München - Die Länderspielpause nach dem 27. Spieltag könnte den Fußballfans diesmal gerade recht kommen. Nicht, weil es der Bundesliga kurz vor dem Schlussspurt an Spannung mangeln würde - im Gegenteil. Eher ist die zweiwöchige Pause eine willkommene Gelegenheit, die Geschehnisse rund um das Stühlerücken der Cheftrainer zu sortieren.

Gar nicht so einfach, drehte sich das Trainerkarussell doch in den letzten Tagen so schnell, dass manch einem schwindelig wurde. bundesliga.de fasst die turbulenten Ereignisse mit Entlassungen, Einstellungen und Rochaden zusammen und macht eine Bestandsaufnahme der Trainerjobs in der Bundesliga.

Inmitten des Trubels steht Thomas Schaaf weiterhin als Fels in der Brandung. Seit knapp zwölf Jahren ist er Cheftrainer bei Werder Bremen und damit mit Abstand der dienstälteste Coach der deutschen Eliteliga. Noch im vergangenen Jahrtausend, am 9. Mai 1999, trat Schaaf seine Arbeit bei den Norddeutschen an, damals als Nachfolger eines gewissen Felix Magath.

Magaths Rückkehr

Während Schaaf also weiterhin in Bremen tätig ist, wurde Magath Hauptperson eines der ungewöhnlichsten Trainerwechsels der Bundesligageschichte: Nur zwei Tage nach seiner Entlassung bei Schalke 04 wurde der umtriebige Coach beim VfL Wolfsburg vorgestellt - seinem alten Club also, mit dem er 2009 Meister wurde und den er jetzt vor dem Abstieg retten soll.

In Wolfsburg hatte bis zu diesem Zeitpunkt Pierre Littbarski das sportliche Sagen - zumindest in der kurzen Zeitspanne seit der Entlassung seiner Vorgängers Steve McClaren. Littbarski blieb jedoch im Bemühen, die "Wölfe" wieder auf Kurs zu bringen, weitgehend erfolglos und musste daher Magath weichen.

Die Nachfolge Magaths beim FC Schalke übernahm nur bei der 0:2-Niederlage in Leverkusen dessen vormaliger Assistent Seppo Eichkorn. Ab sofort hat Ralf Rangnick das Kommando in Gelsenkirchen und kehrt damit auf den Trainerstuhl der "Königsblauen" zurück, nachdem er Schalke bereits zwischen September 2004 und Dezember 2005 trainiert hatte.

Aufstieg der Assistenten

Apropos Rangnick: Der 53-jährige Übungsleiter war bis zur Winterpause noch Chefcoach bei 1899 Hoffenheim, verabschiedete sich aber zum Jahreswechsel aus dem beschaulichen Kraichgau. Rangnicks Co-Trainer Marco Pezzaiuoli trägt seitdem die sportliche Verantwortung.

Weit turbulenter ging es beim Hamburger SV zu, der sich nach dem 0:6-Debakel am 26. Spieltag von seinem Cheftrainer Armin Veh trennte. Dieser hatte kurz davor bereits signalisiert, dass er seine Tätigkeit bei den Hanseaten im Sommer beenden würde. Auch beim HSV stieg mit Michael Oenning der Assistenztrainer zum Chef auf - zumindest bis zum Ende der Spielzeit.

Entlassung nach Vertragsverlängerung

Wer nun daran glaubte, das Trainerkarusell würde langsam aufhören, sich zu drehen und den Fans ein paar Ruhetage gönnen, um sich gedanklich zu sortieren, den straften die jüngsten Ereignisse Lügen. Eine völlig überraschende Wendung, die nun allen Trainerturbulenzen die Krone aufsetzte, gab es nämlich bei Eintracht Frankfurt: Trotz eines immens wichtigen Sieges im Abstiegsduell gegen den FC St. Pauli beendeten die Verantwortlichen der Eintracht die Zusammenarbeit mit Trainer Michael Skibbe. Diese Entlassung ist nicht nur aufgrund des vorangegangenen Sieges kurios, sondern auch weil der Vertrag von Skibbe erst vor rund zehn Wochen um ein Jahr bis 2012 verlängert worden war. Ein Grund, am Trainer festzuhalten. Doch im Zweifel auch kein Hindernis, will man ihn beurlauben.

Nachfolger von Skibbe, der die Eintracht seit 2009 trainierte, ist nun Christoph Daum. Der 57-Jährige übernimmt die Hessen erst einmal bis zum Ende der Saison, aber "beide Parteien haben die Absicht, auch darüber hinaus zusammenzuarbeiten", erklärte Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen. Daum ist ein beschriebenes Blatt in der Bundesliga, er stand schon beim 1. FC Köln, Bayer 04 Leverkusen und dem VfB Stuttgart als Trainer unter Vertrag.

Weitere Wechsel sind fix

Als "Trainer auf Zeit" werden sich weitere drei Übungsleiter am Ende der Spielzeit von ihren Clubs verabschieden - wodurch es zur nächsten Rochade kommt: Robin Dutt packt seinen Koffer in Freiburg und heuert ab dem Sommer in Leverkusen an. Für Dutt wird Markus Sorg, der jetzige U-23-Coach der Freiburger, im Sommer zum Chef avancieren.

Bei Bayer 04 Leverkusen hatte Jupp Heynckes seinen Kontrakt nicht verlängern wollen. Offen ist nun, ob der 65-Jährige sich aus dem Trainergeschäft in der Bundesliga komplett zurückzieht oder - glaubt man Gerüchten - sich auf den Weg an die Säbener Straße macht und zur neuen Saison beim FC Bayern München anheuert. Denn beim Rekordmeister wurde ja bereits die Trennung vom jetzigen Coach Louis van Gaal verkündet.

VfB feuerte schon zwei Trainer

Schon vor den turbulenten Ereignissen im Frühjahr hatten einige Vereine die Reißleine gezogen und sich von ihren Cheftrainern getrennt: In Köln musste Zvonimir Soldo seinem Nachfolger Frank Schaefer Platz machen, Mönchengladbach beurlaubte Michael Frontzeck und holte Lucien Favre, der VfB Stuttgart feuerte mit Christan Gross und Jens Keller gleich zwei Trainer, bevor Bruno Labbadia im Dezember 2010 übernahm.

Auch der SV Werder Bremen durchlebt momentan unruhige Zeiten. Als Champions-League-Teilnehmer und mit Ambitionen auf internationale Ränge in die Saison gestartet, verabschiedeten die sich die "Grün-Weißen" schnell aus allen Pokalwettbewerben und fanden sich schlussendlich im Abstiegskampf wieder. Doch der erfolgsverwöhnte Club hat trotz der nicht zufriedenstellenden sportlichen Situation seine Loyalität zu Thomas Schaaf nicht aufgegeben. Damit ist Schaaf zur Zeit einer der wenigen Felsen in einer sehr wilden Brandung.

Johannes Fischer und David Schmidt


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