (Tabellensituation nach Spieltag 18). Titelverteidiger Bayern München lag sogar bereits unfassbare 16 Punkte hinter dem BVB und hatte somit einen größeren Rückstand auf den Spitzenreiter als der eigene Vorsprung auf die Abstiegsplätze betrug. Die waren nämlich "nur" 14 Punkte entfernt...

Tobias Gonscherowski

Das Jahr 2011 im Überblick